Das Schicksal zweier Zentralbanken

Am 17. September entschieden zwei grosse Zentralbanken über ihre weitere Zinspolitik. Der Kontrast sei absolut verblüffend, findet Laurent Bakhtiari von der IG Bank.

Von Laurent Bakhtiari, Marktanalyst bei der IG Bank

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hielt keine Überraschungen bereit. Die Ökonomen waren sich einig, dass die Bandbreite bei einer Obergrenze von -1,25 Prozent und einer Untergrenze von -0,5 Prozent und der Leitzins bei 0,75 Prozent bleiben würde, und genau dies trat auch ein.

Die Kommentare der SNB hierzu sind jedoch äusserst interessant. Die SNB denkt vermutlich, dass es zu früh ist, um ihre Wachstumsprognose zu ändern und hält die Zinsen aus diesem Grund unverändert bei 1 Prozent für dieses Jahr.

Konservativ aber korrekt

Wir denken, dass es sich hierbei um eine eher konservative, dafür aber korrekte Entscheidung handelt. Die Sichtguthaben haben sich von 463,9 Milliarden Franken auf 464,3 Milliarden Franken kaum geändert (dies impliziert, dass die Nationalbank nicht in den Devisenmarkt eingegriffen hat).

Die Einzelhandelsumsätze und der Verbraucherpreisindex haben von -0,9 Prozent auf -0,1 Prozent respektive -0,6 Prozent auf -0,2 Prozent stark zugenommen. Die jüngste Entwicklung des Währungspaares Euro/Franken bringt frischen Wind in die Wirtschaft.

Ungelöstes Inflationsproblem

Doch es wäre verfrüht, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Zudem ist das Inflationsproblem bei weitem noch nicht gelöst. Auch wenn sich der Verbraucherpreis-Index verbessert hat, bleibt er weiterhin negativ.

Mehrere bekannte Faktoren sprechen gegen eine Erhöhung und scheinen auch kurzfristig nicht zu einer Verbesserung zu führen. Dazu gehören unter anderem der Niedergang des Ölpreises sowie die sich abschwächende Nachfrage aus Asien.

Zurück zu 1.20 Franken

Hierbei handelt es sich um ein ernstzunehmendes Problem, da es ohne eine Inflation auch keine Zinserhöhung geben wird. Aber es ist trotzdem interessant zu sehen, dass sich die Lage für die Schweizer Wirtschaft verbessert.

Wir glauben daher, dass der Euro-Franken-Kurs noch steigen wird. Selbst eine Rückkehr auf 1.20 Franken bis zum nächsten Jahr ist nicht ausgeschlossen ist. Zur Erinnerung: Das ist ein akzeptables Niveau für die SNB.

Unerwartete Entscheidung

Auf der anderen Seite des Atlantiks hat die amerikanische Notenbank (die Federal Reserve, Fed) eine eher unerwartete Entscheidung vollzogen. Die Ökonomen waren geteilter Meinung bezüglich einer Zinserhöhung im September, aber sie waren sich im Endeffekt trotzdem einig, dass die Zinsen im Jahr 2015 erhöht werden sollten.

Wir waren und sind ebenfalls der Ansicht, dass die Fed die Zinserhöhung noch leicht herauszögern sollte. Zurzeit sind die wirtschaftlichen Bedingungen einfach noch zu schwach: Die Reallöhne haben sich wenig verändert, und die Inflation ist noch weit von den erhofften 2 Prozent entfernt.

Falsches Bild

Im Hinblick auf die Löhne, ist die Arbeitslosenrate sehr niedrig (5,1 Prozent im August), und der Trend ist stark fallend. Dennoch wird diese Entwicklung durch eine grosse Anzahl an Teilzeitarbeitsplätzen behindert. Diese geben ein falsches Bild der Gesamtsituation wider.

Die Inflation ist weiterhin schwach auf Grund der Rohstoffpreise, gerade auch auf Grund der Tatsache, dass die Löhne nur sehr gering stiegen (um 2 Prozent im Jahresvergleich). Daher sind wir der Meinung, dass diese Faktoren im Dezember – wenn die Erhöhung des Leitzinses um einem Viertelpunkt wahrscheinlich wird – erneut überprüft werden sollten.

Geduld ist eine Tugend

Allerdings müssen wir auch bedenken, dass ein vorzeitiger Zinsanstieg schwerwiegende wirtschaftliche Probleme mit sich bringt und erst noch Marktturbulenzen verursachen kann.

Die EU hat 2011 und Schweden 2010 hierfür gute Beispiele geliefert. Sie mussten ihre Zinsen senken und ausserordentliche monetäre Expansionsprogramme einführen. Im Bereich der Geldpolitik lohnt es sich also, keine Kurzschlüsse zu ziehen. Geduld ist vielmehr eine Tugend.

 

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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