«Herr Strauss-Kahn nimmt regelmässig an unseren Sitzungen teil»

An der Schweizer Versicherungsgeschaft Firstcaution ist unter anderem Dominique Strauss-Kahn beteiligt. Was das bringt, und weshalb das Unternehmen hierzulande bald an die Börse will, sagt CEO Gérald W. Follonier im Interview mit finews.ch.

Firstcaution ist eine bislang eher wenig bekannte Schweizer Firma, die Mietzins-Kautionen versichert und seit einigen Monaten einen höchst bekannten Miteigentümer hat, wie auch finews.ch unlängst berichtete.

Das Unternehmen will sich verstärkt in der Deutschschweiz engagieren und plant einen Gang an die Berner Börse. Gérald W. Follonier (Bild oben), Delegierter des Verwaltungsrats und CEO von Firstcaution, erklärt im Interview, wo für sein Geschäft die Wachstumsperspektiven liegen, und an welche Anleger er sich richten will.   

Herr Follonier, Ihre Muttergesellschaft, LSK & Partners, ist eine internationale Investmentfirma mit einem prominenten Verwaltungsratspräsidenten: Dominique Strauss-Kahn. Haben Sie ihn schon getroffen?

Natürlich, Herr Strauss-Kahn (Bild links) nimmt regelmässig an den Sitzungen des Verwaltungsrats unserer Firma Firstcaution teil. Zudem sehen wir uns an Sitzungen der LSK-Gruppe.


«DSK stiess im September 2013 zu uns»


DSK 180Herr Strauss-Kahn hält knapp 20 Prozent an LSK & Partners. Ist es auf Grund seiner Reputation nicht etwas heikel, mit Firstcaution in diese Entourage eingebunden zu sein?

Nein. Firstcaution ist eine schweizerische Versicherungsgesellschaft, die bereits im Dezember 2008 gegründet wurde. Im Mai 2009 erhielt sie die Finma-Zulassung für das Mietzins-Kautionsgeschäft. Unsere Kunden – Mieter, Liegenschaftenverwaltungen und Geldgeber – sind wesentlich stärker an unseren Dienstleistungen interessiert als an unserem Aktionariat.

Würde oder Bürde, was bringt Herr Strauss-Kahn, als ehemaliger französische Wirtschaftsminister und Ex-Chef des internationalen Währungsfonds dem Unternehmen Firstcaution?

Er ist im September 2013 zur LSK-Gruppe gestossen. Er nimmt regen Anteil an der Entwicklung unserer Gesellschaft, teilt mit uns seine strategische Vision, aber er interveniert nicht im operativen Geschäft von Firstcaution.

Wie ist es zur Verbindung mit LSK & Partners – ehemals hiess die Firma Anatevka – gekommen?

Thierry Leyne, Gründer und Hauptaktionär von LSK & Partners ist gleichzeitig Verwaltungsratspräsident von Firstcaution, die er zusammen mit einigen Partnern im Jahr 2008 gegründet hatte.


«Wir stehen unter der Aufsicht der Finma»


Warum kam es zu einer Umbenennung der Firma von Anatevka zu LSK & Partners?

Die Namensänderung hat mit der Ankunft von Herrn Strauss-Kahn zu tun. Die Buchstaben L und SK setzten sich zusammen aus den Initialen von Thierry Leyne und Dominique Strauss-Kahn.

Wie ist Firstcaution entstanden, und wie sieht Ihr Geschäftsmodell in fünf Sätzen aus?

Die Absicht bei der Gründung 2008 war, eine Versicherungsgesellschaft zu schaffen, die auf Mietzins-Kautionen zum Wohl der Mieter in der Schweiz spezialisiert ist – damit diese nicht mehr drei Monatsmieten als Kaution blockieren müssen.

Das Geschäftsmodell hat folgende fünf Eckpfeiler:

  • Wir sind eine Versicherungsgesellschaft unter der Aufsicht der Finma.
  • Wir betreiben Risk-Management sowohl auf der Ebene der Annahme eines Dossiers wie bei der Behandlung allfälliger Schäden.
  • Ein Pro-rata-temporis-System vom Unterzeichnen des Versicherungsvertrags an über die einzelnen Versicherungsjahre bis zum letzten Versicherungsjahr.
  • Ein Web-basiertes Anbindungssystem, so dass die Mieter einen möglichst kleinen Aufwand haben, um einen Vertrag abzuschliessen.
  • Eine Produktepalette für Privat- und Firmenkunden, die möglichst gut auf die Bedürfnisse des Markts eingeht.

Bisher waren Sie vorwiegend in der Westschweiz tätig. Jetzt werden Sie landesweit aktiv. Die Gründe?

Unser Firmensitz ist in Nyon im Kanton Waadt. Daneben haben wir Niederlassungen in Olten, Solothurn, sowie in Lugano, Tessin.


«Wir sind seit 2013 profitabel»


Wir wollen jetzt vor allem in der Deutschschweiz wachsen und arbeiten aus diesem Grund mit Partnern aus dem Versicherungs- und Liegenschaftengewerbe zusammen.

Wer sind Ihre Zielkunden?

Zwei Millionen Haushalte oder Geschäftslokale stehen im Zentrum unseres Interesses. Unsere Dienstleistungen sind für Privatkunden ebenso interessant wie für Firmenkunden.

Seit wann sind Sie profitabel?

Seit 2013. Der Jahresumsatz von Firstcaution betrug 3,5 Millionen Franken. Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre verzeichneten wir jährlich ein Umsatzwachstum von 40 Prozent; gleichzeitig wuchs die Anzahl Kunden um 35 Prozent.


«Jeden Monat erhalten wir 1'000 Anträge»


Zurzeit haben wir 20'000 aktive Kunden. Pro Monat bekommen wir 1'000 Anträge für Kautionsversicherungen. Wir beschäftigen 15 Personen, die die Dossiers verwalten, Neukunden anwerben und das Risikomanagement und die Geschäftsführung betreuen.

Welche strategischen Ziele haben Sie sich bis wann gesetzt?

Firstcaution soll auf nationaler Ebene zu einem Akteur werden, an dem man nicht mehr vorbeikommt. Und wir planen eine Kotierung an der Berner Börse.

Geht Ihnen das Geld aus?

Nein. Die baldige Kotierung an der Berner Börse wird unsere Visibilität in der Liegenschaftenbranche und im Finanzmarkt in der Deutschschweiz verbessern. Das erste Ziel des Börsengangs ist, Firstcaution zu einer nationalen Institution zu machen. Unser Aktienkapital beläuft sich auf mehr als 10 Millionen Franken. Wir wollen es privaten und institutionellen Investoren ermöglichen, sich an Firscaution zu beteiligen.


«Wir sind eine Wachstumsgesellschaft»


Für welche Kategorie von Anlegern ist ein Investment in Firstcaution sinnvoll?

Firstcaution ist eine Wachstumsgesellschaft in einem Immobiliensektor, der dominiert ist von der Bankgarantie (derzeit 90 Prozent des Markts). Dieser Markt ist folglich «zu erobern». Ich bin überzeugt, dass eine Schweizer Versicherungsgesellschaft, die eine zweistellige Wachstumsrate hat, sowohl für private wie für institutionelle Anleger mit einer Mittelfrist-Perspektive und der notwendigen Liquidität interessant ist. Die Pensionskassen haben ein solches Investitionsprofil und einige unter ihnen haben bereits Interesse signalisiert.

Als börsenkotiertes Unternehmen müssen Sie innovativ bleiben. Was sind Ihre nächsten Schritte und Massnahmen?

Derzeit sind die meisten Kunden, die eine Kautionsversicherung abschliessen, Mieter, die in eine neue Wohnung ziehen. Denjenigen Mietern, die seit Monaten oder Jahren an einem Ort wohnen, ist es meist nicht bewusst, dass sie die Möglichkeit haben, sich die auf der Bank deponierte Kaution ausbezahlen zu lassen.


«Wir sind für Gewerbetreibende interessant»


Firstcaution erlaubt es den Mietern, frei über diese Kautionssumme zu verfügen. Ein interessanter Markt, den es zu entwickeln gilt, ist das Segment der Mietverträge für Gewerbetreibende. Die Kautionsversicherung erlaubt es den Firmen, Geld, das sonst auf einem Mietzinsdepotkonto blockiert wäre, für die Entwicklung ihres Geschäfts zu nutzen.

Zu unseren Dienstleistungen: Einzelne sind bereits in Übereinstimmung mit den Regularien kommerzialisiert, andere sind noch in der Entwicklung. Die einzige Frage, die sich ein Unternehmenschef stellen muss, ist folgende: Ist mein Return on Investment (ROI) höher als die Kautionsprämie von Firstcaution?


«Es erwarten uns schöne Zeiten»


Falls ja, drängt sich der Abschluss einer Versicherung auf. Wie Sie sehen, erwarten uns schöne und erfreuliche Zeiten.

Welche finanziellen Ziele haben Sie sich bis wann gesetzt?

Wir haben für 2014 bis 2017 einen Businessplan erstellt. Die Entwicklung des Marktes für Mietzinskautions-Vversicherungen ist in der Deutschschweiz erst in den Anfängen. In dieser Ausgangslage können wir uns erlauben, mit einer jährlichen Umsatzsteigerung von 30 Prozent bis 40 Prozent zu rechnen und mit einer substantiellen Gewinnsteigerung.

Um dies zu realisieren müssen wir die erwähnten neuen Kundengruppen erschliessen. Sodann haben wir ein Programm zur Kostenkontrolle implementiert, sowohl was die Betriebskosten angeht als auch auf der Schadenseite. Wir haben somit alles unternommen, um der Zukunft gelassen entgegenzublicken. Unsere Ziele sind ambitiös, aber realistisch.


Gerald Follonier 160Gérald W. Follonier ist Delegierter des Verwaltungsrats und CEO der Firma Firstcaution. Das 2008 gegründete Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft von LKS & Partners, einer Holding, an welcher Thierry Leyne 40 Prozent des Aktienkapitals hält; strategische Investoren, darunter Dominique Strauss-Kahn (18 Prozent) sind mit insgesamt 39 Prozent und weitere Aktionäre mit 21 Prozent beteiligt.Die LSK-Gruppe hält wiederum 54 Prozent des Aktienkapitals an Firstcaution, strategische Investoren – darunter das Management von Firstcaution – 25 Prozent und weitere Aktionäre 21 Prozent.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nackfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

So ruinieren Sie Ihre Karriere

Schon ein zu fester Händedruck könnte Ihrer Karriere abträglich sein.

Selection

Selection

So sieht der Banker der Zukunft aus

Mit aller Macht versuchen die Banken, ihr Geschäft ins Zeitalter der Digitalisierung zu retten.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

weitere News