EU: Nicht Umverteilung, sondern Ausgleich

Wie kommt es, dass Mailand trotz der vielen negativen Meldungen aus Italien boomt? Das fragt sich Raphael Vannoni von der Bankiervereinigung.

Raphael_Vannoni_2Raphael Vannoni ist Leiter Economic Analysis bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Vor kurzem war ich geschäftlich in Mailand. Angesichts der vielen negativen Meldungen über die wirtschaftliche Lage Italiens hätte ich eigentlich erwartet, dass diese Metropole nicht mehr so boomt wie auch schon. Doch weit gefehlt.

Ein geschäftiges Treiben war in der Stadt zu spüren und auch abends waren viele Mailänder beim «Aperitivo» anzutreffen. Doch worauf möchte ich hinaus?

Oft hört man, dass die Eurozone kein optimaler Währungsraum darstelle. Auch ich bin grundsätzlich dieser Meinung. Doch ein ökonomisch homogener Staat oder eine Gemeinschaft – und damit ein optimaler Währungsraum – existiert nur in Lehrbüchern.

Ärmere und reichere Regionen

In einem Zusammenschluss von Kantonen, Bundesländern oder auch Staaten gibt es immer strukturstärkere und entsprechend strukturschwächere Regionen.

Wenn ich nun die Daten der italienischen Statistikbehörde analysiere, sehe ich, dass die ärmsten Regionen in Süditalien (Sizilien, Kampanien, Kalabrien) ein etwa halb so grosses Bruttoinlandprodukt pro Kopf aufweisen wie die reicheren Regionen in Norditalien (Bozen, Aosta-Tal, Trentino, Lombardei).

Aber nicht nur in Italien ist dies der Fall. Auch bei einem Blick auf deutsche Statistiken stellt sich heraus, dass der Faktor zwischen den reichsten und ärmsten Bundesländern bei 1:2 liegt.

Flankierende Massnahmen nötig

Erstaunlicherweise ist bei einem Vergleich zwischen Deutschland und Griechenland die Differenz des Pro-Kopf Einkommens gar geringer. Was lässt sich daraus schliessen?

Ob die Gemeinschaft jetzt Italien, die Schweiz oder die Europäische Union (EU) ist, es existieren immer regionale Disparitäten – zumindest in der kurzen und mittleren Frist. Dieser Tatsache gilt es nun in der europäischen Währungsunion Rechnung zu tragen. Da nicht zu erwarten ist, dass die Marktmechanismen diese Disparitäten vollständig ausgleichen werden, sind flankierende Massnahmen zu ergreifen.

Appell an die EU-Politiker

In der Schweiz beispielsweise geschieht dieser Ausgleich, verbunden mit einer Aufgabenteilung, mehr oder weniger erfolgreich durch die sogenannte «Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung» (NFA).

Unter der Voraussetzung der Gemeinschaftsgedanke möchte weiterverfolgt werden, appelliere ich ein weiteres Mal an die europäischen Politiker, Massnahmen zu ergreifen, die ein gemeinsames Europa stärken und ein gemeinsames Weiterkommen ermöglichen.

Konkrete politische Taten

Nicht eine pauschale Umverteilung sollte das Ziel sein, sondern ein Ausgleich unter – dieses Mal konsequenten – Auflagen zwischen den Staaten, die einen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaften und den Defizitländern. Nur mit konkreten politischen Taten kann die Staatsschuldenkrise gemeinsam gelöst werden – ohne ESM, EFSF oder sonstigen Akronymen.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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