SNB-Entscheid: Wie es geschah, war katastrophal

Welche Gründe haben die Schweizerische Nationalbank dazu ermutigt, den Euro-Mindestkurs aufzuheben? Laurent Bakhtiari von der IG Bank geht nochmals dieser Frage nach und kommt zu überraschenden Einsichten.

Laurent Bakhtiari, Marktanalyst bei der IG Bank

Offiziell stellte die Schweizerische Nationalbank (SNB) nach ihrem historischen Entscheid vom 15. Januar 2015 fest, das Wechselkurs-Verhältnis zwischen dem Dollar und dem Franken habe sich so stark verändert, dass der Abwärtsdruck abgenommen hätte. Das ist absolut richtig.

Ich möchte jedoch anfügen, dass das Verhältnis zwischen Euro und Franken sowie Dollar und Franken nach der Ankündigung der SNB ebenfalls abnahmen. Dies beweist, dass der Franken tatsächlich gegen den Dollar an Wert verlor und immer noch verliert.

Ein ganz anderer Grund

Aber ist das ein ausreichender Grund, um eine Untergrenze aufzuheben? Die Antwort lautet ‹Nein›. Die Exporte in die Vereinigten Staaten stellen weniger als 12 Prozent der gesamten Ausfuhren der Schweiz war, wohingegen diejenigen in die EU mehr als 45 Prozent ausmachen. Also ist die Argumentation mit dem Dollar doch eher ein Täuschungsmanöver.

Aber warum hat die SNB dennoch den Mindestkurs aufgegeben? Der Grund ist ein anderer. Die SNB hat sich durch die Verteidigung der Euro-Untergrenze auf ein gefährliches Spiel mit der Europäischen Zentralbank (EZB) eingelassen, denn der Mindestkurs beeinträchtigte das Angebot und die Nachfrage der beiden Volkswirtschaften.

Makroökonomische Probleme waren die Folge

  • Die Bilanz der SNB ist auf mehr als 80 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) gestiegen. Das ist an sich nicht gefährlich, – weil die SNB eine Deflation von -0.1 Prozent für 2015 vorsieht –, doch es hätte einen hohen symbolischen Wert gehabt, wenn das 100-Prozent-Niveau erreicht worden wäre.
  • Paradoxerweise ist es vielleicht gerade die Untergrenze selber, welche diesen Anstieg des Franken verursacht hat.
  • Die EZB hat mit ihrer Geldpolitik seit 2011 mehrere Massnahmen getroffen, die keine oder kaum Wirkung entfalteten. Es stellt sich darum die Frage, ob nicht die SNB teilweise von diesen Geldspritzen profitierte, was letztlich dazu geführt haben könnte, dass die Strategie der EZB versagte.

Am Ende wusste die SNB, dass das quantitative Lockerungsprogramm (QE) der EZB demnächst starten würde. Und die Schweizer Währungshüter wussten dadurch ebenfalls, dass dies zu einer weiteren Schwächung des Euro führen würde, was massive Käufe der europäischen Einheitswährung nötig gemacht hätte.

Die letzte Munition der EZB

Dieses QE ist vermutlich die letzte Munition, über welche die EZB verfügt. Vielleicht glaubte die SNB auch nicht daran, dass diese Politik den gewünschten Erfolg bringen würde. Warum sollte sie also noch massiv mehr Euro kaufen?

Möglicherweise ging die SNB in ihrer Analyse auch davon aus, dass sich Griechenland aus dem Euro verabschieden würde (Grexit); oder aber es war die EZB selber, welche die SNB gebeten hat, die Untergrenze aufzuheben, um ihrer eigenen Politik Nachdruck zu verleihen. 

Letztlich war es im Interesse beider Zentralbanken, den Mindestkurs aufzuheben. Bloss war die Art und Weise, wie es geschah, katastrophal...

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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