SFR und Bouygues: Zum Scheitern verurteilt

Vor gut einer Woche hat die Numericable-SFR-Gruppe dem Unternehmen Bouygues Telecom zehn Milliarden Euro für dessen Telekommunikationsabteilung angeboten. Eine merkwürdige Sache, findet Laurent Bakhtiari von der IG Bank.

Von Laurent Bakhtiari, Marktanalyst bei der IG Bank

Numericable-SFR gehört der Altice Gruppe, welche SFR im vergangenen Jahr für 17 Milliarden Euro gekauft hat. Und dies direkt unter den Augen von Bouygues Telecom, die die Telefongesellschaft ebenfalls kaufen wollte und dafür sogar vom französischen Staat unterstützt wurde.

Aber wird Altice es auch schaffen, Bouygues Telecom zu übernehmen?

Die Bewertung von Bouygues Telecom

Altice bereit, für Bouygues zehn Milliarden Euro zu bezahlen. Je nachdem wie wir diesen Wert einschätzen, scheint dies im Preis korrekt reflektiert zu sein. Das entspricht ungefähr 14,4 x EBITDA (die stärkste Bewertung im Telekommunikationssektor seit über zwei Jahren). Zum Vergleich dazu wird Orange zurzeit mit 13,7 x EBITDA und Iliad mit 10,1 x EBITDA bewertet.

Wenn wir die Marktkapitalisierung in Betracht ziehen, ist es die Firma Free (Teil der Iliad-Gruppe), die mit fast 10,5 Millionen Mobilfunkkunden in Frankreich eine vergleichbar Position hat, und diese wird an der Börse mit mehr als 13 Milliarden Euro bewertet.

Es ist auch zu erwähnen, dass Orange mit 22,4 Millionen Mobilfunkkunden in Frankreich zu 40 Milliarden Euro bewertet wird. Demzufolge könnte der Betrag dieser Transaktion noch steigen, was gar nicht so abwegig wäre.

Kann dieser Deal zu einem erfolgreichen Abschluss kommen?

Auf der Transaktionsebene wahrscheinlich. Bouygues hat kommuniziert, dass eine Verkaufsoption zurzeit nicht in Frage komme, aber sollte Altice das Angebot drastisch erhöhen, könnte sich das ändern.

Ohnehin wird die Zeit knapp: Denn Gerüchte besagen, dass der Altice-Chef Patrick Drahi schnell handeln wolle, weil er von den niedrigen Zinsen profitieren möchte. Zudem soll er offenbar befürchten, dass die Volatilität an den Finanzmärkten angesichts der griechischen Probleme noch zunimmt, was den Preis weiter erhöhen würde.

Andererseits haben die Banken BNP und J.P. Morgan die Finanzierung dieser Transaktion zugesichert – was allerdings neu ausgehandelt werden müsste, sollte Altice das Angebot neu formulieren.

Widerstand aus Brüssel

Doch das scheint verlorene Liebesmühe zu sein, da die zuständige EU-Kommissarin für Wettbewerb, Margrethe Vestager, dieser Fusion gar nicht zustimmen will. Sie hat bereits angekündigt, dass sie wegen der Welle von Fusionen im Telekommunikationssektor sehr streng sein werde. Und diese Fusion scheint angeblich den Wettbewerb zu behindern.

Auf der anderen Seite wird die französische Regierung wahrscheinlich alles tun, um diese Fusion zu verhindern, und zwar aus den folgenden Gründen:

  • Reduziert sich die Zahl der Anbieter von vier auf drei, würden potenziell die Preise zusammen mit dem Zorn der Franzosen steigen und damit wäre die Regierung noch unpopulärer.
  • Der zweite Grund betrifft die Frequenz-Auktion. Im Herbst 2015 wird eine Frequenz-Auktion stattfinden, die dem französischen Staat einen Gewinn von fast 2,5 Milliarden Euro bringen soll. Wenn es aber nur drei Spieler gibt, werden die Preise zwangsläufig sinken und demzufolge dem Staat weniger Gewinne bescheren.
  • Der letzte Grund ist wahrscheinlich der wichtigste für die Regierung: Die Fusion wird zu Entlassungen führen und für eine Regierung, welche die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit als Priorität betrachtet, ist eine solche Fusion alles andere als willkommen. Nach einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen im vergangenen Jahr beginnen sie nun, sich zu stabilisieren. In einer solchen Phase wäre ein neuerlicher Anstieg ganz schlecht.

Keine Zeit für opportunistische Fusionen

Zudem sagte französische Minister für Wirtschaft und Finanzen, Emmanuel Macron: «Das ist nicht die Zeit für opportunistische Fusionen.»

Daher denken wir, dass das Angebot wohl kaum in eine Fusion mündet, weil eine solche von den Behörden gar nicht akzeptiert würde.

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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