Apple versteckt sich hinter einem Tarnmantel

Die US-Technologiefirma Apple hat sehr gut Jahreszahlen präsentiert. Doch dahinter verbirgt sich eine zweite Realität, wie Laurent Bakhtiari, Analyst bei der IG Bank, feststellt.

Von Laurent Bakhtiari, Marktanalyst bei der IG Bank

Unlängst veröffentlichte der amerikanische Technologiekonzern Apple sein Jahresergebnis für das vergangene Geschäftsjahr, und dieses war absolut aussergewöhnlich. Der Nettogewinn stieg um 35 Prozent auf 53,4 Milliarden Dollar, und Firmenchef Tim Cook sprach vom «stärksten absoluten Wachstum, das je verzeichnet wurde».

Im letzten Quartal betrug der Nettogewinn mehr als 11 Milliarden Dollar und stieg damit um mehr als 31 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Wie bereits erwähnt, sind diese Zahlen und Zuwachsraten aussergewöhnlich, aber bei genauerem Hinsehen erkennt man eine zweite Realität.

Aushängeschild als Risiko

In diesen erfreulichen Zahlen verbergen sich verschiedene Elemente, die uns vorsichtig werden lassen. Zunächst macht das iPhone mehr als 62 Prozent des Konzernumsatzes aus und einen noch grösseren Anteil am Gewinn. Das Mobiltelefon ist das Aushängeschild der Gruppe, und Apple fördert dieses kontinuierlich.

Es kann sehr gefährlich sein, sich vornehmlich auf ein einziges Produkt zu konzentrieren. Gerade in der Telekommunikation finden Veränderungen extrem schnell statt. Zur Erinnerung, vor fünf Jahren war Nokia der Marktführer bezüglich der Mobiltelefon-Verkäufe. Jedoch wurde der Mobiltelefonie-Bereich des finnischen Unternehmens an Microsoft veräussert. Seither ist der Markenname «Nokia» nicht mehr auf den Mobilgeräten zu lesen.

Schwaches iPad

Ein weiterer negativer Punkt ist der schwache Verkauf des iPads im Vergleich zum letzten Quartal (9,9 Millionenen gegenüber 10,9 Millionen). Dies ist der siebte Monat in Folge, der sinkende Verkaufszahlen verzeichnet. Es ist auch das zweite Quartal in Folge, in dem die Gruppe keine Neuigkeiten bezüglich der Apple Watch kommuniziert.

Das Unternehmen hat lediglich die Zahl von 6,5 Millionen Nutzer für Apple Music vermeldet, jedoch keine Zahlen für Apple Pay genannt. Apple TV wird in diesem Quartal gestartet. Die Lancierung von vielen verschiedenen Produkten zeigt, dass Apple sich seiner Abhängigkeit vom iPhone bewusst ist und versucht, zu diversifizieren. Aber zurzeit gelingt dies nicht.

Wer wechselt wohin?

Das vierte Quartal des Jahres ist aus historischer Sicht ein lukratives Quartal für Smartphone-Verkäufe (Weihnachten und Neujahr). Demzufolge sollte Apple sich um das Erreichen seiner Ziele im nächsten Quartal keine Sorgen machen. Allerdings wird es ab Januar interessant zu beobachten, wie sich die Lage des Unternehmens entwickeln wird.

Ein Hinweis: Apple hat angekündigt, dass 30 Prozent der iPhone-Käufer im letzten Quartal ehemalige Android-Kunden waren. Jedoch es ist unklar, wie viele ehemalige iPhone-Kunden im gleichen Zeitraum zu Android gewechselt haben...

 

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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