Paul Brain: «Die zweite Jahreshälfte bereitet uns einige Sorgen»

Paul Brain, Head of Fixed Income, Newton (BNY Mellon)

Paul Brain, Head of Fixed Income, Newton (BNY Mellon)

Eine Kombination aus verschärften Kreditbestimmungen und einer geringeren Konsumnachfrage könnte die US-Wirtschaft verlangsamen, befürchtet Paul Brain, Head of Fixed Income bei Newton (BNY Mellon).


Herr Brain, wie schätzen Sie die Marktsituation ein?

Vor ein paar Wochen waren die Märkte sehr nervös, weil Befürchtungen hinsichtlich Risikoaktiven bestanden und die Frage aufkam, ob vielleicht unter der Oberfläche der Finanzmärkte eine Gefahr lauere. Hauptopfer dieser Befürchtungen waren die europäischen Bankaktien.

Dank der US-Wirtschaftsdaten, die besser ausfielen als erwartet, und Notenbanken, die vermehrt Massnahmen ergreifen wollen (China und Europa), erholten sich die Risikoaktiva aber merklich. Das Wachstum ist zurück, zwar nicht so stark, dass es Ängste vor einer Zinsstraffung auslöste, aber doch stark genug, um Rezessionsängste abzuwehren.

Wird dieses Szenario von Dauer sein?

Womöglich nicht. Die gegenwärtigen Auswirkungen von Bonitätsverschlechterungen und Ausfällen dürften den Anleihenmarkt beunruhigen. Im Hinblick auf Aktien sind es vor allem sinkende Gewinne und weniger Liquidität für Dividenden und Aktien-Rückkäufe, was Sorgen bereitet.

«Der Rohstoff-Handel ist in erster Linie eine Geschichte der Überversorgung»

Für das Wirtschaftswachstum haben wir Bedenken für die zweite Jahreshälfte, weil eine Kombination aus verschärften Kreditbestimmungen und einer weniger robusten Konsumnachfrage die amerikanische Wirtschaft verlangsamen und die Richtung der US-Zinsen verändern könnte.

Der niedrige Ölpreis bleibt auch 2016 ein Thema. Gibt es Hoffnungen auf einen schnellen Abbau des Überangebots?

Die positive Nachricht bezüglich des Rohstoff-Sektors ist, dass man Vorräte aufbrauchen kann. Und falls Unternehmen Pleite gehen, stellen sie die Produktion ein. Der Rohstoff-Handel ist nämlich in erster Linie eine Geschichte der Überversorgung.

«Es sind die USA, welche die Anleihenpreise in allen anderen Märkten bestimmen»

Die einst hohen Ölpreise führten dazu, dass das US-Schiefergas dank technologischer Neuerungen zu einer Alternative wurde. Damit stieg zwar die Nachfrage, aber das Angebot wuchs noch stärker. Dieses Jahr sind wir guter Hoffnung, dass sich das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wieder einpendeln wird.

Es ist gut möglich, dass wir auf Seiten der Rohstoff-Preise Ende 2016 einen positiven Inflationseffekt sehen werden, und zwar nicht, weil die Preise steigen, sondern weil sie nicht weiter fallen.

Die US-Notenbank bereitete in ihrer März-Sitzung auf zwei Zinsschritte 2016 vor. Welche Auswirkungen erwarten Sie?

Die Aktivitäten der amerikanischen Notenbank werden die Anleihenmärkte zweifellos beeinflussen. Die USA haben den grössten Anleihenmarkt der Welt, und es ist der US-Markt, der die Preise in allen anderen Märkten bestimmt.

«Weitere Zinserhöhungen in den USA werden moderat ausfallen«

Jetzt, da die US-Notenbank begonnen hat, die Zinsen zu erhöhen, erscheint es als sehr wahrscheinlich, dass sie den Trend fortsetzen wird. Die Tatsache, dass der Wirtschaftszyklus in die Jahre gekommen ist und wir erhebliche Probleme im Energiesektor erleben, wird die Investitionen jedoch verlangsamen.

Wenn der Konsument seinen Lohn und die unverhofften Energie-Gewinne aufgebraucht hat, könnte sich die US-Wirtschaft erneut verlangsamen. Das legt nahe, dass weitere Zinserhöhungen moderat ausfallen könnten und Mitte Jahr der Höhepunkt erreicht ist.

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