Schweizer Banken forcieren Industrialisierung

Deloitte

Die Schweizer Banken sind sich einig, dass sie ihr Geschäft industrialisieren müssen. Die potentiellen Einsparungen zwischen 20 bis 30 Prozent sind hoch – die kulturellen Hürden auch.

Von Patrik Spiller, Partner, und Stefan Bucherer, Senior Manager, Deloitte

Das Bankenbarometer der Schweizerischen Bankiervereinigung hat es kürzlich bekräftigt: An Herausforderungen mangelt es den Finanzinstituten in der Schweiz wahrlich nicht, auch wenn sie sich 2015 ganz gut geschlagen haben.

Was also haben die Schweizer Banken unternommen, um dem Margendruck zu begegnen?

Bisher vor allem kurzfristige, taktische Massnahmen. Allerdings ist dabei das Potential vielerorts ausgeschöpft und radikalere Methoden sind notwendig, um Kosten nachhaltig zu reduzieren und die Innovationskraft zu fördern.

Schweizer Geldhäuser setzen daher zunehmend auf Industrialisierung. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine kürzlich veröffentlichte Studie zur Industrialisierung im Banking von Deloitte und dem Institut für Finanzdienstleistungen (IFZ) der Hochschule Luzern.

Demnach erachten 88 Prozent der über 30 befragten Schweizer Banken Industrialisierung als geeigneten Weg, um Kosten zu senken und die Skalierbarkeit zu erhöhen. Immer noch zwei Drittel der Institute erwarten, dass die Industrialisierung auch die Innovationsgeschwindigkeit und den Kundenfokus erhöht.

Und der Grossteil der befragten Banken plant, den Grad der Industrialisierung innerhalb der nächsten fünf Jahre deutlich zu steigern.

Prozessdigitalisierung und Robotik im Fokus

Die Industrialisierung ist in Bezug auf fundamentale Stellhebel, wie der Standardisierung von Prozessen, am weitesten fortgeschritten. Allerdings fokussieren sich Banken bisher hauptsächlich auf die Bereiche Operations und IT.

In den nächsten fünf Jahren werden Initiativen zur Industrialisierung vermehrt auch auf andere Funktionen ausgeweitet, darunter auf Kerngeschäfte wie die Beratung sowie die Produktentwicklung und das Produktmanagement.

Vor allem bei der Rationalisierung von Produktpaletten und der Digitalisierung von Prozessen besteht Nachholbedarf hinsichtlich Industrialisierung. Keine der befragten Banken verfügt derzeit über voll digitalisierte Prozesse, allerdings streben dies zwei Drittel in den nächsten fünf Jahren an.

Bis dato haben Banken eher transaktionslastige Prozesse wie den Zahlungsverkehr und die Handelsabwicklung automatisiert, während kundennahe Tätigkeiten weitgehend ausgespart blieben. Mittelfristig werden auch Vorgänge wie Kontoeröffnungen, Beratung, Bewertung der Produkteignung und Kreditanträge automatisiert.

Kosteneinsparungen als Basis für Innovation

Was bringt die Industrialisierung den Banken? Ziel der Industrialisierung ist es, Redundanzen zu eliminieren, die Wertschöpfungskette neu zu definieren, Prozesse nach Möglichkeit zu automatisieren und den Gewinnbeitrag einzelner Aktivitäten transparenter zu machen. Viele dieser Prinzipien sind in anderen Wirtschaftszweigen längst Standard.

Der Kosten- und Innovationsdruck in der Bankenbranche erfordert nun auch von den Banken ein stärkeres Kostenbewusstsein. Die Schweizer Superbank könnte dabei ein Teil der Lösung sein, sofern sich der Schweizerische Bankenplatz dazu durchringen würde, wie von Sergio Ermotti vorgeschlagen. Sollte das Potential der Industrialisierung voll ausgeschöpft werden, könnte dies zu Kosteneinsparungen von bis zu 30 Prozent führen.

In diesem Szenario könnten zwischen 30 und 40 Prozent der Arbeitsstellen abgebaut beziehungsweise an externe Dienstleister vergeben werden. Diese Einsparungen sind kein Selbstzweck – Banken sind vielmmehr gut beraten diese freigewordenen Mittel heute in die Zukunft investieren.

Sonst laufen sie Gefahr, von innovativeren Konkurrenten und teilweise auch neuen, branchenfremden Marktteilnehmern langsam aus dem Markt geschoben zu werden.

Angst vor Veränderung ist die grösste Herausforderung

Die Studie zeigt auch: Der kulturelle Widerstand gegenüber Fortschritten der Industrialisierung im Schweizer Bankwesen stellt das grösste Hindernis für eine nachhaltige Veränderung der Branche dar. Und er ist nur allzu verständlich. Der mögliche Abbau von Personal und die Auslagerung bestimmter Tätigkeiten verursacht Verunsicherung in der Belegschaft.

Wenn es den Banken ernst ist, ihre Ambitionen bis in fünf Jahren umgesetzt zu haben, steht das Management heute in der Pflicht. Dieses ist gefordert, um die Veränderungen von innen her mit Nachdruck in die Wege zu leiten, statt nur punktuelle Massnahmen umzusetzen, die mangels Mitarbeiterakzeptanz rasch ihre Wirkung wieder verlieren.

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