Sigi Böttinger: «Es könnte noch ungemütlicher werden»

(Bild Shutterstock)

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Im aktuellen Tief- oder gar Negativzins-Umfeld wird es immer schwieriger, mit festverzinslichen Anlagen Erfolg zu haben. Sigi Böttinger, Fixed-Income-Spezialist bei Pilatus Partners, verrät im Interview, wie man trotzdem positive Renditen erzielt.


Herr Böttinger, die Geldmarkt-Zinsen in der Schweiz und in Euroland befinden sich im negativen Bereich. Wie geht es in den nächsten zwölf Monaten damit weiter?

Tatsächlich notieren die 3-Monats-Liborsätze für Franken- und Euro-Anlagen bei minus 0,75 Prozent respektive minus 0,25 Prozent. Das ist zweifelsohne für viele Anleger höchst unerfreulich. Es könnte allerdings noch ungemütlicher werden.

Wie kommen Sie darauf?

Ein Blick auf die Terminmarkt-Kurven – abgeleitet aus den implizierten Leitzins-Forward-Rates – zeigt, dass die Anleger für beide Märkte nochmals tiefere Sätze erwarten – sprich eine weitere Zinssenkung durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die Europäische Zentralbank (EZB). Eine signifikante Trendumkehr ist angesichts dieser Terminsätze mit Blick auf 24 Monate kaum zu erwarten.

Steigen im Gegensatz dazu die Zinsen in den USA?

Hoffnungsvoller sieht es tatsächlich in den Vereinigten Staaten aus, wo die amerikanische Notenbank (Federal Reserve, Fed) nach sieben Jahren der «Nullzins-Politik» am 16. Dezember 2015 eine erste, zaghafte Zinserhöhung vornahm. Aber auch hier wird der Zinszyklus, wie wir ihn in früheren nach-rezessiven Phasen beobachtet haben, ausbleiben.

Warum?

Im Dezember 2015 hat die Fed vier weitere Zinserhöhungen im laufenden Jahr in Aussicht gestellt, diese aber angesichts der enttäuschenden Konjunkturdaten immer wieder zurückgestellt.

«Vermutlich wird es im laufenden Jahr nicht einmal mehr einen einzigen Zinsschritt geben»

Inzwischen gehen die Zentralbank-Verantwortlichen nur noch von höchstens zwei Zinsschritten aus. Wenn wir allerdings auch hier die Terminsätze (abgeleitet aus den Fed Fund Futures) als Grundlage nehmen, wird es im laufenden Jahr nicht einmal mehr einen einzigen Zinsschritt geben.

Warum führt die expansive Geldpolitik verschiedener Notenbanken nicht zu einer Hyperinflation?

Die Notenbanken der westlichen Industrie-Staaten sind gegenwärtig mit dem Problem konfrontiert, dass das allgemein gedrückte Preisniveau die Gefahr einer Deflation verschärft, was vor allem für die europäische Region zutrifft. So liegen die aktuellen Teuerungsraten auf Jahresbasis in der Schweiz bei -0,9 Prozent, in Euroland bei 0 Prozent und in den USA bei lediglich 0,9 Prozent, während in Japan in den vergangenen zwanzig Jahren die durchschnittliche Inflation bei -0,1 Prozent lag.

Worauf führen Sie diese Preisentwicklung zurück?

Ein wesentlicher Grund dürfte in den so genannten «Output-Gaps» liegen, die sich seit der Finanzkrise von 2008 noch bei weitem nicht geschlossen haben, wie man beispielsweise den Berechnungen der OECD entnehmen kann. Was die Zentralbank-Verantwortlichen allerdings noch mehr beschäftigt, ist der Trend in den Inflationserwartungen. So liegen im Moment die 10-jährigen «Break-Even»-Raten für Deutschland bei lediglich 1,04 Prozent.

Was heisst das?

Für Deutschland erwarten die Fachleute über die nächsten zehn Jahre eine Inflationsrate von lediglich 1,04 Prozent per annum. Dieser Wert liegt deutlich unter der angestrebten Zielmarke der EZB, die im Schnitt 2 Prozent anstrebt. Die Notenbanken versuchen zwar durch ihre sehr expansiven Massnahmen, realwirtschaftliche Impulse zu geben. Doch der Erfolg lässt auf sich warten.

«Man hat überwiegend virtuelles Geld geschaffen»

In der Schweiz und in Euroland steigt zwar die Geldbasis im zweistelligen Bereich. Doch bislang hatte dies kaum Einfluss auf die nachfragerelevanten und breiter gefassten Geldmengen-Aggregate M3.

Was schliessen Sie daraus?

Man hat überwiegend virtuelles Geld geschaffen, das zwischen den Notenbanken und den Geschäftsbanken zirkuliert. Der lehrbuchmässige Transmissions-Mechanismus funktioniert dagegen nicht. Das lässt sich auch am sehr enttäuschenden Wachstum der Bankkredite an Unternehmen und Konsumenten ablesen.

Wie können Anleger im aktuellen Umfeld überhaupt noch eine positive Rendite im festverzinslichen Bereich erzielen?

Derzeit ist es für Fixed-Income-Investoren tatsächlich schwierig, vernünftige nominelle Renditen zu erwirtschaften – insbesondere wenn sie gezwungen sind, in Staatspapiere zu investieren. Schweizerische und deutsche Staatsobligationen rentieren mit Laufzeiten bis 15 respektive 8 Jahren negativ.

Eine «Buy-and-hold»-Strategie bis Verfall vernichtet in diesem Fall nur Geld. Daher halten wir keine Papiere aus diesem Segment, sondern investieren in ein breit diversifiziertes Unternehmensportfolio, das auch staatliche oder quasi-staatliche Emittenten aus aufstrebenden Märkten einbezieht.

«Mit dieser Kompetenz als Grundlage ist Pilatus Partners 2013 entstanden.»

So generieren wir aktuell eine positive Rendite auf unseren Portfolios. Dabei halten wir die Duration mit drei bis vier Jahren tief und tragen so dem sehr geringen Renditeniveau und der erhöhten Volatilität am langen Ende der Zinskurve Rechnung.

Woher nehmen Sie die Expertise für Ihre Anlagestrategie?

Ich blicke auf eine mehr als 20-jährige Erfahrung im Management von festverzinslichen Anlagen zurück. Die übrigen Mitglieder der Geschäftsleitung von Pilatus Partners waren bei verschiedenen, namhaften Banken respektive Vermögensverwaltern tätig und betreuten dort anspruchsvolle Privatpersonen wie auch Family Offices und andere institutionelle Anleger. Mit dieser Kompetenz als Grundlage ist Pilatus Partners 2013 entstanden.

Wie hat sich ihre Anlagestrategie im laufenden Jahr entwickelt?

Wir haben einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont, bei dem wir unsere Investments über einen Zyklus von fünf bis sieben Jahren halten. Zu Beginn des Jahres erstellten wir für die drei Währungsblöcke Franken, Euro und Dollar Ertragsprognose, die auf Grund der damals herrschenden Renditeniveaus entsprechend bescheiden waren.

Die aktuellen Resultate haben die Anfang 2016 formulierten Ertragserwartungen bereits klar übertroffen. Konkret: Unsere drei Pilatus Invest Income Fonds erzielten seit Jahresbeginn bis Ende April eine Performance von 1,54 Prozent in Franken, 2,71 Prozent in Euro sowie gar 2,95 Prozent in Dollar.


Pilatus Partners ist eine der Finma direkt unterstellte Finanz-Boutique mit Sitz in Zürich, die sich auf das Management von festverzinslichen Anlagen und deren Umsetzung durch Direktanlagen konzentriert. Neben Family Offices zählen institutionelle Anleger und Vermögensverwalter zur Kundschaft.


Zu Beachten: Investitionen in ein Produkt sollten nur nach gründlichem Studium des aktuellen Prospekts erfolgen. Fondsanteile können in verschiedenen Gerichtsbarkeiten oder für gewisse Anlegergruppen ungeeignet oder unzulässig sein. Die genannten Informationen sind weder als Angebot noch als Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf zu verstehen. Die historische Performance stellt keinen Indikator für die laufende und zukünftige Performance dar. Die Performancedaten lassen die bei der Ausgabe und Rücknahme der Anteile erhobenen Kommissionen und Kosten unberücksichtigt. Die Angaben dienen ausschliesslich Informationszwecken. Quelle für sämtliche Daten: Pilatus Partners AG.

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