Tim Stevenson bricht eine Lanze für europäische Qualitätsaktien

Banken dürften von einem wirtschaftlichen Aufschwung in Europa kräftig profitieren, ist Tim Stevenson von Henderson Global Investors überzeugt.

Tim Stevenson ist Manager des Henderson Horizon Pan European Equity Fund

Die Stimmung gegenüber den europäischen Märkten ist binnen 12 repsektive 18 Monaten (je nachdem, wo der Stimmungsumschwung zeitlich angesetzt wird) von sträflicher Vernachlässigung in allgemeine Bewunderung umgeschlagen.

Wiederholt habe ich betont, dass es in Europa unverändert Risiken gibt, die sowohl politischer und wirtschaftlicher Natur sind, aber auch den Arbeitsmarkt und die Gewinnentwicklung in den Unternehmen betreffen.

Fakt ist aber auch, dass einige der grössten und führenden Unternehmen der Welt auf dem alten Kontinent ansässig sind und bei gewissen Anlegern eine natürliche Neigung besteht, das Engagement bei europäischen Aktien aufzustocken.

Broker verbreiten Angst und Hektik

Das gilt insbesondere für europäische Anleger, die sich (meiner Ansicht nach zu Recht) Sorgen über die Entwicklung an den Anleihemärkten machen und die daher ihre Aktiengewichtung ausgehend von historisch sehr niedrigen Niveaus erhöhen. Aber auch internationale Anleger, die die Bewertungsniveaus (vor allem das Shiller-KGV) am amerikanischen Markt und die Schwankungen und Risiken in den einst begehrten Schwellenländern umtreiben, kaufen inzwischen verstärkt Europa-Aktien.

Überdies hat die Berichtssaison gerade erst begonnen. Broker nutzen diese gerne, um Wirbel zu machen, Angst und Hektik zu verbreiten. Sprunghafte Investoren wiederum neigen in solchen Zeiten dazu, kalte Füsse zu bekommen und die Tatsachen ausser Acht zu lassen: So dürften die Volkswirtschaften in Europa 2014 auf Erholungskurs bleiben, und die Gewinnprognosen zeigen ebenfalls nach oben. Durchschnittlich wird für 2014 ein Gewinnanstieg von 13 Prozent erwartet, die ersten Schätzungen für 2015 liegen bei 11 Prozent.

Die Meute renditehungriger Hedge-Fund-Manager

Auch aus diesem Grund ist es riskant, in einzelne Titel allein auf Grund der in einem Artikel geäusserten Meinung eines Fondsmanagers zu investieren. Möglicherweise gefällt ihm eine Aktie auf Grund ihrer langfristigen Aussichten. Aber natürlich ist es für ihn auch kein Problem, sich eine Geschichte auszudenken, um eine Aktie kurzfristig nach oben oder unten zu treiben. Das gilt vor allem in einer Welt, in der eine Meute renditehungriger Hedge-Fund-Manager ihr Unwesen treibt.

Für den Augenblick bleibe ich jedenfalls bei meiner vorsichtigen Haltung gegenüber vielen Verbrauchsgüterwerten. Die grossen Schwankungen bei den Schwellenländer-Währungen könnten einen weiteren Grund für eine gewisse Zurückhaltung gegenüber einigen dieser Titel liefern.

Deutliche Begeisterung für Banken

Bei Banken bin ich ebenfalls geringfügig untergewichtet, obwohl ich mich dem Sektor in den vergangenen 18 Monaten mit deutlich mehr Begeisterung wieder zugewandt habe und sich einige Titel aus diesem Bereich wie ING und Crédit Agricole glänzend erholen. Banken dürften von einem wirtschaftlichen Aufschwung in Europa kräftig profitieren.

Theoretisch sollten auch Industriewerte zulegen, wenngleich dies angesichts der Abwertung des Yen um 25 Prozent und dem damit einhergehenden härteren Wettbewerb möglicherweise ein äusserst riskanter Bereich ist. Da Europa in eine positivere Phase mit kräftigerem Wachstum und steigenden Steuereinnahmen (und etwas mehr Ausgabendisziplin der Regierungen) eintritt, gehe ich ferner davon aus, dass sich die Infrastrukturausgaben beleben respektive steuerliche Anreize für die Investition vorhandener Mittel geschaffen werden.

Schleppendes Wirtschaftswachstum

Hendersons Kernbotschaften für 2014 lauten: Die europäischen Volkswirtschaften befinden sich auf dem Wege der Genesung, und die Wirtschaft wird voraussichtlich kräftiger wachsen als derzeit vorhergesagt. Ein Blick auf das rasante Wachstum in Grossbritannien, das meines Erachtens ein wichtiges Barometer ist, reicht aus, um zu erahnen, wie schnell für andere europäische Länder eine Phase mit überraschend solidem Wachstum beginnen könnte.

Der Wermutstropfen: Vermutlich stehen uns etliche Jahre mit schleppendem Wirtschaftswachstum bevor. Daher bevorzuge ich unverändert eine umsichtige Mischung aus erstklassigen Wachstumswerten und diversen Titeln, die von einer Erholung profitieren werden. Diese Strategie hat sich seit über zwölf Jahren bewährt und ist einem ausgewogenen Ansatz und der grossen Erfahrung von Henderson an diesen Märkten zu verdanken.

Auf Schwankungen vorbereiten

Ich rechne zwar fest damit, dass die europäischen Märkte im weiteren Jahresverlauf Kursgewinne verzeichnen werden, bereite mich aber auch auf Schwankungen vor. Wir werden deshalb wie gehabt an schlechten Tagen kaufen und dann vorsichtig sein, wenn sich etwas zu viel Gelassenheit breit macht.

HGI 250

 

 

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