Christina Böck: «Schweizer Anleger sollten vom britischen Markt fern bleiben»

Christina Böck

Christina Böck, Axa Investment Managers

Beim Thema Brexit sollte man sich vor schwarz-weissen Darstellungen hüten, findet Christina Böck, Anlagestrategin bei Axa IM. Doch derzeit sei der britische Markt eindeutig nichts für Schweizer Investoren.

Christina Böck ist ‹CIO Switzerland & Head Solution Strategists Central Europe› bei Axa Investment Managers. Ihre Kolumne für finews.ch erscheint monatlich.

Am 23. Juni ist es so weit: Das britische Stimmvolk wird über den Verbleib in der EU entscheiden. Auch wenn die Gegner eines Austrittes in den meisten Umfragen die Nase vorn haben, so zeigt sich seit September 2015 eine zunehmende Annäherung beider Lager.

Es stellt sich also die Frage, welche Auswirkungen ein Austritt auf die Anlagemärkte hätte. Auch wenn eine solche Prognose mit vielen Unsicherheiten verbunden ist, lassen sich mögliche Trends skizzieren.

Akute Krisenstimmung

Durch den Brexit dürfte sich das britische Wirtschaftswachstum kurzfristig recht stark abkühlen, da dem Handel mit der europäischen Gemeinschaft ebenfalls kurzfristig einige Barrieren errichtet würden. Um den Folgen der Abkühlung entgegen zu wirken, wären eine Absenkung des Leitzinses durch die Bank of England (BoE) sowie weitere geldpolitische Lockerungen notwendig. In diese Richtung weisen heute schon die Diskussionen der BoE über die Senkung der Zinsen, ein negativer Leitzins dürfte hingegen eher unwahrscheinlich sein.

Kurzfristig wäre das Pfund auf Grund einer akuten Krisenstimmung heftigem Abwertungsdruck ausgesetzt. Und auch langfristig wäre eine Abwertung des Pfundes gegenüber allen Leitwährungen das wahrscheinlichste, und zwar wegen der schwächeren Wachstumsaussichten und der Lockerung der Geldpolitik.

Sinkt das Kreditrating?

Auf Grund entgegenwirkender Kräfte ist eine Prognose zu britischen Staatsobligationen weniger eindeutig. Die Geldpolitik dürfte konträr zur erwarteten Kapitalflucht wirken und einer allfälligen Erhöhung der Inflationserwartung. Bedeutend wird auch das Verhalten ausländischer Investoren sein, denn rund ein Drittel (33,5 Prozent) der privat gehaltenen Staatobligationen (Stand Ende 2015) befindet sich in ihrem Besitz.

Hinzu kommt, dass die Ratingagentur S&P die Möglichkeit angekündigt hat, das Kreditrating Grossbritanniens im Falle eines Brexits um zwei Schritte zu senken. Nach der Normalisierung der Geldpolitik wären somit höhere Renditen für britische Staatsobligationen die Folge.

Deutliche Preisänderungen

Auch im Markt für Unternehmenskredite dürfte der Einfluss ausländischer Investoren gross sein, wenn auch geringer als bei Staatsobligationen. Tendenziell handelt es sich um einen «Buy-and-hold»-Markt – mit dementsprechend geringer Liquidation – weshalb es bereits bei begrenzten Verkäufen zu deutlichen Preisänderungen käme. Ein Ausweiten der Kreditspreads ist über den langen Horizont gesehen das wahrscheinlichste Szenario.

Zu guter Letzt folgt der Blick auf die Aktienmärkte. Auch hier wirken konträre Kräfte, wie langsameres Wachstum, geldpolitische Lockerung und die schwächere Währung. Der Effekt des tieferen Wirtschaftswachstums wird langfristig überwiegen, was zu einem eingetrübten Ausblick auf die Aktienmärkte führt.

Eine doppelte Gefahr

Vergessen wir nicht, dass die Einflüsse auf die Finanzmärkte stark von den Abkommen abhängen, die erst nach dem Brexit ausgehandelt werden und die heutigen Beziehungen innerhalb der europäischen Gemeinschaft ersetzen müssen. Daher sollte man sich vor schwarz-weissen Darstellungen der Auswirkungen hüten und die Situation ganz genau beobachten.

In die britischen Märkte einsteigen, sollte man gerade als Schweizer Anleger heute sicher nicht: Die doppelte Gefahr aus Währungskurs-Risiko und Aktienrisiko durch die Gefahr der Wachstumsschwäche ist zu gross – die britischen Aktien haben seit Anfang 2015 nur etwa 2 Prozent mehr verloren als der SMI – eine wirkliche Risikoprämie ist hier also nicht vorhanden.


Christina Bock 180Christina Böck studierte an der Wilhelms-Universität in Münster, bevor sie einen Master in Management an der H.E.C. in Paris erlangte. Ab 1994 war sie bei der Dresdner RCM Gestion tätig. Später wechselte sie zur Allianz-Pimco-Gruppe. Zu Axa Investment Managers stiess sie 2001 und arbeitet seit 2007 in Zürich als ‹CIO Switzerland & Head Solution Strategists Central Europe›.

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