UBS und Credit Suisse: Zum Warten verurteilt

Eine Erhöhung der Eigenkapital-Quote hätte auf das Ergebnis der Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse dramatische Folgen, wie Laurent Bakhtiari, Analyst bei der IG Bank, feststellt.

Von Laurent Bakhtiari, Marktanalyst bei der IG Bank

Vergangene Woche kolportierte die internationale Nachrichtenagentur «Bloomberg» die Nachricht, wonach das Eidgenössische Finanzdepartement die grössten Schweizer Banken auffordern werde, eine Eigenkapitalquote von 5 Prozent ihrer Aktiva aufzubauen. Zurzeit liegt die Höchst-Verschuldungsquote (Leverage Ratio) bei der UBS und der Credit Suisse bei 3,6 Prozent respektive 3,7 Prozent.

Wenn sich dies bewahrheitet, was derzeit noch unklar ist, hätte dies dramatische Folgen auf das Ergebnis der beiden Schweizer Riesen. So hat UBS-Konzernchef Sergio Ermotti unlängst erklärt, dass ein Anstieg um 1 Prozentpunkt sein Unternehmen eine Milliarde Franken mehr pro Jahr kosten würde. Diese Zahl sollte jedoch eher als Provokation interpretiert werden denn als genau ermittelten Betrag.

Zwei Möglichkeiten

Kurzfristig kann dies durchaus zutreffen. Dennoch wäre es zu einfach, sich mittelfristig auf diese Zahl zu stützen. Die Gründe dafür sind leicht nachzuvollziehen: Die Höchst-Verschuldungsquote ist das «Tier-1-Capital» (Aktien und Reserven eines Unternehmens) geteilt durch die gesamten Aktiva.

Daher gibt es nur zwei Möglichkeiten diese Quote zu erhöhen: entweder das «Tier-1-Capital» erhöhen oder die Bilanzsumme verkleinern. Die erste Lösung ist die einfachste für die Banken, und es gibt Gerüchte, wonach die Credit Suisse dazu bereit wäre, diese Lösung zu implementieren. Allerdings sollten wir uns fragen, ob eine solche Kapitalerhöhung der Credit Suisse ausreichend wäre?

Unterschiede beachten

Allerdings weist das Problem zwei Seiten auf. Zunächst, wie Sergio Ermotti zutreffend beschrieben hat, basieren diese Regelungen (das Niveau der Quote, die Berechnung) auf die Vorgehensweise in den Vereinigten Staaten. Die Schweiz und die Vereinigten Staaten sind jedoch grundlegend unterschiedlich.

Unserer Meinung nach sollten verschiedene Massnahmen von Land zu Land beschlossen werden, da zu viele Unterschiede zwischen diesen Ländern bestehen. Schweizer Banken sind deutlich kleiner als die amerikanischen (in Bezug auf die Marktkapitalisierung, die Bewertung) und können darüber hinaus das Risiko von Darlehen durch Verbriefung nicht so leicht übertragen (der US-Markt ist diesbezüglich um einiges grösser als der schweizerische).

Handlungsbedarf gegeben

Auf der anderen Seite ist das Systemrisiko nicht unerheblich in der Schweiz. Die Vermögenswerte der beiden Schweizer Riesen sind etwa dreimal so gross wie das Schweizer Bruttoinlandprodukt (rund 170 Prozent für die UBS und 150 Prozent für die Credit Suisse). Nur die Danske Bank hat eine höhere Rate. Dies stellt ein deutliches systemisches Risiko dar, und die Schweiz ist sich dessen bewusst.

Auch die Märkte sind sich darüber im Klaren. Die Rettung der UBS im Jahr 2008 ist auch den Schweizer Behörden dermassen in Erinnerung geblieben, dass sie eine solche Notaktion nicht nochmals durchmachen möchte. Wir können dies verstehen und sind der Meinung, dass die Schweiz entsprechend handeln sollte.

Allerdings wäre eine deutliche Erhöhung der «Leverage Ratio» schädlich für die beiden Banken wie auch für die Wirtschaft. Solche Massnahmen sollten nach und nach durchgeführt werden.

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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