Chefwechsel: Mehr Swissness in Swiss Re

Christian Mumenthaler, designierter CEO Swiss Re

Christian Mumenthaler, designierter CEO Swiss Re

«Die Nominierung von Christian Mumenthaler steht für den Wunsch, an die unverwechselbare Swiss Re Kultur anknüpfen zu wollen.» Mit diesen Worten begleitete Swiss Re am Dienstag die Ernennung ihres neuen CEO. Mit Blick auf die jüngere Geschichte des grössten Schweizer Rückversicherers liess sich wohl ergänzen: «Anknüpfen an die unverwechselbare Schweizer Kultur.»

Tatsächlich klaffte diesbezüglich bei Swiss Re zuletzt eine weite Lücke. Es sind dreizehn Jahre her, seit Walter Kielholz (Bild unten) als letzter Schweizer an der Spitze des Rückversicherungs-Riesen zurücktrat – eine Zeit, in der Rückversicherungsriese zur weltweiten Nummer eins aufstieg, nur um im Zuge der Finanzkrise beinahe unterzugehen.

Nun ist Swiss Re wieder solide unterwegs, hat einen Schweizer Chef an der Spitze, und könnte bald die nächste Wachstums-Stufe zünden.

kielholz 500

Mit Coomber zum Gipfel

Dabei präsentierte sich die Lage im Januar 2003, als der britische Mittfünfziger John Coomber (Bild unten) bei der Swiss Re die Zügel in die Hand nahm, wesentlich weniger rosig als heute. Coomber, der mit 30 Dienstjahren als Urgestein beim Rückversicherer galt, hatte nämlich die Aufgabe, den Konzern nach Verlusten um die Jahrtausendwende wieder nachhaltig in die schwarzen Zahlen zurückzuführen.

Coomber 500

Aigrain im Abseits

Eine Aufgabe die ihm leidlich glückte. Als er 2006 an seinen Nachfolger – diesmal den Franzosen Jacques Aigrain – übergab, hatte Swiss Re ihre Bilanz gefestigt. Mit der Übernahme der amerikanischen GE Insurance Solutions 2005 war sie zudem zur weltweiten Branchenführerin aufgestiegen.

Aber Aigrain (Bild unten), der bei der amerikanischen Investmentbank J.P. Morgan Karriere gemacht hatte, sah in der starken Kapitalisierung von Swiss Re vor allem brachliegendes Potenzial. Mit grossangelegten Investitionen in Kreditderivate hebelte Aigrain die Gewinnkraft des Unternehmens – was sich in der Finanzkrise als fatal erweisen sollte.

2008 schrieb Swiss Re einen krachenden Verlust von 864 Millionen Franken und musste sich bei der Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway des Starinvestors Warren Buffett eine Milliardenspritze holen.

Aigrain 500

Lippe räumt auf

Aigrain räumte Anfang 2009 den Sessel. Seinem Nachfolger, dem Deutschen Stefan Lippe (Bild unten), war es überlassen, aufzuräumen. Innert Jahresfrist wurden beim einstigen Vorzeige-Unternehmen über 10'000 Stellen gestrichen. Ende 2009 schrieb Swiss Re wieder schwarze Zahlen.

lippe 500

Auf diesem Fundament baute Michel Liès (Bild unten) auf, der kommenden Juli nun als Swiss-Re-CEO in den Ruhestand tritt. Im Februar 2012 übernahm der gebürtige Luxemburger, der seine Karriere bei Swiss Re bereits 1978 gestartet hatte, damals für viele überraschend das Zepter von Lippe. Unter seiner Führung hat sich der Gewinn von Swiss Re in den letzten vier Jahren fast verdoppelt und die Kapitalbasis erhöht.

Michel Lies 500

Schweizer Bilderbuch-Karriere

So weit die Geschichte. Nach mehr als einem Jahrzehnt unter «ausländischer» Führung nimmt mit dem 46-jährigen Mumenthaler nun wieder ein Schweizer die Geschicke des Rückversicherers in die Hand. Das lässt vermuten, dass bei Swiss Re die «Swissness» künftig stärker gelebt wird, gilt doch der designierte CEO auch innerhalb des Konzerns als «Mr. Schweiz» schlechthin.

Tatsächlich hat Mumenthaler eine Schweizer Bilderbuch-Karriere hingelegt: Der promovierte Molekularbiologe absolvierte seine Ausbildung sowohl an den Zürcher ETH wie der Lausanner EPFL. 1997 wechselte er jedoch ins Beraterfach und stiess zwei Jahre später zur Swiss Re. Bereits 2005 war er als Chief Risk Officer in die Geschäftsleitung vorgestossen – mit gerade mal 37 Jahren.

Hurrikane und Fettleibigkeit

Als ausgewiesener Risikoexperte schuf sich der Top-Kader dabei auch in der Öffentlichkeit einen Namen: In den Medien referierte er über die gefährlichen Folgen von Fettleibigkeit und Wirbelstürmen, am WEF in Davos wurde er in den erlauchten Zirkel der «Young Global Leaders» aufgenommen.

In fast schon obsessiv-schweizerischer Fixierung aufs Risiko sah er dieses gar als Ursprung von Swiss Re: «Die Gründung von Swiss Re geht auf den Stadtbrand von Glarus zurück, der 1861 zwei Drittel der Stadt in Schutt und Asche legte», erklärte er in einem Interview 2005. Im Jahr 2011 erklomm Mumenthaler dann bereits die letzte Stufe vor dem Chefposten: Er übernahm mit der Division Reinsurance die grösste Geschäftseinheit von Swiss Re und die Verantwortung für rund 85 Prozent des Umsatzes.

Die Wahl von Kielholz

Jetzt ist Mumenthaler die erste Wahl des Verwaltungsrats – der sinnigerweise vom selben Kielholz präsidiert wird, der 2003 als Chef abtrat – für die Nachfolge von noch-CEO Liès.

Und alles schaut danach aus, dass der Senkrechtstarter weitere Ambitionen hegt. Die werden wohl nicht bei den verschärften Eigenkapital-Rendite-Zielen der vier Swiss-Re-Divisionen halt machen. Stattdessen ist vorstellbar, dass Mumenthaler bald die nächste Wachstums-Stufe beim Rückversicherer zündet. So sagte er letzten Herbst zum Branchen-Portal «insurance day» (Artikel bezahlpflichtig) über die Fusionswelle im Rückversicherungs-Geschäft: «Wer zu den Gewinnern gehört, der darf ruhig optimistisch sein.»

 

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NEWS GANZ KURZ

VP Bank

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat das «A–»-Rating für die VP Bank bestätigt und erhöht den Ausblick von «Negative» auf «Stable». Damit würden die operativen Fortschritte der VP Bank und die Bewirtschaftung der Risiken sowie die starke Kapitalausstattung und die erfolgreiche Integration der Centrum Bank berücksichtigt, hiess es.

Clientis Bank im Thal

Die Regionalbank hat den Halbjahresgewinn im Vergleich zum Vorjahr deutlich um über 30 Prozent auf 385'000 Franken gesteigert. Dazu beigetragen hat das gute Zinsengeschäft mit einem Plus von 11,4 Prozent auf 2,1 Millionen Franken.

Crealogix

Das Bankenberatungszentrum St. Gallen und Crealogix haben eine Partnerschaft für die betriebliche Aus- und Weiterbildung im Finanzbereich beschlossen: Mit der Lösung «I know! Banking» bieten die beiden Unternehmen eine Cloud-Lösung mit digitalen Lerninhalten zu den wichtigsten Themen im Banking an.

Compagnie Financière Tradition

Das Lausanner Brokerhaus hat im ersten Semester 2016 einen stabilen Ertrag von 425 Millionen Franken erzielt. Zu konstanten Wechselkursen entspricht dies allerdings einem Rückgang um 1,6 Prozent.

Urner Kantonalbank

Das Finanzinstitut hat im ersten Halbjahr 2016 trotz besserem Geschäftsgang weniger Gewinn gemacht. Dieser sank um 7,5 Prozent auf 8,5 Millionen Franken. In der Vorjahresperiode hatte die Bank ausserordentlich vom Verkauf ihrer Swisscanto-Beteiligung profitiert. Im Zinsengeschäft gab es ein Plus von 13,8 Prozent auf knapp 17 Millionen Franken. Per Ende Jahr erwartet das Management ein Ergebnis über Vorjahr.

UBS

Die Grossbank UBS ist noch vor dem IT-Riesen Google der beliebteste Arbeitgeber für Schweizer Hochschul-Absolventen, wie das Beratungsunternehmen Trendence berichtete. Die Banken bleiben die beliebteste Branche der Wirtschafts-Wissenschaftler: Neben der UBS befinden sich die Credit Suisse, die Schweizerische Nationalbank und Julius Bär unter den Top 20 der gesuchtesten Arbeitsadressen.

Schwyzer Kantonalbank

Im ersten Halbjahr sank der Gewinn des Innerschweizer Finanzinstituts um 3,4 Prozent auf knapp 33 Millionen Franken. Unter anderem belasteten höhere Wert-Berichtigungen auf Beteiligungen das erste Halbjahr. Dank einer substanziellen Volumenzunahme kam das Zinsengeschäft mit einem Brutto-Erfolg von gut 91 Millionen Franken in etwas auf Vorjahres-Niveau zu liegen. Für das 2016 rechnet die Bank mit einem Jahresergebnis leicht unter Vorjahr.

Bank Coop

Die Bank Coop hat im ersten Halbjahr 2016 einen leichten Gewinnrückgang auf 22,7 Millionen Franken erlitten. Die Bank erklärt dies mit höheren Investitionen für verschiedene digitale Projekte, Umbauten sowie einer höheren Zuweisung an die Reserven für Bankrisiken. Im Zinsengeschäft konnte Bank Coop leicht zulegen, warnt jedoch vor dem anhaltenden Margendruck.

Fonds

Die «Brexit»-Turbulenzen haben auch bei den in der Schweiz gehandelten Fonds Spuren hinterlassen. Laut dem Schweizerischen Fondsverband Sfama verminderten sich die verwalteten Vermögen um 17 Milliarden Franken. Die Netto-Mittelabflüsse betrugen knapp 2,3 Milliarden Franken.

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