«Markowitz scheint überholt»

Invesco-Fondsmanager Thorsten Paarmann über quantitatives Anlagemanagement, europäische Aktien und die wechselnde Attraktivität von Finanztiteln. 

Thorsten Paarmann ist Fondsmanager des Invesco Pan European Structured Equity Fund

Welches Anlageziel verfolgt der Invesco Pan European Structured Equity Fund?

Das Anlageziel des Fonds ist langfristiges Kapitalwachstum durch Investments in ein Portfolio von europäischen Aktien. Der Fonds zielt darauf ab, 
über einen kompletten Marktzyklus von drei bis fünf Jahren Mehrerträge gegenüber seinem Referenzindex, dem MSCI Europe (NR), sowie seiner Vergleichsgruppe (MStar Europe Large-Cap Blend Equity) zu erwirtschaften.

Können Sie die Investmentstrategie des Fonds kurz erläutern?

Aus einem Anlageuniversum, das knapp 1000 Aktien umfasst, identifizieren wir anhand quantitativer Filter die Aktien mit dem besten Risiko-Rendite-Profil. Wir analysieren die fundamentale Attraktivität der Aktien im Verhältnis zu ihrer Volatilität, wobei unser Schwerpunkt auf stabileren Unternehmen mit starken Fundamentaldaten liegt.


«Wir filtern das Anlageuniversum»


Die Idee hinter der Volatilitätskontrolle ist, dass die Renditen stabilerer Aktien in der historischen Betrachtung generell vergleichbar mit denen von Aktien mit einer hohen Volatilität sind, allerdings bei einer geringeren Verlustwahrscheinlichkeit. Die Portfolio-Theorie von Harry Markowitz, wonach höhere Renditen das Eingehen höherer Risiken erfordern, scheint überholt.

Wo liegen die Unterschiede Ihres Ansatzes im Vergleich zu dem eines traditionellen Managers?

Viele traditionelle Manager nutzen Bewertungsfilter, um die Zahl der Aktien zu reduzieren, die dann einer detaillierteren Analyse unterzogen werden. Unser Ansatz ist grundsätzlich der gleiche, allerdings filtern wir das Anlageuniversum anhand vieler zusätzlicher fundamentaler als auch verhaltenspsychologischer Merkmale mit erwiesenem Mehrwert für die Wertentwicklung.


«Emotionen nicht unterschätzen»


Dieser Ansatz ist schlüssig, weil Anleger nicht so rational handeln, wie uns die Fachbücher glauben machen wollen. Viele Anlageentscheidungen unterliegen emotionalen Einflüssen. Ein Beispiel: Natürlich wollen Anleger mit ihren Investments Gewinne erzielen. Aber: In der Hoffnung auf eine Kurserholung halten sie tendenziell zu lange an Verlustbringern fest und neigen andererseits dazu, gut entwickelnde Aktienpositionen zu früh zu veräussern.

Ein weiterer verhaltenspsychologischer Fallstrick ist ein überzogenes Vertrauen in die eigene Fähigkeit, attraktive Anlagechancen zu identifizieren. Die Beweggründe hinter den Anlageentscheidungen der Investoren zu verstehen hilft uns, irrationales Verhalten anderer Marktteilnehmer auszunutzen.


«Absolute Rendite statt Index»


Ein weiterer Vorteil des quantitativen Managements besteht darin, dass man die eigenen Filter auf eine weitaus grössere Zahl von potenziellen Anlagekandidaten anwenden kann – ohne von eigenen Emotionen abgelenkt oder von einer kleinen Zahl von Experten abhängig zu sein.

Für wen eignet sich der Fonds?

Der Fonds eignet sich für Aktienanleger, die stärker an der absoluten Rendite als an der Orientierung an einem Index interessiert sind, einen mittleren bis langfristigen Anlagehorizont verfolgen und am Wertzuwachs-Potenzial der europäischen Unternehmen partizipieren wollen.


«Ein attraktives Performance-Muster»


Durch die Begrenzung der Volatilität des Fonds und die gleichzeitige Auswahl der fundamental attraktivsten Aktien aus einem breiten Anlageuniversum kann sich ein sehr attraktives Performance-Muster ergeben. Es begrenzt die Verluste in fallenden Märkten und bietet attraktives Alpha-Potenzial.

Zudem kann ein Investment in einen Fonds mit einer bislang einzigartigen Anlagestrategie zur Diversifikation beitragen. Darüber hinaus bietet der Fonds eine Dividendenrendite im Einklang mit dem MSCI Europa.

Wie hat das Portfolio auf die jüngsten Marktentwicklungen reagiert?

Im Jahr 2013 konnten die europäischen Aktienmärkte ihre 2012 begonnene Aufwärtsbewegung fortsetzen und zweistellige prozentuale Wertzuwächse verzeichnen. In diesem Umfeld erreichte das Portfolio bei deutlich geringerem Risiko eine Wertentwicklung weitgehend im Einklang mit der Benchmark.


«Der Mehrwert wurde nachhaltig bewiesen»


Während in den kürzeren Haussephasen die defensive Portfolio-Struktur Kursanstiege des Fonds etwas bremste, konnte das Portfolio in moderaten Anstiegsphasen und zwischenzeitlichen Korrekturen seinen Mehrwert nachhaltig beweisen. Nach unserer Einschätzung ist dies eine Bestätigung dafür, unsere eher defensive Strategie auch in einem steigenden Marktumfeld eine attraktive Wertentwicklung erwirtschaften kann, ohne das Risikomanagement zu vernachlässigen.

Können Sie das noch etwas vertiefen?

Ja. Interessante Beobachtungen lassen sich aus Veränderungen in der Sektor-Positionierung des Portfolios in den letzten Quartalen ableiten. Finanzwerte verzeichneten nur moderate Volatilitätsrückgänge und blieben auf Basis hoher «Risikoprämien» relativ zum breiten Markt weniger attraktiv.


«Das ist kein defensives Aktieninvestment»


Dennoch haben wir das Banken-Gewicht schrittweise erhöht, bevorzugt allerdings in vergleichsweise stabileren Titeln aus Skandinavien. Bei einem weiteren Rückgang dieser «Risikoprämien» ist eine höhere Gewichtung vorstellbar.

So hatten Finanzwerte im Jahr 2006 bei sehr moderater Volatilität das mit Abstand höchste Gewicht im Portfolio. Ein Beweis dafür, dass es sich bei unserem Ansatz nicht um ein statisch defensives Aktieninvestment handelt.

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