Mai
17
2012
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Mit einer Steigerung der Effizienz könnten Vorsorge-Institutionen bis zu 50 Prozent höhere Altersrenten zahlen, schreibt Finanzexperte Herbert Brändli.

Herbert_Braendli_AugustHerbert Brändli ist Geschäftsführer der Firma B+B Vorsorge. Er schreibt regelmässig für finews.ch

Pensionskassen transformieren zur Hauptsache Lohnbestandteile von Arbeitnehmern in Altersrenten. Dank schweizerischer Prägung sind sie vorzüglich geeignet für hohe Erträge und den Ausgleich von biometrischen und zeitlichen Schwankungen.

Die Unabhängigkeit gegenüber den Sponserfirmen und eine grundsätzliche Entsagung gegenüber Fremdkapital bescheren ihnen spezielle Voraussetzungen und Fähigkeiten für die Anlagetätigkeit.

Ideale Voraussetzungen

Mit ganz wenigen Ausnahmen lassen die Eigner von Pensionskassen das angesparte Vermögen bis zum Alter 65 liegen. Letztere können darum langfristig disponieren und verfügen über ideale Voraussetzungen, Wertschwankungen zu überbrücken, welche ansonsten die Freiheitsgrade der Vermögensverwaltung stark beschränken.

Auch ab 65 bleiben die Vorsorgevermögen mehrheitlich erhalten. Diese werden dann in Renten umgewandelt und bis zum Lebensende abgetragen.

Unbegrenzte Risikofähigkeit

Auf Grund der Lebenserwartung rechnet man heute in der 2. Säule mit individuellen Vorsorgezyklen um 60 Jahre. Entsprechend lange Anlageperioden überlagern sich für unterschiedliche Jahrgänge und verleihen den Pensionskassen, gemessen an Volatilitäten, eine beinahe unbegrenzte Risikofähigkeit, die lediglich durch eigene, systemische und regulatorische Unzulänglichkeiten eingeschränkt werden kann.

Die Schwankungsrisiken von Anlagevehikeln korrelieren ausgeprägt mit der Zeit. Auf einjähriger Basis werden beträchtliche Unterschiede beobachtet.

Unterschiedliche Rentabilität

Ab Haltezeiten von 30 Jahren bewegen sich die Schwankungen aber in einer sehr schmalen Bandbreite. Die Standardabweichungen sind dann durchwegs kleiner als 2 Prozent und können so anlagetechnisch weitgehend vernachlässigt werden.

Bezüglich der Renditen ergibt sich keine analoge Angleichung. Seit 1925 bis heute rentierten Aktien, Immobilien und Obligationen im schweizerischen Vergleich mit 8 Prozent, 6,5 Prozent respektive 4,5 Prozent sehr unterschiedlich.

Reale Wertvernichtung

Weltweit sind diese Differenzen noch viel prägnanter. Über die vergangenen 110 Jahre konnten in den wichtigsten Wirtschaftsländern mit Aktien bis zu fünf mal mehr Erträge erzielt werden als mit Obligationen. Auf realer Basis wurden in Japan, Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien über dieselbe Zeitspanne mit Obligationen sogar Werte vernichtet.

In der Schweiz sind die Vorsorgevermögen aktuell zu 10 Prozent Cash, 15 Prozent Aktien, 50 Prozent Obligationen, 15 Prozent Immobilien und 10 Prozent in diverse andere Anlagen investiert.

Verbesserte Effizienz

Mit einer Verschiebung dieser Portfoliostruktur zu Gunsten der ertragstarken Aktien und Immobilien können Pensionskassen ihre Effizienz und damit die Sicherheit der betrieblichen Altersvorsorge massgeblich und nachhaltig verbessern.

Während die aktuelle Struktur langfristige Erträge unter 5 Prozent erwarten lässt, öffnet sich den Pensionskassen mit einem erhöhten Aktien- und Immobilienengagement ein beträchtliches Steigerungspotential

Vorfinanzierung möglich

Mit entsprechend höheren Zinsgutschriften können die Altersrenten um mindestens die Hälfte erhöht und gleichzeitig ihre zunehmende Laufzeit vorfinanziert werden.

Beispielsweise konnte die Sammelstiftung Profond mit dieser Strategie über die letzten 20 Jahre eine mittlere Performance von 5,8 Prozent erwirtschaften, durchschnittliche Zinsgutschriften von 4,7 Prozent gewähren und einen Umwandlungssatz von 7,2 Prozent halten. Die Wertschöpfung reichte zusätzlich für mittlere jährliche Rentenerhöhungen von 0,8 Prozent.


Veranstaltungshinweis: B+B Vorsorge lädt ein zu einer Diskussion zum Thema «Vorsorge im Spannungsfeld zwischen Regulierung und Flexibilität». Am 7. September in Aarau.

 

 

 

Kommentare 

 
#1 Gast 2010-08-31 08:30
Als ich den Titel lass, dachte ich es würde berichtet wie PKs ihre Kosten zu Gunsten der Eigner optimieren können. Es wundert mich wie viel Potential vorhanden wäre wenn PKs für Verwaltungsmandate weniger grosszügig, dafür mehr Wert auf Qualität und Leistung legen würden wenn das Geld der Eigner ausgegeben wird.
Nach der Lektüre frage ich mich, ob der Vergleich von 60 jähriger Volatilität mit 85 Jahren oder 110 Jahren Performance einer eingehenden Prüfung standhält.
Für meinen Teil hoffe ich, dass meine PK weiterhin konservativ investiert bleibt. Für mein persönliches Risiko finde ich andere Vorsorgeinstrumente.
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