Investieren: Kennen Sie die Oscar-Strategie?

Anleger können auch mit Filmgesellschaften Geld verdienen oder verlieren. Die Oscar-Verleihung spielt dabei eine zentrale Rolle als Indikator für cinephile Investoren.

Von Laurent Bakhtiari, Marktanalyst bei der IG Bank

Die kürzliche, 87. Oscar-Verleihung war nicht besonders ereignisreich; es war auch kaum eine Überraschung, dass schliesslich der Oscar 2015 für den «Besten Film» und die «Beste Regie» an den mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu für seinen Film «Birdman» ging.

Der Gewinner war schon lange vorher von den Experten, zahlreichen Internet-Algorithmen und Buchmachern vorhergesagt worden. Wir können aber jenseits dieser Ergebnisse einen wachsenden Trend ausmachen: Es werden immer weniger hochbudgetierte und von grossen Filmproduktionsgesellschaften aufwändig produzierte Filme ausgezeichnet.

Bescheidene Budgets

Bis vor zehn Jahren war das noch anders, etwa mit «Lord of the Rings», «Titanic», «Gladiator» und «Chicago». Heute ehren die Oscars kleinere Independent- und/oder ausländische Filme, wie «Crash», «Slumdog Millionaire», «The Artist» oder eben «Birdman», ein Film, der mit einem bescheidenen Budget von 18 Millionen Dollar gedreht wurde.

Natürlich macht sich bei den Sieger-Filmen auch der altbekannte «Oscar-Effekt» bemerkbar: Der Gewinn einer solch angesehenen Auszeichnung verhilft in der Regel zu einem deutlich grösseren Publikum; gute Beispiele dafür sind «The Artist» oder «12 Years a Slave». Das hat natürlich auch einen Anstieg der Filmeinnahmen zur Folge, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Tatsächlich ist ein Oscar-Gewinn noch lange keine Garantie für einen extremen Gewinn.

Eher unberührt

Wenn wir uns die 20 finanziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten ansehen, gemessen an den Kinoeintritten, so haben gerade einmal zwei von ihnen den Oscar für den «Besten Film» erhalten.

Und wie stehen die grossen Filmhäuser dazu? Die meisten zeigen sich hiervon eher unberührt, wohl auch zu Recht: Tatsächlich haben «Hunger Games», «Captain America», «Transformers» und «The Hobbit» im vergangenen Jahr mehr als 750 Millionen Dollar eingespielt.

Nie eine reelle Chance

Zum Vergleich: «12 Years a Slave», ein Werk, das 2013 den Oscar für den «besten Film» gewann, erzielte 187 Millionen Dollar. Es scheint, als ob die grossen amerikanischen Studios zunehmend auf Comic-Verfilmungen oder Produktionen setzen, die nie eine reelle Chance auf den Oscar für «besten Film» haben, und dies wohl auch gar nicht zum Ziel haben. Doch welche Auswirkungen hat das für den Handel?

Viele Filmproduktions-Gesellschaften, einschliesslich 21st Century Fox, Disney, Gaumont, Time Warner, Dreamworks und CBS sind kotiert. So war es vor ein paar Jahren noch eine gängige Handelsstrategie vieler Anleger, die Aktien der Filmproduktionsgesellschaft des antizipierten Oscar-Gewinners zu kaufen und vermeintliche Verlierergesellschaften zu «shorten».

Im weiter im Voraus berechenbar

Investoren konnten dann ein paar Tage vor der Zeremonie oder direkt nach Bekanntgabe der Ergebnisse ihren Auftrag platzieren. In der Vergangenheit konnten wir deshalb in diesem Zeitraum oft eine gewisse Volatilität in diesen Aktien beobachten.

Heutzutage können die Ergebnisse immer weiter im Voraus berechnet werden, und die Gewinner finden sich, wie erwähnt, immer seltener im Dunstkreis der grossen Filmproduktionsgesellschaften. Deshalb scheint diese Handelsstrategie nicht mehr allzu viel Relevanz zu besitzen.

Langsam dreht sich der Wind wieder

Die kleinen Filmproduktionsgesellschaften sind nicht kotiert, weshalb eine Oscar-orientierte Investition für Anleger nicht mehr von Interesse ist. Heutzutage ist es deutlich sinnvoller, seine Anlage vor Erscheinen eines Blockbusters zu tätigen: So stieg die Time-Warner-Aktie in den ersten zwei Tagen nach Veröffentlichung von «The Hobbit: The Battle of the Five Armies» mehr als 5,5 Prozent.

Allerdings scheint sich der Wind langsam wieder zu drehen: Fox hat mittlerweile eine Filmproduktionsgesellschaft namens Fox Searchlight gegründet. Sie ist auf Produktion von Independent-Filmen und die Einführung ausländischer Filme spezialisiert.

Revival einer Strategie?

Somit könnte die Oscar-Strategie in naher Zukunft ein Revival feiern, sofern andere börsenkotierten Unternehmen ebenfalls darauf setzen...

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