Generali setzt auf Big Data für ein neues Versicherungsmodell

Versicherungskonzerne denken schon länger darüber nach – Generali setzt es nun um: Versicherte, die gesünder leben, sollen belohnt werden. Damit rüttelt der Konzern an den Prinzipien des Versicherns.

Dem Beispiel von Generali dürften weitere Konzern wie Axa und Allianz bald folgen: Ein Versicherungsmodell nach dem Verursacherprinzip. Konkret: Generali will seinen Kranken- und Lebenversicherten Prämiennachlässe geben, wenn diese einen gesunden Lebensstil nachweisen können.

Wie die «Süddeutsche Zeitung» am Freitag berichtet, hat Generali-CEO Mario Greco diese Woche das neue Angebot vor Investoren angekündigt. «Gesündere Kunden sind besser für uns», sagte Greco.

Generali ist der erste grosse Versicherungskonzern in Europa, der ein solches Prämienmodell einführt. Aus Sicht von Konsumenten- und Datenschützern ist dieses auch problematisch: Denn Generali wird Fitness, Lebensstil und Ernährung elektronisch kontrollieren und somit eine riesige Datenbank über die Lebensgewohnheiten seiner Kunden aufbauen.

Kundenverhalten beeinflussen

Selbstverständlich ist eine solche Versicherung freiwillig: Kunden, die sich aber dafür entscheiden, müssen über ein App regelmässig Informationen über ihren Lebensstil übermitteln. Für CEO-Generali Greco ein weiteres Plus: «Damit stärken wir die Bindung zu unseren Kunden. Ausserdem beeinflussen wir ihr Verhalten.»

Generali arbeitet mit dem südafrikanischen Versicherer Discovery zusammen, der seine Kunden mit Gutscheinen, Geschenken und Rabatten belohnt, wenn sie sich gesund verhalten. Generali will ebenfalls in einem ersten Schritt Gutscheine verschenken, beispielsweise für das Fitnessstudio. In einem nächsten Schritt sollen dann Prämiennachlässe eingeführt werden.

Gute Risiken – schlechte Risiken

Das Kalkül dabei: Die Risiken pro Versicherter können so besser kontrolliert werden. Prämien können genau auf das Kundenprofil zugeschnitten werden. Mittels Kontrollmechanismus wird auch das Verhalten der Kunden verändert, was sich auf die Versicherungskosten positiv auswirken soll.

Nicht nur Datenschützer dürften zur Kritik provoziert werden. Schon bei früheren Versuchen und Denkanstössen in diese Richtung wurden Stimmen und Vorwürfe laut, Versicherer wollten so nur die guten Risiken versichern, während Kunden mit schlechteren Risiken abgegeben würden.

Bei der Autoversicherung hat Axa Winterthur ein Modell eingeführt, bei welchem junge Fahrer Rabatte erhalten, wenn sie in ihrem Auto eine Black Box einmontieren, welche das Fahrverhalten aufzeichnet.

Das Grundprinzip des Versicherns aushöhlen

Im Schweizer Krankenversicherungsbereich steht die Einführung des Verursacherprinzips in Teilen schon länger zur Diskussion: Selbst verschuldete Krankheiten oder Unfälle sollen individuell abgerechnet werden. Doch wäre eine solche Abkehr vom bisherigen Solidaritätsprinzip politisch äusserst umstritten. Auch die Krankenkassen sind gegen einen Systemwechsel.

Es geht dabei auch um grundsätzliche Fragen: Denn Versicherungen funktionierten bislang immer nach der Zweckmässigkeit, Risiken von verschiedenen Kunden und über eine längere Zeitdauer auszugleichen. Würden Versicherer nun Kunden aufgrund ihrer persönlichen Vorlieben und Lebensstile unterschiedlich behandeln, würde das Kollektivprinzip ausgehöhlt.

Allerdings geht auch vergessen, dass «Big Data» schon immer einer der wichtigsten Werkstoffe für Versicherer war, um ihre Prämienmodell zu berechnen und Kapitalrücklagen zu bilden. Der Unterschied ist nun aber, dass sie selber Angebote designen, welche es ihnen erlaubt, Kundendaten direkt zu sammeln.

Bislang gibt es keine Anreize zur Kosteneindämmung

Generali-CEO Greco rechtfertigt dies damit, dass durch die Datensammlerei indirekt auch das Verhalten der Versicherten positiv beeinflusst würde. Generali schlägt damit einen Weg ein, der damit über ein wirtschaftliches Anreizsystem Menschen dazu anhält, gesünder zu leben. Dies wiederum würde nicht nur einem einzelnen Versicherungskonzern zum Vorteil gereichen, sondern der ganzen Gesellschaft.

In Anbetracht der unaufhaltbaren Kostenexplosion im Schweizer Gesundheitsbereich mit jährlichen Prämienanstiegen bei der Grundversicherung von teilweise über 15 Prozent und keinerlei Anreizen zur Kostenbeschränkung erscheinteine Initiative wie die von Generali in einem anderen Licht – auch wenn der Konzern hierzulande sein neues Modell nur im Lebenbereich anbieten kann.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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