Ein FC-Basel-Fan wird Zurich-Konzernchef

Bankverein, CS, Swiss Life, jetzt Zurich: Martin Senn hat das Anlagegeschäft in zahlreichen Varianten und Ländern kennengelernt.

Nur wenige Stunden nach Ende der Medienkonferenz, an der am Donnerstag das Halbjahresergebnis präsentiert wurde, gab die Zurich-Gruppe ihren neuen Chef bekannt: Martin Senn.

Nach sieben Jahren unter dem Amerikaner James Schiro, 63, kehrt die Führung des Versicherungs- und Finanzkonzerns also in Schweizer Hände zurück – und die Branchengerüchte werden wieder einmal Lügen gestraft: Im Vorfeld hatte Axel Lehmann, der 50-jährige Chief Risk Officer, als heissester Anwärter auf den Posten des Konzernchefs gegolten.

Er lieferte Rendite in der Krise

Martin Senn schien bei Zurich eher einen Nachteil zu haben: Zwar ist er bereits Chief Investment Officer und Mitglied der Konzernleitung; er ist auch Mitglied des Verwaltungsrats der Zurich Group Holding und der «Zürich» Lebensversicherungs-Gesellschaft sowie Präsident der Z Zurich Foundation – nur: Sehr lange ist der Basler (der notabene FCB-Fan ist) noch nicht dabei am Zürcher Mythenquai.

Martin Senn, heute 52, stiess erst im April 2006 zum Konzern mit dem Z. Damit könnte man auch sagen: Die Zurich-Gruppe baut nach den erfolgreichen Jahren mit dem Quereinsteiger James Schiro (er kam 2002  von PwC) erneut aufs Prinzip, dass Leute den Konzern voranbringen sollen, die ihre Erfahrung vor allem in anderen Branchen gemacht haben – because change happenz...

Ein entscheidender Faktor für die Ernennung von Martin Senn dürfte gewesen sein, dass er als Anlagechef in der Finanzkrise einen doch sehr soliden Investment-Ausweis hinlegen konnte: Im Krisenjahr 2008 schaffte die Zurich-Gruppe auf ihrem Vermögen immerhin eine Rendite von 1 Prozent. Dies erwies sich offenbar als wichtiger als die Tatsache, dass Senn das Versicherungsgeschäft nicht von der Pike auf gelernt hat.

«Fähigkeit, multikulturelle Teams zu führen»

Verwaltungsratspräsident Manfret Gentz begründet die Wahl denn auch damit, dass Senn «mit der effektiven und erfolgreichen Ausrichtung unserer Kapitalanlagen auf unsere Verpflichtungen bewiesen hat, dass er über fundierte Kenntnisse des komplexen Versicherungsgeschäfts verfügt». Hinzu komme Senns internationale Erfahrung: «In der heutigen, globalisierten Wirtschaft ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für künftige CEOs ihre erwiesene Fähigkeit, multikulturelle Teams zu führen», sagt Zurich-Präsident Gentz weiter: «Martin Senn hat gezeigt, dass er den Mitarbeitenden zuhören und sie erfolgreich leiten kann.»

In der «Basler Zeitung« hatte Senn vor zwei Jahren erklärt, er führe stark durch das direkte Gespräch – und möglichst nicht durch Mails.

Eine zweifellos gefragte Spezialität des neuen Konzernchefs ist auch, dass er viele Berufsjahre in Asien verbracht hat – seine Gattin ist eine koreanische Musikerin –, und dass er den grössten Teil seiner Karriere in der Bankbranche durchlebte. Nach abgeschlossener Handelsschule in Basel arbeitete er von 1976 bis 1994 beim Schweizerischen Bankverein; dabei war er unter anderem Treasurer in Hongkong und Regional Treasurer für Asien und den pazifischen Raum in Singapur. Später übernahm er die Führung der Niederlassung des Bankvereins in Tokio.

Von Dörig zur Swiss Life geholt

1994 wechselte er zur Credit Suisse, wo er Führungsaufgaben als Treasurer für den Hauptsitz und für Europa sowie als Chairman und Turnaround Manager in Japan übernahm. Im Rahmen seines Mandats in Tokio war er für die Umstrukturierung und Neupositionierung der japanischen Tochtergesellschaften der Credit Suisse verantwortlich.

Im Jahr 2001 wurde er zum Mitglied der Geschäftsleitung der Credit Suisse Banking und zum Leiter des Bereichs Trading and Investment Services ernannt.

Dann folgte der Wechsel in die Versicherungsbranche: Von 2003 bis 2006 war er als Mitglied der Konzernleitung und Chief Investment Officer für die Swiss Life Group tätig – er war dem Ruf von Rölf Dörig gefolgt.

Gut vernetzt: Avenir Suisse, Honorarkonsul von Korea, Harvard-Student

Allzu lange währte die Zusammenarbeit nicht, nach weniger als drei Jahren folgte Martin Senn einem Angebot  der Zurich-Gruppe und zog ein Haus weiter: Am 1. April 2006 ersetzte er David Wassermann als Chief Invesment Officer.

Senn ist auch Mitglied des Leitungsausschusses von Avenir Suisse und Treasurer der Zurich Association of Economics. Darüber hinaus ist er Honorarkonsul der Republik Korea in Zürich. Neben der erwähnten Grundausbildung in Basel absolvierte er ein International Executive Program am INSEAD in Fontainebleau sowie ein Advanced Management Program an der Harvard Business School.

Auf dem Golfplatz, dies sei auch noch erwähnt, hat er Handicap 22.

 

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

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Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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