«Pensionskassen hinterfragen Asset Manager»

Das Asset Management auszubauen, sei eine der ersten konstruktiven Ideen, seit der Finanzplatz unter Druck stehe, so Alain Barthel von Goldman Sachs AM.

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Seit sich der Schweizer Finanzplatz im Nachgang zur Krise sozusagen neu erfinden muss, gilt das Asset Management für immer mehr Finanzinstitute als Betätigungsfeld mit erheblichen Perspektiven.

Denn mit dem Ausbau ihrer Kapazitäten für institutionelle Kunden wie Pensionskassen und Versicherungen hoffen zahlreiche Banken, einen Teil der Ertragsausfälle aus dem Geschäft mit vermögenden Privatkunden kompensieren zu können. Vor diesem Hintergrund dürfte das so genannte Asset Management in den nächsten Jahren eine zentrale Bedeutung im Schweizer Bankwesen erlangen – entsprechend aber auch hart umkämpft werden.

Pensionskassen sind offen für Gespräche

Für Alain Barthel (Bild) ist dies eine grundsätzlich erfreuliche Entwicklung. Seit Juni 2011 leitet er Goldman Sachs Asset Management in der Schweiz. Gerade weil es hierzulande eine aussergewöhnliche Dichte an institutionellen Kunden gebe – neben den Pensionskassen und anderen Vorsorgeinstituten auch namhafte Family Offices –, bestehe ein beträchtliches Wachstumspotenzial, ist er überzeugt. «Und für Goldman Sachs Asset Management ist die Schweiz ein wichtiger Teil der Expansionsstrategie», unterstreicht der 41-jährige Franzose mit elsässischen Wurzeln.

Parallel zur Asset-Management-Thematik stellt Barthel seit geraumer Zeit fest, dass zahlreiche Pensionskassen ihre Mandate intensiv überprüfen würden. «Sie sind offen für Gespräche», stellt der Goldman-Sachs-Manager fest. Diese Entwicklung komme nicht von ungefähr. Im anhaltenden Tiefzinsumfeld werde es auch für die Investment-Experten der Pensionskassen immer schwieriger, annehmbare Renditen zu erzielen. «Unter diesen Prämissen ist Expertise mehr denn je gefragt», sagt Barthel.

Negative Schlagzeilen

Auch von Goldman Sachs? Barthel räumt ein, dass die wiederkehrenden negativen Schlagzeilen über das US-Institut sicher nicht immer förderlich seien. Gut erinnerlich ist beispielsweise, wie sich im letzten Frühjahr ein ausscheidender Mitarbeiter in der «New York Times» darüber ausliess, wie abschätzig man bei Goldman Sachs mit Kunden umgehe und sie über den Tisch ziehe.

Natürlich seien solche Vorkommnisse nie gut, erklärt Barthel. «Aber es ist uns wichtig, zu sagen, dass dies eine Einzelmeinung ist, die weder die grosse Mehrzahl unserer Mitarbeiter, noch unsere Kunden teilen, und die auch nicht unsere Unternehmenskultur und -werte reflektiert», sagt Barthel dazu. Goldman Sachs' Expertise werde vom Gros der Kunden nicht in Zweifel gezogen. «Wichtig ist», sagt Barthel weiter, «wie wir lokal wahrgenommen werden.» Das wiederum hänge direkt von der Leistung ab, die man erbringe.

Viele Manager unter Druck

Barthel stellt im Gespräch mit finews.ch allerdings auch fest, dass viele Pensionskassen die Leistung der Asset Manager heute wesentlich kritischer hinterfragen würden als früher. Dies rühre von daher, dass viele Pensionskassenverantwortliche eben selber unter einem grossen Druck stünden.

Umgekehrt erfordere dies von den Banken eine verstärkte Informationsbereitschaft; Barthel spricht in diesem Zusammenhang von einem «edukativen Aspekt», damit der institutionelle Kunde seine Investitionsentscheide letztlich besser verantworten könne. «Die Mentalität der Pensionskassenverantwortlichen verändert sich unzweifelhaft», stellt Alain Barthel fest und sieht darin seine Chance im lokalen Markt.

Rund 840 Milliarden Dollar unter Verwaltung

Alain_Barthel_qAlain Barthel arbeitet seit 17 Jahren in der Finanzbranche. Vor seinem aktuellen Job arbeitete er zuletzt bei Morgan Stanley in der Schweiz, wo er das Investment Management leitete und die Vertriebsorganisation in der Schweiz aufbaute. Weitere Berufserfahrung sammelte er überdies bei Crédit Agricole Asset Management sowie bei Paribas Asset Management.

Goldman Sachs Asset Management (GSAM) operiert in der Schweiz über die GS Bank AG. GSAM ist die Asset-Management-Sparte der Goldman Sachs Group. Per Ende Juni 2012 verwaltete dieser Geschäftsbereich weltweit rund 840 Milliarden Dollar (rund 781 Milliarden Franken).

Expansion im Drittvertrieb

Rund 300 Milliarden Dollar davon sind in festverzinsliche Anlagen investiert, wie Barthel präzisiert. Im so genannten Fixed Income liege eine Spezialität von GSAM, genauso wie im Geschäft mit Versicherungsunternehmen, die rund 125 Milliarden Dollar Goldman Sachs Asset Management anvertraut hätten.

Detaillierte Zahlen zur Schweiz veröffentlicht GSAM nicht. Fest steht indessen, dass mit der Ernennung von Alain Barthel der hiesige Markt eine grössere Bedeutung erlangt hat. «Wir sehen enorme Möglichkeiten, alle Bereiche des Geschäfts in der Schweiz weiter zu entwickeln, sowohl für die institutionelle Kundschaft als auch im Drittvertreib mit externen Partnern», sagt Sheila Patel, Co-CEO von GSAM International.

Kooperation mit Standard & Poor's

Neben der Expertise im festverzinslichen Bereich verweist Barthel auf die Anlagekompetenz im Bereich alternativer Anlagen, bei Schwellenländern sowie individuellen Investmentlösung. Darüber hinaus lancierte GSAM unlängst eine mit der Rating-Agentur Standard & Poor's entwickelte Aktienanlagestrategie namens GIVI, was für «Global Intrinsic Value Index» steht.

Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um ein Diversifikationsmodell, das den Rendite-Mix eines Aktien-Portefeuilles weniger volatil machen soll.

 

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Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut dem Bericht ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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