Die Schweizerische Nationalbank hat dieses Jahr schon 50 Milliarden Franken verloren

Weil die Schweizerische Nationalbank derzeit in der Verlustzone operiert, gehen die Kantone dieses Jahr leer aus. Mit anderen Worten: Sie werden keine Ausschüttung erhalten. Ist das problematisch?

Von Laurent Bakhtiari, Marktanalyst bei der IG Bank

Im ersten Halbjahr 2015 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) einen Verlust von 50,1 Milliarden Franken erlitten. Überraschenderweise waren alle Währungen und auch das Gold von diesem Verlust betroffen.

Dies ist auf die Aufhebung der Kurs-Untergrenze zurückzuführen, die eine Flutwelle auf dem Devisenmarkt auslöste. Zur Erinnerung: Der Schweizer Franken stieg innerhalb weniger Minuten um mehr als 20 Prozent gegenüber den wichtigsten Währung auf der Welt. 

Gedämpfte Erwartungen

Dies wiederum hatte negative Auswirkungen für die SNB, da sie unter anderem auch fremde Devisen besitzt. Fast 46 Prozent der SNB-Reserven waren zum Zeitpunkt der Aufhebung der Kursuntergrenze in Euro und nahezu 29 Prozent in Dollar. Nach dem Schock vom 15. Januar 2015 erholte sich der Dollar jedoch gegenüber dem Franken wieder.

Im März dämpfte jedoch die US-Notenbank die Erwartungen der Anleger, da sie den Zeitpunkt einer Zinserhöhung von Juni auf September oder Dezember verschob.

Kantone gehen leer aus

Demzufolge war der SNB-Verlust von mehr als 50 Milliarden Franken durchaus absehbar. Die einzige Überraschung betrifft das Gold (eine Anlageklasse ohne Ausschüttung von Dividenden oder Zinsen), das auch in diesem Zeitraum um mehr als 2 Prozent sank. Schlecht sieht es auch für die Kantone aus, die in der Regel von der SNB Geld bei einem positiven Geschäftsergebnis Geld erhalten, insbesondere dann, wenn dieser Topf nach der Gewinnverwendung 10 Milliarden Franken überschreitet.

Die Kantone gehen dieses Jahr leer aus. Sie erhalten keine Ausschüttung. Einige Kantone haben dies bereits entsprechend eingeplant und berücksichtigten, dass sie diese Zahlungen nicht in ihren Haushalten für dieses oder nächstes Jahr erhalten. Aber ist es problematisch, dass die Nationalbank einen solchen Verlust erlitten hat?

Keine normale Bank

Vor einigen Wochen hat die UBS eine Studie über die SNB veröffentlicht. Die UBS-Analysten schätzten, dass die Institution 50 Milliarden Franken in der ersten Hälfte des Jahres 2015 verlieren wird. Demzufolge würde sie nur 40 Milliarden Franken an Eigenkapital (nur 7 Prozent ihrer Bilanz) besitzen.

Dies mag auf den ersten Blick als wenig erscheinen – man darf dabei allerdings nicht ausser Acht lassen, dass es sich bei der SNB nicht um eine normale Bank handelt. Sie druckt ihre Banknoten selbst und kann ihr Eigenkapital durch Geldschöpfung in Folge des Notenmonopols aufbauen.

Interessant bei Deflation

Das Problem wäre gross gewesen, wenn die SNB Geld in Fremdwährung ausgeliehen hätte, wie es beispielsweise in anderen Ländern praktiziert wird. Dies ist insbesondere in einer deflationären Lage, wie wir es zurzeit in der Schweiz erleben, interessant.

Die Zentralbank kann Geld ausleihen oder drucken, ohne sich (zu viele) Sorgen über die Auswirkungen der Geldmenge zu machen. Die wirkliche Gefahr würde sich lediglich auf ihren Ruf und auf einer temporären Marktvolatilität beziehen.

Darüber hinaus hat die SNB bereits angekündigt, dass sie in einer negativen Eigenkapital Situation «immer noch ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllen» kann. Davon sind auch wir überzeugt.

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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