Schwellenländer haben Wachstumspotenzial

Marco Ruijer von ING Investment Management zählt zu den Pionieren im Bereich ‹Emerging Markets›. Im Interview nennt er die Faktoren, die nun günstig sind.

Herr Ruijer, ING Investment Management hat sich schon vor 20 Jahren im Bereich der Schwellenländeranleihen engagiert, eine Pionierleistung?

Wir haben mit unserem Schwellenländer-Anleihefonds für Hartwährungen massgeblich zur Entwicklung dieser Anlageklasse beigetragen. Insofern ist der Begriff «Pionierleistung» sicherlich zutreffend.

Heute ist der lange Track-Record für uns ein entscheidender Vorteil, da der Fonds sich über unterschiedliche Wirtschaftszyklen hinweg durch beeindruckende Renditen bewährt hat. Treue Anleger schätzen das und sind seit mindestens 15 Jahren investiert.


«Es sind Staatsanleihen in Hartwährungen»


Viele Investoren sehen diese Anlageklasse nach wie vor eher als Beimischung für ein Portfolio. Eine Fehleinschätzung?

Das sollte sich ändern. In Marktphasen mit niedrigen Zinsniveaus bieten gerade Staatsanleihen in Hartwährung, als reifstes Segment in diesem Bereich, interessante Optionen als Bestandteil des Kerninvestments.

An welchen Kriterien orientieren Sie sich bei der Zusammenstellung ihres Portfolios?

Im Portfolio befinden sich ausschliesslich Schuldtitel auf Währungen wirtschaftlich entwickelter und politisch stabiler Länder, die Mitglieder in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind. Das sind Länder, deren spezifische politische und wirtschaftliche Risiken wir umfassend beurteilen können und die bestimmte Wirtschaftsreformen durchlaufen haben.


«Die Stimmung ist ausgeglichener»


Mit Blick auf die Länderallokation verteilt sich das Fondsvermögen auf Schwellenländeranleihen aus den Anlageregionen Süd- und Mittelamerika inklusive der Karibik, Mittel- und Osteuropa, Asien, Afrika und dem Nahen Osten.

Die «Wachstumslokomotive» Schwellenländer hat aber in den vergangenen Jahren etwas geschwächelt.

Wichtig ist es, das Portfolio so aufzustellen, dass es weitgehend vor Abwärtsrisiken geschützt ist. Wir sehen im Bereich der Emerging-Markets-Bonds noch reichlich Wachstumspotenzial. Nicht nur in der älteren Anteilsklasse in Hartwährungen, sondern auch im etwas jüngeren Segment der Lokalwährungen und in Dollar denominierten Unternehmensanleihen aus Schwellenländern.

Welche Faktoren wirken sich derzeit günstig aus?

Die aktuellen Bewertungen lassen eine gute Werthaltigkeit bei Schwellenländer-Bonds erkennen. Die Stimmung an den Märkten ist ausgeglichener, der Ausstieg der USA aus der quantitativen Lockerung ist bereits eingepreist.


«China und Ungarn sind weniger gefährdet»


Hinzu kommt, dass die Spreads bei den Schuldtiteln aus Schwellenländern inzwischen soweit gestiegen sind, dass sie bei einem weiteren Anstieg der Treasury-Renditen einen Puffer bieten. Einen weiteren Kurssturz erwarten wir daher zumindest bei Hartwährungs-Anleihen nicht.

Was müssen Schwellenländer-Investoren auf der Risikoseite beachten?

In den einzelnen Schwellenländern finden wir natürlich unterschiedlich ausgeprägte Bedingungen für Investoren vor. Risikofaktoren sind hohe, kurzfristige Auslandsschulden im Verhältnis zu den Reserven, ein rapides Kreditwachstum oder eine offenere Volkswirtschaft, aus der Kapital ungehindert abfliessen kann.

Die Türkei erscheint hier ebenso wie Südafrika, Brasilien und die Ukraine, exponiert. Länder wie China oder Ungarn, die entweder Leistungsbilanzüberschüsse, geschlossene Kapitalkonten oder hohe Fremdwährungsreserven haben, sind dagegen weniger gefährdet.


«Die Erholung wird schnell erfolgen»


Ausserdem bestehen in einigen Schwellenländern höhere politische, rechtliche und wirtschaftliche Risiken. Auch Wechselkurs-Schwankungen können den Wert einer Anlage in erheblichem Umfang sowohl positiv als auch negativ beeinflussen.

Die Philippinen zählen zu den grösseren Positionen (2,09 Prozent per Ende Februar 2014) in Ihrem Portfolio. Das Land kämpft immer noch mit den Folgen einer Naturkatastrophe.

So tragisch dieses Ereignis für die betroffene Bevölkerung ist, das Risiko solcher Naturkatastrophen ist natürlich gegeben. Die Philippinen waren bereits Ende 2012 von einem Taifun betroffen. Ausgehend von vergangenen Episoden, die vom Wiederaufbau geprägt waren, erwarten wir, dass die Erholung dieses Jahr schnell erfolgen wird.

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