IG Bank: Wann ist die Zeit reif für die nächsten Börsengänge in der Schweiz?

Foto: Symetis

Im Gegensatz zu den zahlreichen Fusionen und Firmenübernahmen, die derzeit für Furore sorgen, ist bei den Börsengängen die Luft raus. Für wie lange noch? 

Von Laurent Bakhtiari, Marktanalyst bei der IG Bank

Ende September 2015 kündigte das Waadtländer Medtech-Unternehmen Symetis an, «bis auf weiteres» seinen geplanten Börsengang (Initial Public Offering, IPO) zu verschieben.

Die Gesellschaft berief sich bei ihren Entscheid auf «ungünstige Marktbedingungen» und zuletzt sogar «schreckliche letzte Wochen».

Ein schlechtes Signal

Wir können diese Entscheidung verstehen. Denn wenn ein Unternehmen seine Visibilität erhöhen und seine Bilanz verstärken möchte, sendet ein gescheiterter Börsengang tatsächlich ein negatives Signal aus – sowohl in Bezug aufs Image als auch auf die Finanzlage. Und das ist selbstverständlich nicht förderlich. Zudem profitiert ein Unternehmen angesichts eines sinkenden Aktienkurses am Ende nicht von seinem Börsengang. 

Betrachten wir den Swiss Market Index (SMI), so sehen wir, dass er seit August mehr als 11 Prozent an Terrain eingebüsst hat. Die Bewertungen in allen Bereichen sind deutlich gefallen und das hat auch die Pläne von Symetis durchkreuzt.

Weltweiter Trend

Die Verschiebung des Börsengangs dieser Firma ist derzeit jedoch kein Einzelfall. Weltweit haben knapp ein Prozent aller Unternehmen die ein IPO geplant hatten, eine Vertagung beantragt. Im Gegensatz zum Trend, den wir im Bereich der Fusionen und Übernahmen beobachten, verlieren Börsengänge (wieder) an Bedeutung; allein in den vergangenen zwölf Monaten gab es in der Schweiz laut Angaben der Nachrichtenagentur «Bloomberg» 20 Prozent weniger IPO.

Dieser Trend ist weltweit zu beobachten. Ausgenommen von Asien (+20,1 Prozent) ist die übrige Welt im besten Fall «flat» oder negativ (Europa +1,7 Prozent, Nordamerika -13,3 Prozent). Die Gründe hierfür sind vielfältig. Aber klar ist, dass die jüngste Korrektur an der Börse die Stimmung unter den IPO-Kandidaten eingetrübt hat.

Deutliche Schwächephase

In diesem Jahr stand das Schweizer Fenster für Börsengänge ohnehin nie gross offen. Das letzte grosse IPO war jenes von Sunrise; der Telekommunikationskonzern öffente sich dem Pubikum im vergangenen Januar. Der bislang letzte Börsengang im Bereich der Medizinaltechnik datiert aus dem Jahre 2004 mit der Firma Ypsomed.

Die Weltwirtschaft durchmacht derzeit eine deutliche Schwächephase. Die Börse in China sorgte im vergangenen August für allerhand Negativ-Schlagzeilen, danach wurde der Automobilsektor durch den Volkswagen-Affäre in Sippenhaft genommen, die Europäische Zentralbank (EZB) setzt mit ihrer Geldpolitik ihre quantitativen Lockerungsmassnahmen fort, und die Lage US-Arbeitsmarkt bleibt undurchschaubar.

Weit entfernt

Die Schweiz wiederum ist keine Insel und direkt oder indirekt ebenfalls von der Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation betroffen. Die hiesige Börse ist das beste Spiegelbild dafür. Zudem ist der Franken weiterhin sehr stark, was das Wachstum der Schweizer Wirtschaft beeinträchtigt. 

Das alles trübt die Stimmung an den Finanzmärkten. Ganz im Gegensatz zu den Fusionen und Übernahmen, die von niedrigen Bewertungen profitieren, benötigen Börsengänge eine nachhaltige Aufwertung der Märkte. Und im Moment sind wir weit davon entfernt.

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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