Der Franken bald in alten Gefilden?

Nach dem Ende der Euro-Untergrenze wertete sich der Franken zu vielen Währung um bis zu 30 Prozent auf. Inzwischen hat er einen Grossteil dieser Stärke wieder eingebüsst – besonders zum Dollar.

Von Andreas Ruhlmann, Marktanalyst und Premium Client Manager bei der IG Bank

Seit etwa zwei Wochen hat der Franken seinen Abwärtstrend gestoppt. Der Grund liegt darin, dass die amerikanische Notenbank eine stärkere «dovishe» Meinung vertritt, als erwartet worden war. Das hat zu einem starken Rückgang im überkauften Dollar geführt.

Das Währungspaar Dollar/Franken ist daraufhin deutlich unter die Parität gefallen. Das wiederum führte zu einer Aufwertung des Franken gegenüber anderen wichtigen Währungen. Verstärkt wurde dieser Effekt durch die europäischen Aktienmärkte, die seit zehn Wochen wieder eine Handelswoche mit Kursverlusten beendeten.

Franken Bild 500

Die langfristigen Fundamentaldaten unterstützen eine weitere Abschwächung des Franken. Der jüngst eingeführte Negativzins von 0,75 Prozent macht die Währung unattraktiv. Die extreme Volatilität vom vergangenen Januar hat nachgelassen und zu einer Erhöhung der Liquidität in den Währungspaaren mit dem Franken geführt.

Was die Geschichte lehrt

Der Franken hat sich zu einem attraktiven Carry-Trade für institutionelle Anleger und Hedgefnds entwickelt, die den Franken leihen, Zinsen erhalten, und in risikoreiche Anlagen wie Aktien, Unternehmensanleihen oder Immobilien investieren. Darüber hinaus wird der Appetit für höhere Risiken durch das europäische Quantitative-Easing-Programm (QE) genährt, das mindestens bis September 2016 dauern wird.

Wenn uns die Geschichte etwas beigebracht hat dann, dass ein breitangelegtes QE wie in den USA und Japan sich langfristig positiv auf Aktien auswirkt. Daher erwarten wir, dass sich der Franken bis Ende des Jahres wieder auf ein Niveau abschwächt, wie vor Einführung der Untergrenze.

Eine Ausnahme

Warum sollte jemand den Franken mit einer negativen Zinsrate verkaufen wollen für eine andere Währung? Zum heutigen Tage besitzen mehr als 30 Prozent der europäischen Staatsanleihen einen Zinssatz, der sich unter der Nullmarke befindet, was weiterhin auf die Einheitswährung drücken sollte.

Darüber hinaus ist der Euro nicht immun gegen eine Verlängerung des QE-Programms der Europäischen Zentralbank. Des Weiteren hat das Währungspaar Euro/Franken auch die psychologische Barriere von 1.05 vor einigen Tagen durchbrochen.

Eine längere Deflation?

Auf der Schweizer Seite hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) vor kurzem die Schweizer Wachstumsprognose auf 0,75 Prozent für 2015 gesenkt und eine Deflation von 1,5 Prozent prognostiziert. Eine Deflation über einen längeren Zeitraum würde für die Schweizer Wirtschaft zu erheblichen Nachteilen führen.

Ein Problem, das die SNB wohl jetzt schon verfolgt und dies auch weiterhin tun wird – zum Beispiel durch weitere Zinssenkungen oder durch Käufe ausländischer Vermögenswerte.

Der Krieg ist nicht vorbei

Das Währungsverhältnis Euro/Franken wird daher Schwierigkeiten haben, einen klaren Trend zu finden, und wird wahrscheinlich in einem grösseren Bereich zwischen 1.00 und 1.10 pendeln. Mit anderen Worten: Der Krieg zwischen den beiden Währungen scheint noch lange nicht vorbei zu sein.

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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