«Ist Morgenröte wenigstens in Sicht?»

Stefan Hiestand: Ein Blick auf die Baissen der letzten 100 Jahre zeigt, dass es 4 bis 14 Monate dauert, bis sich die Börse wieder erholt hat.

Stefan Hiestand ist CEO der Asset-Management-Boutique AgaNola in Pfäffikon SZ. Er verfügt über mehr als 25 Jahren Erfahrung in der Finanzindustrie und ist ein international anerkannter Experte im Bereich Wandelanleihen.

Stefan HiestandWas in den letzten Monaten alles geschah und leider noch nicht zu Ende ist, muss zum Nachdenken anregen. Unternehmensphilosophien sind davon genauso betroffen wie grundsätzliche politische und persönliche Werthaltungen. Solange Performance- und Gewinncharts nur eine Richtung kannten, gab es bei vielen Marktprotagonisten offensichtlich keinen Anlass, irgendetwas zu hinterfragen, schon gar nicht sich selbst. Es scheint, als wurden grundsätzliche menschliche Werthaltungen wenn nicht über Bord geworfen so doch vorübergehend auf Eis gelegt.

Mit der Korrektur an den Märkten rückt bei vielen nun mit grossem Eifer das Thema Werte und Ethik in den Vordergrund. Ich hinterfrage diesen neuesten Trend stark. Wie können Grundwerte unseres Handelns von kurzfristigen Schwankungen an den Märkten bestimmt oder verändert werden? Kurzfristige operative Anpassungen können von grosser Wichtigkeit sein. Ethische Grundhaltungen und Werte erachte ich aber als stabiles langfristiges Fundament, auf welchem ich sowohl privat als auch beruflich aufbauen kann.

Mehrwert für den Kunden

Beim Aufbau meiner Firma war und ist dieser Punkt zentral. Obwohl unser Wertesystem im Detail vielleicht etwas komplizierter ist, so lässt es sich doch in einer Frage zusammenfassen: Wie verschaffe ich meinem Kunden den maximalen Mehrwert? Diese Frage stellt für uns die Hürde dar, an welcher sich alle unsere Handlungen messen müssen.

Dennoch frage ich mich, wie es an den Märkten weiter geht. Ist die lang ersehnte Morgenröte wenigstens in Sicht, wenn auch noch nicht Realität? Wer den Blick einzig auf die Aktienindizes richtet, wird nach wie vor paralysiert verharren. Wer aber den Blick etwas ausweitet, erkennt vielleicht erste Silberstreifen am noch fernen Horizont.

Das Wissen des Marathonläufers

Der Marathonläufer weiss, dass nach genau 42,195 Kilometern seine Strapazen zu Ende sein werden. So genau wissen wir das leider nicht. Fest steht aber, dass sich gewisse Zyklen wiederholen. So kommt ein Rückblick über die Baissen der vergangenen 100 Jahre zum Schluss, dass es «irgendwo zwischen 4 und 14 Monaten» dauern dürfte, bis die Börse sich wieder erholt (www.dshort.com).

Wir alle kennen den Satz «Past performance is no guarantee of future returns...». Dennoch dürfte die Hoffnung nicht ganz unberechtigt sein, dass der Zeitraum bis zur Erholung der Märkte absehbar ist.

Besser als Aktien

Aus Convertible Sicht zeichnet sich diese Tendenz bereits deutlich ab. Ich habe in meinem Dezember-Brief darauf hingewiesen, dass Convertibles ein wichtiges Instrument darstellen, um beispielsweise an der graduellen Öffnung der Kreditmärkte früh und überproportional zu partizipieren, und ich möchte das heute erneut herausstreichen. Vom 1. Dezember 2008 bis zum 26. März 2009 wiesen Convertibles gegenüber Aktien 11,3 Prozent Outperformance aus, dies bei einer positiven absoluten Performance von 12,6 Prozent. Seit Oktober 2007 beträgt die Outperformance gegenüber Aktien gar 35,5 Prozent.

Die Firma AgaNola hat in den vergangenen Monaten ihre Hausaufgaben gemacht und sich auch selbstkritisch immer wieder hinterfragt, dabei dem einzigen Ziel verpflichtet, für unsere Kunden das Beste in der jeweiligen Marktphase zu erreichen. Wir gehen äusserst diszipliniert in unserem Investment-Prozess vor: Wo nötig und sinnvoll, nehmen wir selektive Anpassungen vor, aber wir lassen uns nicht von Tagesschwankungen zu operationeller Hektik verleiten.

Zeit auch für unbequeme Fragen

Im Anlageprozess als auch in der Kundenbeziehung steht bei uns Transparenz hoch im Kurs - anders liesse sich der von uns angestrebte partnerschaftliche Approach in der Kundenbeziehung gar nicht verwirklichen. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir uns gerade in stürmischen Zeiten mit unbequemen Fragen auseinandersetzen und Ihnen jederzeit fundiert Rede und Antwort stehen.

Stefan Hiestand, geboren 1961, startete seine berufliche Laufbahn 1980 bei Handelsbank Natwest in Zürich. 1985 wurde er Head of Swiss Equity Trading & Sales bei der Citicorp Investment Bank in Zürich. Von 1989 bis 1990 handelte er für Natwest in London, schweizerische, deutsche und französische Aktien.

Als Head of Institutional Equity & Derivative Product Sales wechselte er 1990 zu J. Henry Schroder Bank in Zürich. 1993 stiess Stefan Hiestand als Director zu Jefferies (International) in London. Zwei Jahre später gründete er Jefferies (Switzerland) Ltd. in Zürich, und wurde zum Country Head ernannt. In dieser Zeit baute er das Convertible Asset Management für Jefferies International auf.

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