Aymo Brunetti: «Wir müssen Finanzmarkt-Regulierungen besser verstehen»

Die Ökonomen der Universität Bern und die Juristen der Universität Genf lancieren im April 2016 den berufsbegleitenden Lehrgang «Financial Regulation». Professor Aymo Brunetti erläutert sein Engagement dafür.

Studiendirektor ist Urs Zulauf, Head Client Tax Policy der Credit Suisse, Titularprofessor an der Universität Genf und ehemaliger General Counsel der FINMA. Mitinitiator ist Aymo Brunetti, Ökonomieprofessor an der Universität Bern und Präsident des Beirats «Zukunft Finanzplatz Schweiz».

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Herr Brunetti, wie beurteilen Sie den Stand der Schweizer Finanzmarktregulierung?

Sie befindet sich in einem grossen und beeindruckenden Umbau, der bei vielen Leuten Nervosität oder gar Furcht auslöst. Die Jahrhundertkrise im globalen Finanzgefüge und ihre langwierigen Folgekosten haben klar gemacht: Hier besteht deutlicher Anpassungsbedarf: Die Regulierung muss verbessert werden.

Vor dem Hintergrund dieser Regulierungswelle sind auch der Finanzplatz und die Finanzinstitute im Umbau. Insgesamt meistert der Schweizer Finanzsektor die grossen Herausforderungen gut, auch wenn es erhebliche Strukturanpassungen gibt und noch geben wird.

Wo liegt der Schwerpunkt in der Finanzmarktregulierung?

Die regulatorischen Grossbaustellen betreffen alle traditionellen Ziele der Finanzmarktregulierung: Gläubigerschutz, Anlegerschutz und Schutz der Systemstabilität. Beispiele sind hierzu die «Too-big-to-fail-Gesetzgebung, das Finanzdienstleistungsgesetz Fidleg oder das Finanzmarktinfrastrukturgesetz Finfrag.

«Erst recht fällt es schwer, die ökonomischen und rechtlichen Hintergründe zu verstehen»

Alle Regulierungsanpassungen sind auch international getrieben und ohne Kenntnis des globalen Hintergrundes nicht zu verstehen. Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Neben den unabdingbaren juristischen Kenntnissen benötigt man dazu auch ein ökonomisches Verständnis. Nur so lassen sich die Begründungen und die Auswirkungen der Regulierungen und ihrer jüngsten Entwicklungen kompetent einordnen und bewerten.

Warum engagieren Sie sich als Mitinitiatiant eines Lehrgangs zur Finanzmarktregulierung ?

Genau aus diesem Grund. Wir brauchen neben einer guten Finanzmarktregulierung auch bessere Kenntnisse darüber. Sogar Expertinnen und Experten in einzelnen Spezialbereichen des Finanzmarktes gelingt es kaum mehr, neben ihrer beruflichen Spezialisierung den Überblick über die Regulierungsentwicklung zu behalten.

Erst recht fällt es schwer, die globalen ökonomischen und rechtlichen Hintergründe zu verstehen. Deshalb unterstütze ich diese Initiative von Urs Zulauf und Luc Thévenoz, Rechtsprofessor an der Universität Genf

Was ist das Besondere an diesem Lehrgang?

Er bietet einen Überblick über die grossen aktuellen Themen der globalen und Schweizer Finanzmarktregulierung und zwar sowohl aus rechtlicher wie auch aus ökonomischer Sicht. So haben die verantwortlichen akademischen Dozierenden einen juristischen oder ökonomischen Hintergrund.

«Die Kursteilnehmer können sich in kleinen Gruppen austauschen»

Der Kurs schafft zudem einen klaren inhaltlichen Rahmen für hochrangige Gastreferentinnen und -referenten aus Behörden, Finanzinstituten und Beratungsunternehmen.

Die Kursteilnehmer erhalten Gelegenheit, sich in einer kleinen Gruppe mit diesen auszutauschen. Sie sollen persönlich erfahren können, was Verantwortungsträger umtreibt, und wie sie ticken. Das kann die Lektüre von Fachliteratur und Interviews alleine nicht liefern.

An wen richtet sich der Lehrgang?

Zielpublikum sind zum einen Fachspezialisten in Finanzinstituten und Behörden mit akademischer oder gleichwertiger Ausbildung und einigen Jahren Berufserfahrung. Zum andern richtet sich der Kurs an erfahrene Personen, die neu in Funktionen in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte kommen, wo sie vermehrt mit Regulierung und Regulatoren zu tun haben.

«Die Teilnehmer sollen auch die Akteure kennen und die Hintergründe verstehen»

Wir hoffen auf einen spannenden Austausch zwischen diesen beiden Zielgruppen. Dazu bietet der Lehrgang Gelegenheit, denn wir werden bewusst pro Kurs nur eine kleine Anzahl Teilnehmerinnen und Teilnehmer akzeptieren. Diese haben hohe Ansprüche und möchten ihren Fachhorizont erweitern. Sie wollen nicht nur die Regulierung an sich, sondern auch ihre Akteure kennen und die Hintergründe verstehen.

Warum ein Lehrgang in Bern und Genf?

Es besteht ein Bedarf für einen Ausbildungsgang, der für berufstätige Teilnehmende aus Genf, Lausanne, Basel, Bern und Zürich erreichbar ist und der gleichzeitig das Zentrum der Finanzmarktregulierung (Bern) und ein Zentrum des Finanzplatzes (Genf) einbindet.

«Ein Kurs auf Englisch fördert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt»

Zudem besteht sogar im Bank- und Finanzmilieu eine erhebliche kulturelle Differenz zwischen Zürich und Genf. Wir versuchen mit diesem Kurs deshalb auch, eine kleine Brücke über den Röstigraben zu schlagen. Natürlich sind uns auch Teilnehmende aus dem Tessin willkommen, auch wenn deren Anreiseweg lang ist.

Weshalb ein Lehrgang auf Englisch?

Man mag es beklagen, aber es ist ein Faktum: Ein zweisprachiger Kurs auf Deutsch und Französisch würde heute nicht mehr akzeptiert. Englisch ist nicht nur die Sprache der Finanz- und Wirtschaftswelt, sondern wird oder ist bereits auch die lingua franca in der Schweiz.

Damit fördert ein Kurs auf Englisch die Chancen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Arbeitsmarkt in der Schweiz und international.


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