Eintopf auf Kosten der Anleger?

Viele Dach-Hedge-Funds halten nicht, was sie versprechen, besagt eine neue Studie. Richtig? Von Claude Baumann.

 

Dach-Hedge-Funds verteilen das Geld von Investoren auf verschiedene, möglichst erfolgreiche Hedge Funds. Das ist theoretisch ein interessanter Ansatz, um von den besten Fachleuten in der Branche zu profitieren. Doch wie sieht es in der Praxis aus?

Dachfonds halten weder, was sie versprechen, noch unterscheiden sie sich wesentlich voneinander. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Haute Ecole de Gestion (HESGE) in Genf.

Einheitsbreit also? Man ist geneigt, das zu bejahen, wenn man einen Blick auf die Performance diverser, in der Schweiz aufgelegter Dachfonds wirft. Ausnahmen bestätigen die Regel, doch letztere lautet klar: Überdurchschnittlich viele Investmentkonstrukte schlagen den Markt nicht – weder in schlechten Zeiten, wie das beispielsweise 2008 während der Finanzkrise der Fall war, noch 2009, als es im ersten Halbjahr unerwartet rasant wieder nach oben ging. Unter dem Strich, so das Fazit von HESGE-Finanzprofessor und Studienleiter Nils Tuchschmid, sei die Performance mehrheitlich «flau» oder gar «enttäuschend».

Zu denken gibt Tuchschmid vor allem, dass mehr als die Hälfte der Dachfonds in den letzten fünf Jahren mindestens einen Totalkollaps eines Hedge Funds in ihrem Portefeuille hinnehmen mussten; sei dies auf Grund von Fehlspekulationen oder wegen Betrügereien wie im Fall Madoff. Das spricht nicht nicht für das angeblich grosse Know-how der Dachfonds-Manager bei der Selektion von Anlagen. Damit bestätigt sich ein weiterer Befund der Genfer Studie: Die existierenden Dachfonds sind wie Lemminge: Sie unterscheiden sich weder operationell noch strategisch oder von der Kostenstruktur her. Der Herdentrieb lässt grüssen.

Das ist bedauerlich, zumal die Dachfonds-Branche ein essentieller Ertragspfeiler des hiesigen Finanzplatzes ist und noch wichtiger werden könnte. Denn vor dem Hintergrund des sich wandelnden Schweizer Bankgeheimnisses dürften viele Finanzinstitute in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung, also der Königsdisziplin im Swiss Banking, künftig weniger verdienen als bisher. Alternative Geschäftsfelder sind folglich gefragt.

Die insgesamt 313 hierzulande bestehenden Fund-of-Hedge-Funds vereinigen bereits ein Anlagevolumen von 160 Milliarden Dollar. Das ist ein Drittel aller Mittel, die weltweit in Dach-Hedge-Funds investiert sind. Mit diesem Anteil ist die Schweiz hinter den USA der zweitwichtigste Dachfonds-Markt der Welt. Weiteres Wachstum ist aber nur möglich, wenn die Branche es schafft, ihre Kompetenz und Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Vorderhand ist das aber kaum der Fall, wie der Studie zu entnehmen ist. Die Autoren diagnostizieren eine «besorgniserregende» Entwicklung.

Den massivsten Makel ortet Finanzprofessor Nils Tuchschmid in den Interessenskonflikten, denen sich zahlreiche Dach-Hedge-Fonds aussetzen: Denn neben ihrer Tätigkeit als Investoren in Single-Hedge-Funds betätigen sich viele Dachfonds-Manager auch noch als Berater individueller Grosskunden, oder sie entwickeln für einzelne Mandanten individuelle Anlageprodukte im Hedge-Fund-Sektor.

«Darunter leidet die Unabhängigkeit, sobald der Dachfonds-Manager ihm anvertrauten Kundengelder auf die verschiedenen Hedge-Fund-Vehikel verteilen muss», stellen die Autoren fest. Streng genommen müsste sich ein Dachfonds, so Tuchschmid, voll auf seine angestammte Investment-Tätigkeit beschränken, bar jeder Interessenskonflikte.

Dass die Kritik an den Dachfonds in der Studie so harsch ausfiel, hat auch Tuchschmid überrascht. Als Totengräber einer Industrie will er deswegen aber nicht gelten, sondern dazu beitragen, diese Disziplin auf dem Schweizer Finanzplatz zu stärken. Denn, soviel steht fest: Hedge Funds werden künftig eine noch wichtigere Rolle in der Anlegerportefeuilles spielen, nicht zuletzt wegen der anhaltend volatilen Märkte.

Und unter diesen Prämissen verfügt die Schweiz, selbst als vergleichsweise kleines Land, über ein enormes Know-how im Bereich der Finanzintermediation, will heissen, in der Auswahl und im Umgang mit Anlageprodukten und -strategien. Auch dies zeigt die Studie klar: Gut achtzig Prozent der befragten Dachfonds erklärten, keinerlei Schwierigkeiten zu bekunden, ausgewiesenes Personal zu finden. Damit hat der hiesige Finanzplatz intakte Chancen, sich als Kompetenzzentrum für Finanzgeschäfte von morgen zu profilieren.

Allerdings wird es mehr Transparenz in den Kostenstrukturen der einzelnen Dach-Hedge-Funds brauchen, wie Tuchschmid betont. Dadurch dürften gleichzeitig die Löhne und Anreizsysteme – wie in anderen Teilen der Finanzbranche – erheblich sinken. Zudem ist eine grössere Vielfalt in der Dachfonds-Szene erforderlich, und die Manager werden sich darauf einstellen müssen, ohne latente Interessenskonflikte zu arbeiten.

Die Studie «The Swiss Funds of Hedge Funds: Unique or Identical? An Industry Survey» von Luis Ferreira, Nils S. Tuchschmid und Erik Wallerstein finden Sie unter diesem Link.

 

AUTOREN

Claude Baumann ist einer der Gründer von finews.ch. Er publiziert zudem regelmässig in der «Handelszeitung». Bekannt wurde er auch durch mehrere Fachbücher über die Finanzbranche.

Ralph Pöhner ist einer der Gründer von finews.ch. Er veröffentlicht sonst in «Die Zeit» und arbeitete zuvor unter anderem für AWP, «Facts» und die «Weltwoche».

Hans-Peter Bauer ist Präsident und CEO der Swiss Finance & Property AG in Zürich. Das Unternehmen ist spezialisiert auf alternative Anlagen im Bereich Immobilien und Hedge Funds.

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