Christian Katz: «Wir leben in einem Zwiespalt»

In einer Serie unterhalten sich Christian Katz, CEO der SIX Swiss Exchange, und Claude Baumann von finews.ch über brisante Themen aus der Finanzwelt.

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Herr Katz, neue Datendiebstähle, der Verdacht auf deutsche Wirtschaftsspionage in der Schweiz und noch immer keine Abkommen mit den USA und Deutschland in Sicht. Steht unser Finanzplatz nicht allmählich auf der Kippe?

Die europaweite Euro- und Verschuldungskrise wird gewiss niemand bestreiten wollen, aber im internationalen Vergleich geht es uns kollektiv gesehen doch noch immer um einiges besser als unseren Nachbarn – selbst wenn manche Medien fast schon täglich das Gegenteil schreiben. Der Neugeldzufluss bei den Banken beispielsweise ist trotz aller Widrigkeiten immer noch sehr hoch. Wir sind wettbewerbsfähiger als man denkt.

Das behaupten Sie.

Im Ernst, wir haben eine Jahrhunderte alte Dienstleistungsmentalität, die mit unserem wirtschaftlichen Fortschritt gewachsen ist. In der Landwirtschaft und in der Industrie waren wir nie Global Players, weil wir als kleines Land keine Skalenerträge realisieren konnten. Erst die Entwicklung im tertiären Sektor, also im Dienstleistungsbereich, hat uns kundenorientiert werden lassen. Das ist unser Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Ausland.

Um uns herum herrscht Krise, und Sie sprechen von Kundenorientierung. Ist das nicht etwas sehr verklärt?

Die Gefahren und Probleme streite ich nicht ab. Doch ich stelle fest, dass die Schweiz, jedesmal wenn sie unter Druck stand, innovativ reagiert hat. Nicht zufällig sind beispielsweise einige Schweizer Privatbanken während der Zeit der Französischen Revolution um 1792 in Genf entstanden, trotz der damals auch in Genf äusserst unsicheren Lage.

Gab es denn schon damals Steuerhinterzieher?

Nein, sondern Bürger, die – wie heute – ihrer eigenen Regierung nicht mehr trauten und ihr Vermögen im Ausland in Sicherheit bringen wollten.

Ihren Optimismus in Ehren. Tatsache ist, dass die Schweiz alles andere als geeint auftritt, wenn es um ihre Banken und den Finanzplatz geht.

Tatsächlich hatten Werk- und Bankenplatz auch schon ein besseres Zusammenspiel. Man hört zu wenig aufeinander. Das wäre aber wichtig, um die Herausforderungen zu meistern, vor der die Schweiz als Ganzes steht. Ich sehe jedoch, dass wieder vermehrt das Gespräch gesucht wird und am Brückenschlag gearbeitet wird.

Die Banken haben in den letzten Jahren allerhand Geschirr zerschlagen. Das vergisst die Öffentlichkeit nicht so schnell.

Das ist richtig. Aber die Parlamentswahlen im Herbst vor einem Jahr haben nicht zu einer Radikalisierung geführt, wie man es hätte befürchten können. Im Gegenteil, unser Land hat einmal mehr bewiesen, dass es den Konsens und konstruktive Lösungen sucht.

Etwas mehr Sensibilität für die Anliegen der Bankbranche wäre aber vonnöten, solange der Diebstahl von vertraulichen Kundendaten ständig neue Blüten treibt. Bleibt das so?

Wir leben in einem Zwiespalt. Einerseits haben wir Facebook, Wikileaks und andere Institutionen, wo enorme Datenmengen zusammenkommen. Andererseits wollen wir unsere Bankdaten gesichert wissen. Das ist eine Gratwanderung. Ich denke, erhöhte Schutzmassnahmen bei den Banken sind unumgänglich. Soviel steht fest: Das Problem wird uns vorerst erhalten bleiben.

Finden Sie es richtig, wenn eine Regierung gestohlene Kundendaten kauft?

Nein. Selbst der legitime Gerechtigkeitsanspruch, dass alle Bürger Steuern zahlen sollen, rechtfertigt meines Erachtens nie rechtswidrige Taten.


Christian_Katz_Portrait_q_1Christian Katz leitet innerhalb der SIX Gruppe den Geschäftsbereich Swiss Exchange. Dieser betreibt die Schweizer Börse SIX Swiss Exchange sowie das Joint-Venture Scoach, die europaweit erste spezialisierte Börsenorganisation für strukturierte Produkte. Zudem verantwortet er den europäisch führenden Indexanbieter STOXX, sowie die Swiss Fund Data.

Vor seinem Eintritt Anfang 2009 führte der 44-jährige Christian Katz das Representative Office von Goldman Sachs in der Schweiz, wo er sich auf das institutionelle Aktien- und Aktienderivatgeschäft fokussierte. Zuvor war er acht Jahre für J.P. Morgan Chase tätig.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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