Mai
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2012
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Fällt der Name Brändli, reagiert man in Vorsorgekreisen oft gereizt. Der Inhaber der B+B Vorsorge AG kritisiert den Deckungsgrad und schwört auf Aktien.

Herbert.Braendli.quadratIn einem Interview mit «Le-Temps»-Redaktor Emmanuel Garessus argumentiert Herbert Brändli (Bild), dass die Vorsorge sehr langfristig ausgerichtet sei, und dass gerade Aktien auf lange Sicht der beste Performanceträger seien.

Das Verdikt der Schweizerinnen und Schweizer über den Umwandlungssatz stellt für Brändli ein eindeutiges Signal zur Erhöhung des Leistungspotentials an die Pensionskassen dar.

«Das Volk will höhere Renditen bei geringeren Kosten», betont Herber Brändli. Seiner Meinung nach ist daher eine Deregulierung angebracht. «Die Fixierung der Behörden auf Kennzahlen wie den Umwandlungssatz ist ein Irrweg. Er ist nicht sachlich vergleichbar ohne Berücksichtigung der unterschiedlichen Bestimmungsgrössen, der Lage des Arbeitgebers oder der Struktur der Mitglieder», sagt der Zürcher Vorsorgexperte.

Das Urteil der Schweizerinnen und Schweizer verleiht Brändlis risikofreundlicher Anlagepolitik, etwa durch den Einsatz von Aktien, zusätzlich Nachdruck.

Ungeeignete Hedge-Funds

Risikobehaftete Anlagen sind aber für Brändli nicht gleich Risikoanlagen. Er kann Hedge-Funds und anderen kurzfristigen Anlagen überhaupt nichts abgewinnen. Er ist der Ansicht, dass Hedge-Funds nur auf die Nutzung temporärer Ineffizienzen ausgerichtet sind, um kurzfristige Gewinne zu erzielen.

Die Vorsorgeeinrichtungen sollten sich hingegen auf wert- und nachhaltige Basisanlagen beschränken. Nur ganz wenige Stiftungsräte verstünden wirklich, worum es sich bei Hedge-Funds handelt, so Brändli.

Weg mit den Lebensversicherern

«Ich sehe nicht ein, wieso die Behörden die Obergrenze für Anlagen in Hedge-Funds bei 15 Prozent festlegen. Der Staat ist nicht in der Lage, vernünftige Detail- und Ausführungsvorschriften für die betriebliche Vorsorge zu erlassen». Mit dem BVG sollte ein Rahmengesetz entstehen. «Heute wird sobald eine Einrichtung Schwierigkeiten hat oder auch nur eine Frage stellt jedes Mal eine weitere Vorschrift erlassen», sagt Brändli mit Bedauern.

Nach seiner Meinung haben auch Lebensversicherer im Anlagebereich der Pensionskassen nichts zu suchen. Sie sollen sich auf ihre wirklichen Fähigkeiten, die Versicherung von Todesfall- und Invaliditätsrisiken, konzentrieren und von der Anlage der Vorsorgevermögen die Finger lassen.

Angstmacherei ohne Stellenwert

Die im Abstimmungskampf von den Versicherern kolportierte jährliche Rentenfinanzierungslücke in Höhe von 600 Millionen Franken dient der Angstmacherei und hat für Brändli keinen besonderen Stellenwert. «Verhältnismässigkeit wäre angebracht», kommentiert er.

Der Vorsorgemarkt belaufe sich auf 800 Milliarden Franken. Davon ist rund ein Viertel oder 200 Milliarden Franken in Aktien angelegt. «Der 600 Millionen Pensionierungsverlust entspricht somit den an einem einzigen Handelstag üblichen Schwankungen der Börsenkurse und ist bezüglich der Beurteilung der Sicherheit der 2. Säule nicht relevant», betont Brändli.

Happige Unterschiede

Die persönlichen Vorsorgeguthaben setzen sich aus den Alters- und Zinsgutschriften der Pensionskassen zusammen. Die interne Verzinsung, der dritte Beitragszahler, bestimmt die Höhe der Leistungen massgeblich und spielt somit eine zentrale Rolle. Brändli legt uns eine Grafik vor.

Ohne Zinsgutschriften beträgt demnach im Alter 65 das Altersguthaben 300'000 Franken. Mit Zinsgutschriften von 5 Prozent wären es 900'000 Franken oder dreimal so viel.

Stark schwankende Altersrenten

Mit Beiträgen von 12'000 Franken während 40 Jahren schwanken die Altersrenten zwischen 22'000 Franken ohne Zinsgutschriften (Umwandlungssatz von 4,5 Prozent) und 110'000 Franken bei einer Verzinsung von 5 Prozent (Umwandlungssatz von 7,2 Prozent).

Umgekehrt muss wer nach 40 Jahren eine Rente von 22'000 Franken beziehen will, mit Zinsgutschriften von 5 Prozent jährlich Beiträge von 2'400 Franken entrichten. Ohne Zinsgutschriften müssten für dieselbe Rentenleistung jährlich 12'000 Franken Beiträge abgeliefert werden.

Nettorenditen müssen steigen

Der Einfluss der Zinsgutschriften ist enorm. Herbert Brändli zieht den logischen Schluss: «Nicht die Beiträge in das System der 2. Säule, sondern die Effizienz, also die Nettorenditen der Pensionskassen müssen steigen.»

Das verfassungsmässige Leistungsziel kann nur mit Real-Anlagen wie Aktien und Immobilien erreicht werden. Ihr Anteil in Pensionskassenportfolios muss erhöht werden, zumal diese auf die Ansparfrist von 40 Jahren gesehen, keine grösseren Schwankungsrisiken als Obligationen haben, welche nur halb soviel Rendite abwerfen.

Pensionskassen müssen sich den Zahlen stellen

Auf einer Grafik zu den rollenden Aktienrenditen über die letzten 60 Jahre zeigt Brändli: «In den letzten 25 Jahren ist diese langfristige Rendite kein einziges Mal unter 6 Prozent gefallen.» Heute beträgt sie rückblickend 8,5 Prozent und schlägt die entsprechenden Anleihenrenditen von 4,5 Prozent um Längen.

«Mit Obligationen oder Versicherungen kann ich die Rentenzahlungen nicht sicherstellen», hält der Experte fest und zeigt die namhaften Unterschiede zu Aktien. Von 1925 bis 2009 ist der Wert eines Portfolios, ausgehend von 100 Franken, mit einer Verzinsung von 4 Prozent auf 1’697 Franken angestiegen. Ein reines Obligationenportfolio wies im selben Zeitraum eine Wertsteigerung auf 3'932 Franken aus, während sich ein reines Aktienportfolio auf 53'848 Franken vermehrt hat. Die Unterschiede sind frappant. «Pensionskassen müssen sich diesen Zahlen stellen», fordert Brändli.

Reale Betrachtung angebracht

Zugegebenermassen sind die Aktienkurse im Jahr 2008 um 30 Prozent eingebrochen und haben bis heute erst etwa die Hälfte dieser Buchverluste wieder wett gemacht. Brändli fordert aber eine langfristige Betrachtungsweise, die sich nicht auf zwei oder zehn Jahre beschränken darf.

Nebenbei bemerkt, können die für die Schweiz aufgezeigten Performanceunterschiede weltweit beobachtet werden. Auch in den USA, Deutschland und Japan sowie in globalen Portfolios legten die Aktien über die vergangenen 110 Jahre mindestens eine doppelt so gute Performance vor wie Obligationen. Noch viel grösser werden die Unterschiede bei realer Betrachtung, welche im Zusammenhang mit Altersvorsorge eigentlich angebracht wäre.

Im dümmsten Moment Druck gemacht

Die Bedeutung und der Einfluss der Aktien lassen sich in Pensionskassenportfolios gut verfolgen. Beispielsweise betrug Ende Dezember 2009 der Aktienanteil im Portfolio von Profond 48,2 Prozent. Wer derartige Positionen eingeht, muss bei Baissen die Konsequenzen tragen können. Sinkende Kurse bedeuten sinkende Deckungsgrade.

«Bei Profond ist die Deckung der Verpflichtungen bis Ende 2008 auf 82,4 Prozent gesunken und hat sich bis Mitte März 2010 wieder auf fast 100 Prozent erholt», sagt Brändli. Regulator, Branchenkollegen und die Presse haben ihm deswegen auf die Finger geklopft und Druck gemacht, im dümmsten Moment Aktienbestände zu verkaufen, um Profond zu „sanieren“.

Liquidität geschont

Der Zeitpunkt für Korrekturen an der Anlagestrategie hätte nicht schlechter gewählt sein können. Warum soll man systematisch Aktien zum Tiefstkurs verkaufen, wenn objektiv keine Not herrscht? Profond hat gelassen und angemessen reagiert, mit einer Reduktion der ordentlichen Zinsgutschriften (2 Prozent statt 4 Prozent) ihre Leistungen vorübergehend reduziert und mit einer Einschränkung der Wohneigentumsförderung die Liquidität geschont.

Überdurchschnittliche Rente

«Der isolierte Deckungsgrad ist eine stupide Kennzahl», erklärt Brändli. Und er doppelt nach: «Für meine Arbeit als Experte mag er in seiner Entwicklung massgeblich sein, aber ich kann die Qualität und Sicherheit einer Pensionskasse doch nicht anhand einer stichtagsbezogenen Kennzahl beurteilen».

Der Deckungsgrad fällt beispielsweise bei hohen und steigt bei niedrigen Leistungen. Bei Profond erhält ein Versicherter aufgrund der seit ihrer Gründung im Jahr 1991 erzielten mittleren Performance von 5,8 Prozent und einem Umwandlungssatz von 7,2 Prozent eine weit überdurchschnittliche Rente. Daran ändert die negative Rendite von 25,4 Prozent im Jahr 2008 nichts. Der Ertrag 2009 betrug 18,4 Prozent und im laufenden Jahr liegt die aufgelaufene Performance bei 2,6 Prozent (Stand: 8. März).

Passive Anlagetrategien unsinnig

Brändli hält auch nichts von passiven Anlagestrategien, sondern setzt auf ein aktives Management. Passive Strategien leiden unter «spekulativen und zufälligen, kurzfristigen Transaktionen, die den Indexverlauf prägen», so der Fachmann. Seine Einrichtung hat indessen kürzlich die Verträge mit den Portfoliomanagern angepasst. Ihre Entschädigung ist konsequent auf die Arbeitsleistung und den messbaren Erfolg über drei Jahre ausgerichtet.

So ist es gelungen, die bereits niedrigen Verwaltungskosten, einschliesslich der indirekten Kosten für Ausschüsse, Transaktionskosten, Steuern etc. nochmals um einen Drittel zu senken. Brändli zeigt sich kritisch, was die Kostenvergleiche anhand der zahlreichen Statistiken angeht. Da werden Äpfel mit Birnen vergleichen. Er hält sie für unglaubwürdig und vertraut lieber auf die eigenen Erfahrungen.

Herbert Brändli ist Präsident und Gründer der B+B Vorsorge AG und Präsident der Sammelstiftung Profond, die rund 3 Milliarden Franken an Vermögen verwaltet. Er schreibt auch selber regelmässig für finews.ch.

 

 

Kommentare 

 
#1 Gast 2010-08-09 08:39
So ja, Hedge Funds gehören also zu den kurzfristigen Anlagen. Und wenn man 1925 100 Franken in Aktien investiert hätte, wäre man heute reich. Und die Pensionskassen die im Frühling 2000 die Aktienquote erhöht haben, stehen gut da, weil Aktien auf lange Sicht bessere Renditen generieren. Interessant.
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