Heitere Aussichten für europäische Long/Short-Fonds

Die Anleger sollten sich auf weitere Schwankungen an den Aktienmärkten einstellen. Europäische Long-/Short-Fonds finden indessen günstige Bedingungen vor.

Von John Bennett und Léopold Arminjon, beides langjährige Fondsmanager bei Henderson Global Investors

John Bennett 180Seit Anfang 2014 ging es an den europäischen Aktienmärkten rauf und runter. Solche Aktienmärkte und politische Unsicherheit wirken zwar auf die meisten Anleger eher abschreckend, doch für uns bedeutet beides, dass wir die Vorteile der Long/Short-Struktur des Fonds voll ausspielen können. Als Fonds im Rahmen der OGAW-Richtlinie können wir Long-Positionen mit Short-Positionen neutralisieren und so das Engagement insgesamt verringern. Das kann helfen, das Geld der Kunden in fallenden Märkten zu schützen.

Besorgte Anleger

So betrug der grösste Drawdown (Abstand zwischen höchstem und niedrigstem Punkt) beim Henderson Horizon Pan European Alpha Fund im laufenden Jahr bisher 2,9 Prozent, verglichen mit 5,8 Prozent beim MSCI Europe Index. Andererseits können wir jedoch, wenn Ängste übertrieben erscheinen, auch unsere Long-Positionen ausbauen und von einem anschliessenden Marktanstieg profitieren.

Wenn wir nun die konkreten Risiken betrachten, sind die Anleger natürlich besorgt über die Ereignisse in der Ukraine. Erst kürzlich hat der staatliche russische Gaskonzern Gazprom angekündigt, er werde künftig nur noch gegen Vorkasse Gas an die Ukraine liefern. Zuvor waren Gespräche unter Vermittlung der Europäischen Union ergebnislos beendet worden.

Leichte Zielscheibe

Leopold A 180Die Lage bleibt zwar sehr unklar, wie so oft, wenn die Politik die Hand im Spiel hat, doch auf die langfristige Stockpicking-Strategie des Fonds hat das keinen Einfluss. Europa hat sich mit seiner Politik zur leichten Zielscheibe für Kommentatoren gemacht, aber das politische Hin und Her ist nicht wirklich das, was zählt. nleger sollten den Blick besser auf die Fundamentaldaten der Unternehmen richten beziehungsweise bei den Wirtschaftsdaten stärker das Delta beachten – also die Rate der Veränderung – als die absoluten Wachstumszahlen.

Ein seltener diskutierter Faktor, der für das Fondsergebnis jedoch nicht weniger wichtig sein wird, ist die Korrelation der Aktienkurse. Nach der globalen Finanzkrise waren die Unterschiede zwischen den Kursverläufen der einzelnen Titel zunächst sehr gering. Daran zeigte sich, dass die Anleger ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen ausschliesslich von makroökonomischen Faktoren abhängig machten und nicht von den Fundamentaldaten der Unternehmen.

Niedrige Korrelation

Das änderte sich 2013, und die Aktienkorrelationen gingen deutlich zurück. Da unabhängige Merkmale der Firmen nun eine größere Rolle spielten, konnten Long/Short-Fonds mehr Titel ausfindig machen, die das Potenzial besassen, besser oder schlechter abzuschneiden als der breite Markt.

Und da die Korrelationen 2014 bisher niedrig geblieben sind, sehen wir uns in der Auffassung bestätigt, dass eine erfolgreiche Aktienauswahl in diesem Jahr weiter entscheidend zu einem positiven Anlageergebnis beitragen wird.

Enttäuschende Gewinnentwicklung

Den Kern des Investmentprozesses des Henderson Horizon Pan European Alpha Fund bildet die Annahme, dass Unternehmen, die mit ihrem Ertragswachstum die Markterwartungen übertreffen können, auf mittlere bis lange Sicht eine überdurchschnittliche Aktienperformance liefern werden.

Neben der Generierung von Wertzuwachs durch die Auswahl der richtigen Titel, gestützt auf langfristige Fundamentalanalysen, gibt es noch eine weitere Möglichkeit, erhebliche Zuwächse zu erzielen: den Aufbau von Short-Positionen in Aktien von Unternehmen, von denen wir eine enttäuschende Gewinnentwicklung erwarten.

Die grössten Einzelpositionen

In der aktuellen Portfolio-Aufteilung entfällt auf Finanz- und zyklische Konsumwerte im Branchenvergleich das grösste Netto-Long-Engagement . Die grössten Einzelpositionen sind ENI (Energie), AstraZeneca (Gesundheit), SAP (IT), Publicis (zyklischer Konsum) und Zurich Insurance (Finanzwesen).

Unser Engagement in Industrie-, Roh- und Werkstoff-, Telekommunikations- und nichtzyklischen Konsumtiteln ist momentan sehr schwach, da wir in diesen Bereichen wenig interessante Gelegenheiten sehen.

Defensive Strategie

Im aktuellen Umfeld, das von einer wachsenden Streuung der Aktienperformance gekennzeichnet ist, konnten wir auf der Long- ebenso wie auf der Short-Seite eine Reihe interessanter Möglichkeiten entdecken. Allerdings sind die Aktienmärkte innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums erheblich gestiegen, und wir halten unser Nettoengagement deshalb relativ niedrig (24,1 Prozent per Ende Mai 2014), um die Risiken für den Fonds zu begrenzen.

Das Nettoengagement des Fonds bewegt sich im Sinne unserer «flexiblen defensiven Strategie» in einer Spanne von -25 Prozent bis +75 Prozent. Wir legen grossen Wert auf Liquidität und stehen damit im Widerspruch zur derzeit vorherrschenden Haltung an den Aktienmärkten – mit Investments in kleinen und mittleren Werten war in letzter Zeit schließlich viel mehr Geld zu verdienen als mit Standardwerten.

Dynamische Anpassung

Für uns haben liquide Titel jedoch den grossen Vorteil, dass wir unser Kapital sehr schnell investieren oder darüber verfügen können, und die Möglichkeit zum Aus- und Wiedereinstieg in einen Titel ist ungemein wertvoll.

Durch eine dynamische Anpassung des Netto- und Bruttoengagements an den Märkten lassen sich gute risikobereinigte Erträge erzielen, das Geld der Anleger kann geschützt und die Volatilität selbst dann minimiert werden, wenn Ereignisse auf der Makroebene «Stockpickern» wie uns das Leben schwer machen. Allerdings war es die erfolgreiche Titelauswahl, die unsere Long/Short-Strategie in die Lage versetzt hat, 2013 mit dem steigenden Markt Schritt zu halten, obwohl unser Nettoengagement in Aktien wesentlich niedriger war.

Wir glauben, dass unser Ansatz weiterhin gute Ergebnisse liefern wird.

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