«Schlangenfängertricks für tiefere PK-Leistungen»

Herbert.Braendli.quadratUnmittelbar vor den Wahlen sei der Zeitpunkt für politische Attacken auf die Vorsorge wieder einmal günstig, stellt Herbert Brändli fest.

Herbert Brändli ist Gründer und Verwaltungsratspräsident der B+B Vorsorge. Er schreibt regelmässig für finews.ch.

Auf ihre Wahltermine programmierte Politiker lassen die Finanz- und Anlagemärkte verrückt spielen. Die Medien malen schwarz. Das Volk ist verängstigt. Und somit ist die Zeit günstig für politische Attacken auf die Pensionskassengelder.

Der Bundesrat lanciert erneut die Rentenfrage und versucht mit systemfremden Massnahmen eine Mehrheit zur Senkung der Pensionskassenleistungen zu finden.

Herbei geredete Vertrauenskrise

Die von Bundesrat Didier Burkhalter herbei geredete Vertrauenskrise der Pensionskassen – Umfragen belegen glatt das Gegenteil – will der Sozialminister a) mit mehr Beitragszahlern und höheren Zwangs-beiträgen und b) Transferzahlungen vom freiwilligen in den obligatorischen Bereich oder von der 1. in die 2. Säule begegnen.

Er hofft, mit dieser kalten «Sozialisierung» der Pensionskassen die Masse mit tiefen Einkommen für sich einzunehmen und mit ihrer Hilfe die Abstimmungsschlappe vom März 2010 auszuwetzen.

Wandel vollzogen

Im Jahr 1972 hatte das Schweizer Volk dem 3-Säulenkonzept zugestimmt und damit einen Wandel der beruflichen Vorsorge vom Fürsorge- zum Vorsorgeprinzip vollzogen. Seither muss nicht mehr der Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer vorsorgen. Letztere verzichten teils gezwungenermassen auf Teile ihrer Einkommen und speichern diese in Pensionskassen.

Damit gründet die 2. Säule auf Eigentum der Arbeitnehmer, die für ihr Alter im Kollektiv Kapitalien ansparen. Sie sind gleichzeitig Versicherte und Eigner ihrer Vorsorgeeinrichtungen. Laut Verfassung müsste der Bund dafür sorgen, dass ihre Geldspeicher Mindestanforderungen genügen, damit sie ihren Zweck dauernd erfüllen können und ihnen, unter anderem mit Steuererleichterungen, das Umfeld zweckdienlich gestalten.

Systemfremde Unverteilung

Bundesbern macht genau das Gegenteil. Mit Quengeln und Würgen werden die Verwaltungs- und Kontrollkosten erhöht, die Freiheitsgrade der Vermögensverwaltung eingeschränkt und die natürlichen Schwankungskorridore der Vorsorgevermögen verbaut.

An Stelle der so weg regulierten Erträge sollen künftig mehr und höhere Beiträge sowie Transferzahlungen verordnet werden. Mit der Einführung systemfremder Umverteilungen läutet der Bundesrat eine weitere Runde der Enteignung der Arbeitnehmer ein, die er mit Hilfe des BVG seit 1985 systematisch vorangetrieben hat.

Den Nerv der Pensionskassen getroffen

Zur Rechtfertigung werden die aktuell tiefen Marktzinsen und die zunehmende Lebenserwartung vorgeschoben. Beides trifft den Nerv der Pensionskassen und stellt ihre ureigene Aufgabe in Frage: Die Erwirtschaftung von genügend Ertrag für nachhaltige, lebenslange Renten, welche ihr Dasein überhaupt rechtfertigen.

Zur Leistungserfüllung müssen Pensionskassen ihre Kosten und die langfristigen Erträge im Griff haben und temporäre Vermögensschwankungen aushalten können. Nachhaltige Leistungen erfordern genügend Zinsgutschriften. Genügend Zinsgutschriften sind nur mit hohen und auch verteilbaren Erträgen machbar.

Schwankungen sind der Normalfall

Genügende Erträge können nur mit (volatilen) Realwertanlagen erzielt werden, die zudem nicht in Reserven verpackt werden dürfen. Momentan verunmöglicht das von unbeholfenen Politikern stark geprägte wirtschaftliche Umfeld den Pensionskassen die angepeilten Erträge und sie wären gezwungen ihr Schwankungspotential zu nutzen. Die gleichen Politiker verhindern aber adaequate Reaktionen auf ihr Schlamassel.

Schwankungen von Wirtschaft und Märkten sind der Normalfall, wie aus allen langfristigen Aufzeichnungen hervorgeht und im jüngst publizierten Buch «Dieses Mal ist alles anders – Acht Jahrhunderte Finanzkrisen» der Amerikaner Carmen M. Reinhart und Kenneth S. Rogoff nachgelesen werden kann. Die Autoren folgern denn auch, dass Politiker und ihre Einflüsterer den Bürgern fälschlicherweise immer wieder vorgaukeln, sie hätten die Situation und die Risiken im Griff.

Kurzfristige und kurzsichtige Modelle

Entsprechend weiss der Bundesrat wieder alle Befürworter und Nutzniesser hinter sich, die ihm schon vor der Abstimmung im März 2010 mit untauglichen, weil kurzfristigen und kurzsichtigen Modellen die Stange gehalten haben. Ihre Argumente und Berechnungen negieren konsequent die langfristigen, natürlichen Vorgaben der Pensionskassen.

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NEWS GANZ KURZ

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

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