David Millar: «Es geht darum, möglichst wenig falsch zu machen»

David Millard, Fondsmanager beim US-Asset Manager Invesco, hat innert kürzester Zeit eine halbe Milliarde Dollar eingesammelt. Wie hat er das geschafft, was macht er damit?


Herr Millar, der nun auch in einer Luxemburger Variante für Europa aufgelegte Invesco Global Targeted Returns Fund hat bereits mehr als eine Milliarde Dollar an Fondsvermögen angesammelt. Welches Erfolgsgeheimnis steckt dahinter?

Ich behaupte, dass man eine echte Diversifikation nur erreicht, wenn man sich von der Beschränkung durch Anlageklassen völlig befreit. Wir investieren – unabhängig von irgendwelchen Asset-Allocation-Vorgaben oder vorgefertigten Investment-Definitionen in aus unserer Sicht aussichtsreiche Langfrist-Ideen.

Derzeit sind das 26, von der jede auf Sicht von zwei bis drei Jahren einen positiven Beitrag zur Gesamtperformance des Fonds liefern soll. Den Hintergrund bildet dabei unser zentrales gesamtwirtschaftliches Szenario, ohne dabei auf bestimmte Aspekte wie Anlageregionen, Währungen, Branchen oder Assetklassen festgelegt zu sein.

Werden Sie den Vorsprung vor Ihren Mitbewerbern, insbesondere dem Blockbuster-Produkt Ihres früheren Arbeitgebers (Standard Life) halten können?

Ich denke, dass wir mit einem Wertzuwachs von mehr als zehn Prozent in zwölf Monaten mehr als zufrieden sein können. Aber man sollte sich als Fondsmanager auch niemals überschätzen. Wir hatten natürlich einen guten Start, zum Teil aber eben auf Grund eines ungewöhnlichen Marktumfelds, insbesondere im Hinblick auf die weiter gesunkene Verzinsung am Geldmarkt.


«Wir haben es weiter mit Disinflation zu tun»


Wenn Sie unsere ökonomische These von vor einem Jahr lesen, dann sind wir damals – wie übrigens auch heute noch – davon ausgegangen, dass es weiterhin bei einer lockeren Geldpolitik der Zentralbanken bleiben wird, so dass das Wachstum insgesamt positiv, aber gering ausfallen wird, und dass wir es weiterhin mit einer Disinflation zu tun haben werden.

Letzteres hätten vor einem Jahr viele Beobachter in Frage gestellt.

Ja, wenn Sie damals in einem Raum mit verschiedenen Investoren aus unterschiedlichen Ländern und Branchen gefragt hätten, wer davon ausgehe, dass die Rendite für zehnjährige US-Papiere in zwölf Monaten unter 2,4 Prozent liegen werde, dann hätte kein einziger die Hand gehoben. Wir haben mit unseren Renteninvestments von dieser und anderen Entwicklungen im Anleihenbereich profitiert.

Wie genau funktioniert der Fonds?

Die Ursprungsidee war eigentlich, dass man angesichts der derzeitig traurigen Ertragsmöglichkeiten mit kurzfristigen Zinsanlagen wie Festgeld und Geldmarkinvestments eine Möglichkeit schaffen wollte, eine aktienähnliche Rendite zu erzielen, die aber nur maximal die Hälfte der Volatilität von Aktien aufweist.


«Unser Anspruch liegt wesentlich höher»


Auch wenn die Erinnerung nach und nach zu verblassen droht, ich denke, alle Investoren wissen noch zu genau aus den Erfahrungen von 2008, was eine hohe Volatilität und starke Drawdowns anrichten können. Mit dem Fonds haben wir uns das Ziel gesetzt, über einen rollenden Drei-Jahres-Zeitraum eine jährliche Rendite von 3-Monats-EURIBOR plus fünf Prozent zu erzielen, aber eben nur mit der Hälfte der Schwankungen wie sie eine reine Aktienanlage aufweisen würde.

Wenn wir es schaffen, dass zwei Drittel unserer Anlageideen aufgehen, dann können wir eine solche Performance schaffen. Dennoch: Aus Einzelerfolgen sollte man keine Prognosen in die Zukunft ableiten. Es bleibt bei unserem genannten Renditeziel, das wir von Anfang an klar definiert haben.

Aber hat Ihr Erfolg nicht eine Menge mit dem aktuellen Fondsvolumen zu tun, das mit gut einer Milliarde Dollar im Vergleich zu ähnlichen Produkten anderer Anbieter noch relativ überschaubar erscheint?

Dazu muss ich zunächst sagen: Mein Team und ich, wir sind nicht zu Invesco gekommen, um am Ende nur eine Milliarde Dollar zu verwalten. Unser Anspruch liegt da wesentlich höher. Die in anderen Fällen sicherlich richtige Feststellung, dass ein geringeres Fondsvolumen grössere Flexibilität ermöglicht, greift im Fall des Invesco GTR Fonds einfach nicht.

Warum?

Ein wichtiger Aspekt unseres Managementprozesses ist das Liquiditäts-Screening. Wir werden mit diesem Fonds erst gar nicht versuchen, so genannte Illiquiditäts-Prämien zu vereinnahmen, etwa indem wir in Marktsegmente investieren würden, in denen sich die entsprechenden Positionen bei Bedarf dann nicht schnell genug wieder auflösen liessen.


«Es braucht eine stark diversifizierte Strategie»


Denn das System dieses Fonds soll nicht nur auf dem heutigen Stand des Fondsvolumens funktionieren, sondern auch in der Zukunft mit wesentlich höheren Volumina.

Wo liegt denn die Grenze beim Fondsvolumen? Ist ein Volumen von mehr als 20 Milliarden britischen Pfund, wie es der Standard Life GARS aufweist, schon zu hoch?

Die Frage wird mir nicht zum ersten Mal gestellt. Aber Sie werden nicht ernsthaft von mir erwarten, dass ich mich zu einem Produkt meines früheren Arbeitgebers äussere. Es wäre ohnehin vermessen, in dieser Hinsicht eine konkrete Zahl zu nennen, nur so viel: Ob man es nun Multi Asset, vermögensverwaltender Fonds oder Absolute Return nennt. Eine so stark diversifizierte Strategie ist durchaus in der Lage mehrere Milliarden Euro an Fondsvermögen erfolgreich zu verwalten.


«Bedrohliche Blasenbildungen sind vorbei»


Ich denke, mein Team hier bei Invesco ist insofern im Vorteil, als wir uns ausschliesslich auf das Management des Invesco Global Targeted Return konzentrieren können. Das unterscheidet uns von einer Reihe von Mitbewerbern.

Was erwarten Sie für den weiteren Verlauf bis ins kommende Jahr hinein?

Wir erwarten ein weiterhin stetiges Wachstum der Wirtschaft und eine anhaltende Phase sehr niedriger Zinsen, begleitet von einer weiterhin geringen Inflation, wobei wir nicht ausschliessen, dass auch künftig noch in Europa das Risiko eines Abgleitens in die Deflation bestehen bleibt.

Die entwickelten Märkte dürften sich, unterstützt von den geldpolitischen Massnahmen der Zentralbanken, auch weiterhin in einem eher ruhigen Fahrwasser bewegen. Wir befinden uns jedenfalls nicht mehr in einem von bedrohlichen Blasenbildungen geprägten Territorium.

Wie halten Sie es mit den Risiken?

Im Januar dieses Jahres war es die Gefahr eines regionalen Kriegs, die wir als grösstes Risiko durchaus weitsichtig auf dem Schirm hatten, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat. Die grösste Gefahr heute ist meiner Ansicht nach, dass sich unter Investoren erneut die Überzeugung «Cash is King» durchsetzen könnte wie das im Mai und Juni des vergangenen Jahres der Fall war.


«Es wird weniger Zufluchtsmöglichkeiten geben»


In diesem Szenario könnten die Aktien- und Anleihekurse gleichzeitig sinken, so dass es weniger Zufluchtmöglichkeiten gäbe. In einem derart schwierigen Marktumfeld würden wir möglicherweise keine hohen Erträge erwirtschaften.

Wichtig ist aber, dass wir andere Diversifikationsmöglichkeiten suchen würden, um den Wert des Anlagevermögens zu erhalten und Wertverluste zu vermeiden.


David Millar ist in Südafrika geboren. Nach dem Studium der Mathematik an der Universität von Kapstadt begann er 1989 seine Karriere in der Finanzbranche als Aktuar für die britische Versicherung Scottish Widows, 1996 wechselte er ins Fixed-Income-Team der Tochterfirma Scottish Widows, wo er zum Head of Bond Strategy und zum Leiter der Bond Policy Group aufstieg.

Im Jahr 2008 entschied sich Millar für einen Wechsel zu Standard Life und schloss sich als Investment Director dem Multi-Asset-Investment-Team an. Millar war einer der Portfoliomanager des Absolute-Return-Fonds und stand der Bond-Investment-Group als Leiter vor. Seit Januar 2013 arbeitet er als Leiter des Multi Asset Teams von Invesco in Henley-on-Thames nahe London.

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