Wie soll man die jüngste Ölpreis-Entwicklung interpretieren?

Der Ölpreis ist in den vergangenen Tagen zunächst um 20 Prozent auf 48 Dollar je Barrel gestiegen. In der Folge hat er sich wieder abgeschwächt. Die IG Bank hat einige Gründe für diese Volatilität identifziert.

Von Laurent Bakhtiari, Marktanalyst bei der IG Bank

Ende August hat die OPEC, die etwa 40 Prozent des weltweiten Öls produziert, angekündigt, dass sie dazu bereit ist, mit anderen Exporteuren zu verhandeln, um «einen fairen und angemessenen Prei» zu erreichen. Bisher hat sich Saudi-Arabien, zur Stützung des Ölpreises, sich innerhalb der Organisation einem Rückgang der Produktion widersetzt.

Die Taktik Saudi-Arabiens ist klar: Das Land will ein koordiniertes Vorgehen auf internationaler Ebene erreichen. Die Saudis weigern sich, ihre Produktion zu senken und damit einhergehend ihre Marktanteile zu verlieren, während andere Hersteller profitieren, weil sie ihre Produktionen so belassen wie sie ist.

Russlands Kommentare

Aber es ist immer noch unwahrscheinlich, dass eine globale Vereinbarung erreicht wird, da eine ähnliche Initiative des algerischen Präsidenten Abd al-Aziz Bouteflika im vergangenen März scheiterte. Darüber hinaus würde eine derartige Vereinbarung den Wettbewerb deutlich behindern und damit die Preise noch stärker beeinflussen.

Ausserdem kamen weitere kleinere Ereignisse hinzu: Die jüngsten Kommentare Russlands zum Beispiel waren für viele Investoren ein Grund zur Hoffnung, und wahrscheinlich verstärkte auch dies den Anstieg. Russland hatte angekündigt, dass es bereit wäre, mit Venezuela zusammenzuarbeiten.

Ein Blick auf die Vorräte in den USA

Die Abwärtsrevision der US-Ölvorräte spielt auch eine Rolle bei diesem Anstieg. Hierdurch wurden die Märkte freundlich gestimmt, die an einen weiteren Rückgang des Angebots geglaubt hatten. Aber dies müsste nachhaltig langfristig so bleiben, und das ist im Moment nicht der Fall.

Dem Preisanstieg folgte ein Rückgang. Zurückzuführen ist er auf zwei Ereignisse: Erstens, die veröffentlichen Rohöl-Vorräte in den USA waren höher als noch am vergangenen Mittwoch erwartet worden war. Dadurch wurden die Preise zusätzlich unter Druck gesetzt.

Wichtige Fundamentaldaten

Zweitens kündigte der iranische Ölminister an, dass der Iran seine Produktion auf eine Million Barrel pro Tag erhöhen will, sobald die Sanktionen aufgehoben werden. Dies würde ein zusätzliches Angebot auf einer niedrige Nachfrage schaffe und somit automatisch zur Senkung der Preise führen.

Wir sind überzeugt, dass es sich hiermit nicht um einen nachhaltigen Wendepunkt handelt. Hierzu reicht es aus, sich die Fundamentaldaten anzusehen. Dieselben blieben konstant und befinden sich seit Juni 2014 im Abwärtstrend.

Rund 30 Dollar bis Ende Jahr

Natürlich kann es, wie in jedem Markt, zu temporären Börsenbewegungen kommen. Dies war auch von April bis Juni auf dem Ölmarkt der Fall. Dennoch darf man die globale Sicht nicht aus den Augen verlieren.

Wir glauben demnach, wie bereits im Januar angekündigt, dass ein Preis von 30 Dollar je Barrel am Rohölmarkt bis Ende des Jahres denkbar sein könnte.

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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