Abschottung ist keine Antwort auf heutige Risiken

Die dritte Runde des Quantitative Easing in den USA kann für die Schweiz negative Folgen haben, schreibt Martin Hess von der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Martin_Hess_119x168_2Martin Hess ist Leiter Wirtschaftspolitik bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Mit dem Beschluss zur Ankurbelung der Wirtschaft bis mindestens 2015 für monatlich bis USD 40 Mrd. besicherte Hypothekarpapiere zu kaufen, hat die Federal Reserve (Fed) die dritte Stufe des Quantitative Easing (QE) gezündet. Der Offenmarktausschuss der Fed ist relativ optimistisch, dass dies der Befreiungsschlag aus der volkswirtschaftlichen Lethargie ist und hat sogleich die Wachstumsprognosen der USA erhöht.

Allerdings ist dabei nicht ausgeschlossen, dass die Liquiditätsfalle endgültig zuschnappt. Also dass die nominalen Zinsen bei null verharren, während Deflation und damit hohe reale Zinsen zum Geldhorten anstatt zu Investitionen einladen.

AAA-Rating in Gefahr

Angesichts der im Gegensatz zu Europas Sorgenkindern ungebrochenen Verschuldungsdynamik der USA (vgl. Grafik unten) und der Überprüfung des AAA-Rating durch Moody's ist das abermalige Erkaufen von Zeit (vgl. Blogbeitrag vom 5. Juni 2012) eine naheliegende Option. Das Fed hat sogar erklärt, das selbst nach einer Verbesserung des Wirtschaftsgangs die Geldpolitik eine Weile locker bleiben werde.

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Wo liegen die Gefahren dieser Politik? In den USA liegt die grösste Gefahr darin, dass der gelähmte Kongress die erkaufte Zeit ungenutzt verstreichen lässt und wie bei den früheren QEs die Wirkung ausbleibt. Nebenwirkungen sind Blasengefahren und Fehlallokation von Kapital. Die Renditen von Ramschanleihen von Unternehmen befinden sich heute auf einem Allzeittief und liegen teilweise unter den Anleihen gewisser Staaten in Europa.

Musterknaben werden mit in den Sumpf gezogen

Noch wichtiger ist jedoch der Druck auf den Rest der Welt. Die Nullzinspolitik beim Dollar als globale Leitwährung zwingt die übrigen Notenbanken zum Mitziehen. Die EZB hat eben ihr Anleihen-Ankaufprogramm angekündigt, China hat die Zinsen gesenkt, die Bank of England ihr QE verlängert. Als bisher letzte Notenbank wurde die Bank of Japan gezwungen, auf den Zug zu springen.

Die grössten geldpolitischen Opfer erbringen die Länder, die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Und so greifen Brasilien zu Kapitalverkehrskontrollen, Dänemark zu Negativzinsen und die Schweiz zur Wechselkursuntergrenze. Weitere Griffe in den Giftschrank dürften folgen.

Risiken für die Schweiz und ihre Banken werden grösser

Bereits 1915 hat der damalige Generalsekretär der Schweizerischen Nationalbank Adolf Jöhr geschrieben, dass eine Bank in schwierigen Zeiten wie ein Bauernhof vom gut behüteten Feuerwehrteich Liquidität anzapfen können soll. Eine Zentralbank ist aber nicht an einem Feuerwehrteich angeschlossen sondern am Meer. Wenn die politischen Entscheidungsträger die erkaufte Zeit ungenutzt verstreichen lassen, wird der Wasserschaden grösser sein, als es der Feuerschaden je hätte sein können.

Die Risiken für die Schweiz und ihre Banken würden nicht kleiner sondern grösser. Zu der bisherigen Frankenstärke und den volkswirtschaftlichen Risiken gesellen sich Inflationsrisiken und eine daraus folgende Zinshausse, die aus dem Ausland hereinbrechen. Obdessen sich nun ganz abzuschotten wäre für die Schweiz ein strategischer Fehler. Die relative Stärke gegenüber den europäischen Mitbewerbern wird es hiesigen Firmen erlauben, die Zukunftsmärkte erfolgreich zu bedienen.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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