Jim Leaviss: «Staatsanleihen sind nicht mehr attraktiv»

Angesichts der negativen Renditen bei einigen europäischen Staatsanleihen agiert Jim Leaviss beim Durationsrisiko vorsichtig. Derzeit favorisiert der Anlageexperte von M&G Obligationen im Investment-Grade-Segment sowie manche Hochzins-Anleihen.


Jim Leaviss ist Head of Retail Fixed Interest bei M&G Investments

Herr Leaviss, welches sind für Sie die aktuellen Marktthemen?

Die globalen Anleihenmärkte sind 2015 dynamisch gestartet. Die Renditen gaben auf allen Staatsanleihenmärkten nach und stürzten bei verschiedenen Bundesanleihen sogar in den negativen Bereich. Im Februar erholten sich die Renditen und erreichten in etwa wieder das Niveau von Ende 2014, da die Europäische Zentralbank (EZB) in diesem Monat ihr erweitertes Anleihen-Kaufprogramm startete und dadurch den Markt ankurbelte.

Neben der nun als Anleihen-Grosskäuferin agierenden EZB zeichnet sich der Markt durch ein eher überschaubares Angebot aus, was seine aktuelle Stärke unterstreicht.

Wird die EZB das gewünschte Ergebnis erreichen?

Geldpolitik funktioniert in der Regel mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung. Daher bin ich überzeugt, dass auch die aktuellen Massnahmen der EZB funktionieren werden. Man kann hinterfragen, in welchem Umfang sie zur Konjunkturverbesserung beitragen. Aber die Erfahrungen haben weltweit gezeigt, dass mit einer quantitativen Lockerung durchaus die erwünschten Ziele erreicht werden können.


«Banken werden zur Kreditvergabe angeregt»


In der Eurozone dürften diese geldpolitischen Massnahmen allerdings eine schwächere Wirkung entfalten, weil beim Start des Programms bereits ein sehr niedriges Zinsniveau herrschte. Allerdings regt die EZB den Bankensektor so zur Kreditvergabe an, was für Wachstum in der Region sorgen dürfte.

Wie haben Sie das Portfolio angepasst?

Gegen Anfang des vierten Quartals 2014 habe ich mit einem selektiven Ansatz verhältnismässig attraktivere Titel im High-Yield-Bereich gefunden, als sich einzelne Bereiche dieser Assetklasse unterdurchschnittlich entwickelten. Wichtig bezüglich der weiteren Entwicklung ist, dass die Nachfrage nach hochverzinslichen Anleihen durch die quantitativen Lockerungspakete der EZB und der Bank of Japan unterstützt werden dürfte.


«Es gibt gute Chancen im Energiesektor»


Zu meinen favorisierten Investmentbereichen gehört das wachsende Marktsegment der variabel verzinslichen Hochzinsanleihen (Floating Rate Notes). Darüber hinaus haben sich unter US-Hochzins-Anleihen des Energiesektors seit Anfang dieses Jahres gute Investmentchancen eröffnet, da sich diese Assets auf Grund des gesunkenen Ölpreises unterdurchschnittlich entwickelt haben.

Wie stark sind Unternehmensanleihen in Ihrem Portfolio gewichtet?

Ende Februar war der Fonds zu rund 60 Prozent in Investment-Grade- und hochverzinslichen Unternehmensanleihen investiert. Nachdem Hochzinsanleihen Ende 2014 gegenüber einer neutralen Position untergewichtet waren, wurde diese Assetklasse durch die Käufe in etwa auf eine neutrale Gewichtung von rund 17 Prozent gebracht.


«Ich habe die Duration reduziert»


Investment-Grade-Anleihen waren das ganze letzte Jahr über sowie auch im bisherigen Jahresverlauf gegenüber einer neutralen Position übergewichtet. Im Investment-Grade-Segment habe ich das Engagement um die erwähnten Floating Rate Notes erweitert und auch unter konventionellen US-Unternehmensanleihen Wertschöpfungsmöglichkeiten gefunden.

Was haben Sie punkto Durationsmanagement unternommen?

Nach der Aufwärtsentwicklung im vergangenen Jahr sind Staatsanleihen meiner Ansicht nach nicht mehr attraktiv. Vor dem Hintergrund der Aufwärtsentwicklung der Renditen im zweiten Halbjahr 2014 habe ich die Duration kontinuierlich reduziert und das Portfolio zum Jahresende auf eine gegenüber einer neutralen Position kurze Duration von 1,7 Jahren gebracht.


«Wir haben indexgebundene Engagements»


Zwischen Anfang 2015 und Ende Februar habe ich eine weitere Absenkung auf 1,4 Jahre vorgenommen. Die neutrale Position liegt demgegenüber bei rund sechs Jahren, was die enorme Durationsflexibilität des Fonds erkennen lässt.

Wir haben Bundesanleihen und US-Schatzanleihen reduziert und Engagements in indexgebundenen italienischen und spanischen Anleihen aufgebaut. Deren Break-even-Inflationsraten waren auf ein sehr niedriges Niveau gesunken, so dass diese Assets gegenüber konventionellen Anleihen attraktiv waren.

Staatsanleihen mit Indexbindung dürften zudem durch die von der EZB beabsichtige Aufnahme indexgebundener Wertpapiere in ihr quantitatives Lockerungsprogramm unterstützt werden.

Wie gehen Sie mit den Währungen um?

Ende des Monats war der Dollar mit 81 Prozent im Portfolio gewichtet und somit gegenüber einer neutralen Allokation nach wie vor deutlich übergewichtet. Der Euro war hingegen stark untergewichtet, da die europäische Einheitswährung angesichts der quantitativen Lockerungsmassnahmen nur schwache Aussichten hat.


«Long-Positionen in der dänischen Krone»


Die kleine Position im Franken wurde nach einem deutlichen Zuwachs nahezu aufgelöst. Die zweite Long-Position des Fonds betrifft die dänische Krone. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass sich die dänische Zentralbank gezwungen sehen könnte, ähnlich wie die Schweizerische Nationalbank die Wechselkursbindung an den Euro aufzugeben.

Kleine Short-Positionen hat der Fonds hingegen nach wie vor im australischen und im neuseeländischen Dollar, da diese Währungen empfindlicher auf die Wachstumsabkühlung in China reagieren könnten, sowie im Pfund.


Jim Leaviss ist Leiter des Bereichs Retail Fixed Interest für die Investmentfonds des Asset Managers M&G. Er stiess 1997 zum Unternehmen, nachdem er fünf Jahre bei der Bank of England tätig gewesen war. Leaviss betreut den M&G Global Macro Bond Fund sowie den M&G Gilt and Fixed Interest Income Fund. Ausserdem ist er Co-Manager der M&G Inflation Linked Corporate Bond Fonds.

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