Die Gründe für Südafrikas M&A-Boom

Im Schwellenländer-Universum nehmen südafrikanische Firmen seit einigen Jahren eine Sonderstellung ein. Robert Holmes, Senior Portfolio Manager bei NN Investment Partners, sagt, warum das so ist.

Robert Holmes ist Senior Portfolio Manager der NNIP Emerging-Markets-Equity-Boutique

Insgesamt ist das M&A-Geschäft in den Schwellenländern ebenso durchwachsen wie anderswo – mit einer Ausnahme: Südafrika hat sich in diesem Bereich als ausgesprochen erfolgreich erwiesen.

Viele der an der Johannesburg Stock Exchange (JSE) kotierten Unternehmen sind in den vergangenen Jahren durch Fusionen und Übernahmen erheblich gewachsen und konnten sich weltweit als multinationale Konzerne etablieren.

«Knick» bereitet Kopfzerbrechen

Obwohl dieser Prozess erst seit etwa einem Jahrzehnt richtig läuft, machen die Auslandserträge bereits 45 Prozent der Gewinne der JSE-Unternehmen aus. Dieser Anteil ist höher als etwa an den amerikanischen Börsen.

Dadurch lässt sich zum Teil auch die Diskrepanz zwischen dem problematischen volkswirtschaftlichen Rahmen einerseits und der Outperformance von mehr als 82 Prozent gegenüber dem MSCI World in den letzten zehn Jahren erklären. Dieser «Knick» bereitet Fondsmanagern oftmals Kopfzerbrechen.

Weitgehend isoliert

Wie haben es diese Unternehmen also geschafft, sich international zu positionieren, wenn das Land doch bis zu den ersten freien Wahlen 1994 international weitgehend isoliert war?

Zumindest im Bergbau-Sektor liegt die Erklärung auf der Hand, wenn man sich Unternehmen wie BHP Billiton oder Rio Tinto anschaut. Aber wie hat Naspers, ein südafrikanischer Medienkonzern, es geschafft, 48 Prozent von Tencent zu übernehmen? Und wie ist es Bidvest mit Sitz in Johannesburg, 1988 gegründet, gelungen, bereits jetzt rund um den Globus tätig zu sein?

Idealer Nährboden

Zunächst sind hier Geschichte und Kultur zu nennen. Südafrika ist wegen seiner engen Bindungen zu Grossbritannien und den Niederlanden – zwei traditionelle Handelsnationen – kein typisches Schwellenland. Neben ausgeprägtem Pioniergeist brachten die ersten europäischen Siedler vor allem auch akademische Standards und Rechtsysteme mit, die nunmehr international anerkannt sind.

Diese Kombination aus europäischem Know-how und den für Schwellenländer typischen Chancen erwies sich als idealer Nährboden für den aufkeimenden Unternehmergeist. Doch diese Faktoren schaffen lediglich einen günstigen Rahmen. Sie erklären nicht das Ausmass des Erfolgs.

Hier also die drei Faktoren, mit denen Südafrika sich deutlich von anderen Emerging Markets absetzt:

1. Höhere Hurdle-Rates (Mindestrenditen)

Südafrika mag zwar Weltklasse-Unternehmen haben, aber es ist immer noch ein Land, das sich mit den typischen Problemen einer aufstrebenden Volkswirtschaft herumschlägt, wie Dreifach-Defizite, politische und strukturelle Ineffizienzen sowie Energieengpässe. Hinzu kommt, da das Land während der Apartheid-Periode im Wesentlichen ein abgeschotteter Markt war und so oligopolistische Strukturen herausbildete.

Infolgedessen entstand ein recht profitabler Binnenmarkt. Als Ergebnis musste entweder die so genannte Hurdle-Rate bei Investments wirklich ausserordentlich attraktiv sein oder die Währung aufwerten. Jeder dieser Faktoren erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer vernünftigen Anlageentscheidung.

2. Kollaborativer Ansatz

Lokale Experten sind der Meinung, dass sich die M&A-Tätigkeit zunehmend nach Osten, also nach Asien und Australien, verlagert. Das liegt unter anderem am Mangel an interessanten Übernahmezielen in Afrika sowie am kollaborativen Ansatz, den südafrikanische Unternehmen bei ihrem M&A-Geschäft verfolgen.

Wie jeder bestätigen kann, der länger in Schwellenländern tätig war, ist ein Partner vor Ort, der sich mit den landestypischen Gegebenheiten, dem rechtlichen und politischen Rahmen auskennt, eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Der Versicherer Sanlam hat über 40 Transaktionen in ganz Afrika und Asien durchgeführt und verdankt seine Erfolge dabei dem Prinzip, auch Minderheitsaktionäre wie Grossaktionäre zu behandeln.

Damit bleibt Aktionären und Management der Zielgesellschaft ausreichend «Spielraum nach oben», und alle Beteiligten profitieren.

3. Längerfristiger Zeithorizont

Der Pharmahersteller Aspen, den NN IP langfristig in seinen Portfolios hält, verdeutlicht den letzten Faktor – den Zeithorizont. Unternehmen wird häufig ihre kurzfristige Ausrichtung vorgeworfen. Viele der Chefs südafrikanischer Unternehmen sind hingegen bereits seit langer Zeit im Amt.

Die beiden Top-Positionen bei Aspen sind immer noch mit den beiden Herren besetzt, die 1998 das Unternehmen gründeten. Eine solche Stabilität schafft eine solide Basis und eine langfristige Orientierung, ähnlich wie bei Familienunternehmen.

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