US-Arbeitsmarkt: Zahlen hinterfragen

Die US-Wirtschaft rückt immer näher an den Punkt, an dem das niedrige Angebot an Arbeitskräften zu Lohnerhöhungen führt. Das zieht Inflation und Zinsschritte nach sich.

Von Richard Woolnough, Fondsmanager bei M&G Investments

Der US-Beschäftigungsbericht für April hat die Kontinuität der konjunkturellen Erholung betont. Gleichzeitig hat sich der Markt mittlerweile daran gewöhnt, die Schaffung von weniger als 200’000 Arbeitsplätzen als schwaches und von mehr als 300’000 als starkes Ergebnis zu betrachten.

Eine Zahl zwischen diesen beiden Eckpfeilern genügt, damit sich die Ökonomen einig sind, dass der Offenmarktausschuss (FOMC) sich zurückhält, das Wirtschaftswachstum angemessen ist, es keine Inflationsbedenken gibt und kurzfristig keine Zinserhöhungen zu erwarten sind. Dies erscheint mir aber ein wenig selbstgefällig.

Extrem  lockere Geldpolitik

Je mehr die Arbeitslosenquote sinkt, umso mehr nähert sich die US-Wirtschaft dem Punkt, an dem das niedrige Angebot an Arbeitskräften zu Lohnerhöhungen führt. Die Inflation erhält einen Schub nach oben, und der FOMC wird sich wahrscheinlich verpflichtet fühlen, seine extrem lockere Geldpolitik zu begrenzen und die Zinsen zu erhöhen.

Im theoretischen Extremfall der Vollbeschäftigung macht es keinen Sinn, sich auf die absoluten Beschäftigungszahlen zu konzentrieren. Es ist schlichtweg logisch, dass bei Vollbeschäftigung nur wenige neue Arbeitsplätze geschaffen werden, denn schliesslich gibt es keine verfügbaren Arbeitskräfte. Rund 100’000 oder weniger Arbeitslose in einer voll ausgelasteten US-Wirtschaft würden auf eine dynamische Wirtschaft unter Inflationsdruck deuten.

Wann die USA die Zinsen erhöhen

Zur Analyse der Arbeitsmärkte, wenn sie sich ihrer vollen Kapazität nähern, haben wir die Ratio neu geschaffener Arbeitsplätze als Prozentsatz der verfügbaren Arbeitskräfte verglichen. Wir wollen damit den Versuch machen, den Fokus von der Beschäftigtenzahl in den Schlagzeilen auf die wahre Anspannung an den Arbeitsmärkten umzuschichten.

Es wird deutlich, dass die Arbeitsmärkte so gemessen historisch sehr angespannt sind. Dies führt mich zu der Annahme, dass der Lohndruck stärker ist als der Marktkonsens. Präventive Massnahmen des FOMC sind erforderlich, bevor der Markt sie gegenwärtig erwartet (die Euro-Dollar-90-Day-Futures haben eine Zinserhöhung für Dezember eingepreist).

Ein kurzer Rückblick

Neben den historischen Fed-Raten sehen wir hier die Zinsantwort des FOMC auf die Arbeitsmarktdaten. Historisch hat der FOMC seine Geldpolitik immer dann angezogen (1986, 1993, 1999), wenn die Beschäftigungszahlen ausserhalb der Landwirtschaft als Prozentsatz der Arbeitslosenzahl um die 2 Prozent lagen.

In der Wirtschaftswissenschaft ist es einfach, sich auf absolute Zahlen zu konzentrieren. Man sollte sich allerdings stets tiefer in die Materie einarbeiten, um die relativen Aspekte zu analysieren.

Was machen die Anleihenmärkte?

Angesichts der Stärke der US-Wirtschaft würden mich ein stärkerer Lohnzuwachs, ein steigender Inflationsdruck und Massnahmen des FOMC nicht überraschen, auch wenn die Beschäftigungszahlen ausserhalb der Landwirtschaft absolut gesehen gering bleiben.

Ab einem bestimmten Punkt resultieren eine intensive Arbeitsplatzschaffung und niedrige Arbeitslosigkeit in höheren Löhnen. Die Anleihemärkte werden sich nicht unbeeindruckt zeigen.

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