Unternehmensanleihen: Der nächste Zyklus erfordert Flexibilität

Relative-Value-Strategien werden sich dort auszahlen, wo es auf den ersten Blick weniger naheliegend scheint. Der kommende Konjunkturzyklus erfordere zudem ein innovatives Handeln, sagt Portfolio-Manager David Stanley von T. Rowe Price.

David StanleyAnleger im Markt für Unternehmensanleihen sehen sich derzeit mit gegenläufigen Trends konfrontiert. Die Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben das Vertrauen in die Finanzmärkte bis zu einem gewissen Grad wiederhergestellt, während bessere Konjunkturaussichten für China und die USA mithelfen, die Gefahr von Extremsituationen zu reduzieren.

Dieser Stimmungsaufschwung ist Anlass für einen grossen Hype rund um das Thema «Great Rotation», das heisst hinsichtlich einer Umschichtung von festverzinslichen Papieren in Aktien. Die drohende Neupositionierung von Investoren stellt längerfristig zweifellos ein Risiko dar. Ein Risiko, das jedoch durch diejenigen Faktoren ausgeglichen werden sollte, welche im kommenden Jahr voraussichtlich die europäischen Anleihenmärkte stützen werden: stockendes Wachstum in Europa, niedrige Inflation und eine lockere Geldpolitik. Die Fundamentaldaten der Unternehmen bleiben darüber hinaus solide und Unternehmen halten sich bezüglich Ausgaben grösstenteils zurück.

Horizont erweitern

2012 war ein Spitzenjahr für den Markt für Euro-Unternehmensanleihen; dass 2013 erneut zweistellige Erträge erzielt werden, ist jedoch unwahrscheinlich. Laut David Stanley (Bild), Portfolio Manager Euro Corporate Bond Strategy bei T. Rowe, erfordert der nächste Konjunkturzyklus Flexibilität und innovatives Handeln von den Investoren. Relative-Value-Strategien werden sich seiner Ansicht nach dort auszahlen, wo es auf den ersten Blick weniger naheliegend scheint.

Es ist deshalb notwendig, dass Investoren ihren Horizont auf das gesamte Anlageuniversum erweitern – was durch ein solideres makroökonomisches Umfeld vereinfacht werden dürfte. «Die Anleger sollten ermutigt werden, sich nicht nur am Benchmark zu orientieren», so Stanley. «In den heutigen Anleihemärkten geht es darum, indexbewusst zu handeln, nicht darum, sich durch den Index einschränken zu lassen.»

Komplexität schafft Gelegenheiten.

Die zunehmende Komplexität der Kreditmärkte bietet Inverstoren mehr Gelegenheiten, denn die Performance der Kreditmärkte wird heute durch mannigfaltige Faktoren beeinflusst – nicht mehr ausschliesslich durch eine simple Beurteilung der Kreditwürdigkeit. Bei der Kreditvergabe an Unternehmen muss die entsprechende Analyse unter einer Reihe verschiedener Gesichtspunkte erfolgen.

Die Entwicklung von Staatsanleihen, hochverzinslichen Anleihen, Aktien, der aufstrebenden Märkte und der Liquidität müssen miteinbezogen werden. David Stanley glaubt jedoch nicht, dass ein Investor zwingend Kompromisse bezüglich Kreditqualität eingehen muss, wenn es darum geht, auf innovative Weise Risiko-/Rendite-Chancen wahrzunehmen: «Die Suche nach Rendite bleibt schliesslich über die gesamte Kapitalstruktur hinweg ein Thema», sagt er.

Taktisch investieren

Forderungsbesicherte Anleihen bieten Investoren die Gelegenheit, sich sowohl in Bank- als auch in Staatsanleihen zu engagieren. Es handelt sich dabei um von Finanzinstituten ausgegebene, qualitativ hochwertige Schuldpapiere, die ein Engagement in die betreffenden Banken ermöglichen und zusätzlich durch gebündelte Kredite (zum Beispiel Hypotheken) besichert sind. Länderrisiken sind in Europa zu einem zunehmend wichtigen Faktor bei der Bewertung von Unternehmensanleihen geworden; in gewissen Fällen haben sie hier die Kreditrisiken verdrängt.

Dies ist insbesondere für Banken relevant, die in ihren Bilanzen über signifikante Verpflichtungen in Form von Staatsanleihen verfügen und zudem eine substanzielle Indexgewichtung haben. Gemäss David Stanley könnte ein mit einem A-Rating bewerteter Covered Bond einer spanischen Bank eine Möglichkeit darstellen, in Spanien investiert zu sein, die mehr Sicherheit bietet, als vorrangige, ungesicherte Anleihen dieser Bank mit einem Kreditrating von BBB – beispielsweise für den Fall, dass ein Länderrating auf «hochverzinslich» herabgestuft wird.

Potenzial erkennen

Investoren sollten zudem so flexibel sein, dass sie Kreditqualität erkennen und nutzen können. Denn verbessern sich bei einem Unternehmen die Argumente hinsichtlich einer Kreditgewährung und das Potenzial eines Investment-Grade-Status zeigt sich, sind interessante Renditen möglich. Renditechancen durch selektive Bewertungen sind bei einer Anzahl hochverzinslicher Euro-Emittenten vorhanden.

Die Kredittrends für hochverzinsliche Emittenten haben sich zudem infolge des Schuldenabbaus von Unternehmen insgesamt verbessert, was ebenfalls dazu beiträgt, dass die Ausfallrate tief bleibt. Darüber hinaus wird die Anlageklasse der hochverzinslichen Euro-Anleihen, deren Volumen sich seit dem Jahr 2008 verdoppelt hat, zunehmend durch eine stabile Investorenbasis mit langfristigem Fokus gestützt.

Anomalien bei Emittenten-Bewertungen nutzen

Sich auf Ebene individueller Emittenten für die richtigen Wertpapiere zu entscheiden, kann ein differenzierender Performance-Faktor sein. Anleger können Bewertungsanomalien zwischen unterschiedlichen Wertpapieren desselben Emittenten zu ihren Gunsten nutzen. Um mehr Zugang zu Finanzmitteln zu erhalten, geben europäische Unternehmen beispielsweise Anleihen in Euro und in anderen Währungen aus (normalerweise in Pfund oder Dollar).

In die Anleihe einer anderen Währung als Euro zu investieren, kann dabei heissen, in eine Anleihe mit günstigerer Bewertung zu investieren. David Stanley erklärt: «Aus technischen Gründen werden Anleihen anderer Währungen als Euro oft mit deutlich höheren Spreads gehandelt als entsprechende Euro-Anleihen desselben Unternehmens. Käufe werden aber vollständig in Euro abgesichert und die Anleger profitieren so vom Vorteil zusätzlicher Renditen ohne Währungsrisiko.»

Unabdingbare Attribute

Flexibilität und Innovation sind in einem festverzinslichen Umfeld, in dem Investoren mit neuen Herausforderungen konfrontiert sind, unabdingbare Attribute. Bei der Auswahl der Wertpapiere sind Risikomanagement und Vorkehrungen gegenüber vorhandenem Abwärtspotenzial in gleichem Masse ein Thema wie die Suche nach attraktiven Renditen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter diesem Link.


Dieser Artikel dient einzig zu Informationszwecken und stellt keine Empfehlung, keine Anlageberatung und kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anlagen, Produkten oder Investmentdienstleistungen von T. Rowe Price dar. Die vergangene Wertentwicklung ist kein Hinweis auf zukünftige Wertentwicklungen. Die indiesem Artikel enthaltenen Informationen stammen aus Quellen, die wir für zuverlässig halten, jedoch können wir deren Korrektheit nicht garantieren. Dieser Artikel enthält allgemeine Ansichten und Kommentare, die auf keine bestimmten Anlageziele oder finanziellen Umstände ausgerichtet und an keine bestimmte Anlegergruppe gerichtet ist. Anleger sollten bei Anlageentscheiden von ihrer spezifischen Situation ausgehen. Die hier präsentierten Ansichten stammen vom Februar 2013 und können sich seither geändert haben.

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