Jacques Aigrain im Lufthansa-VR untragbar

Der abgesetzte Swiss-Re-CEO sitzt als Schweizer Vertreter immer noch im Aufsichtsgremium der Lufthansa - und verdient so rund 100'000 Franken.

Der erzwungene Abschied von Jacques Aigrain als Konzernchef der Swiss Re im Februar 2009 wird für Bundesrat Moritz Leuenberger als oberster Vertreter der Schweizer Luftfahrt-Interessen zur peinlichen Personalie, wie die «NZZ am Sonntag» an diesem Wochenende weiter berichtet.

Im letzten Jahr erhielt der frühere Investmentbanker und später Chef der Swiss Re für seinen Aviatik-Nebenjob von der Lufthansa eine Entschädigung von 65'000 Euro (inklusive Flugleistungen). Angesichts seines unrühmlichen Abgangs bei der Swiss Re und der seither geringen Verwurzelung im Schweizer Wirtschaftsmilieu wirkt er in der Rolle des Schweizer Interessenvertreters nicht mehr glaubwürdig.

Bis April 2013 gewählt

Jacques Aigrain konnte trotz verschiedenen Versuchen von der «NZZ am Sonntag» nicht kontaktiert werden.  Zu dem Posten kam Aigrain aufgrund einer Bedingung, die der Bund als Grossaktionär 2005 mit der Lufthansa bei Übernahme der Swiss ausgehandelt hatte: Die Schweiz darf danach zur Wahrung ihrer Interessen einen Vertreter in den Lufthansa-Aufsichtsrat delegieren.

Der Bund trat die Aufgabe an die Swiss-Luftfahrtstiftung ab. Diese schlug 2007 (nach Abnicken durch Leuenberger) Swiss-Verwaltungsrat Aigrain vor. In der Stiftung, präsidiert von Bruno Gehrig, sitzt auch der Direktor des Bundesamtes für Zivilluftfahrt. Derzeit ist sein Platz interimistisch vakant.

Gewählt ist Aigrain bis April 2013. Eine Sprecherin der Swiss-Luftfahrtstiftung sagte gegenüber der «NZZ am Sonntag»: «Jacques Aigrain wurde durch die Luftfahrtstiftung zur Wahl vorgeschlagen, und die GV (der Lufthansa) hat ihn gewählt. Es ist nicht an uns, sich über einen gewählten Aufsichtsrat zu äussern.»

 

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