Warum wir endlich eine Bank für Hundefreunde brauchen

RAP — Auf den ersten Blick fällt die Sache in die Kategorie «Die Welt spinnt»: Im US-Bundesstaat Oregon wollen ein paar Marketing-Entwickler eine Hundebank lancieren. Oder genauer: Eine Bank für Hundefreunde.

Die «Wag Bank», so ihr Name, erinnert zuerst einmal an einen Fasnachtsscherz, aber die Idee klingt dann doch vernünftiger, wenn man sie nochmals eine Stufe genauer ausformuliert: Es ist eine Bank, die sich an das spezifische Zielpublikum der Hundebesitzer und Hundeliebhaber richtet.

Klingt das jetzt wirklich nur verrückt?

Zu denken geben müsste jedenfalls die Einsicht dahinter: Wie Jeff Stephens, Chef einer Beratungs- und Branding-Firma in Portland, ausführt, will er eine Grundschwäche des Banking angehen. Denn die heutigen Banken hätten keineswegs das Problem, dass sie verhasst oder umstritten sind; nein, vielmehr seien sie den meisten Leuten egal.

«Es gibt eine Gleichheit der Produkte und der Dienstleistungen, und deshalb gibt es auch eine Gleichheit der Erfahrung. Würde man die Logos in den Filialen zudecken, würde man bei den wenigsten Banken merken, wo man ist», so Stephens gegenüber der Wirtschafts-Site «The Fiscal Times»

Mit der «Wag Bank» soll nun eine bestimmte – und grosse – Zielgruppe über einen sehr emotionalen Bezugspunkt abgeholt werden. Einen Kern bildet dabei die Tatsache, dass Hunde durchaus auch finanzielle Folgen nach sich ziehen. Im weiteren soll aber übers gemeinsame Interesse an Vierbeinern eine Gemeinde entstehen, deren Beziehungen über Finanzgeschäfte hinausgeht.

Noch ist die «Wag Bank» nicht viel mehr als eine Website (sowie gute Werbung für ein Beratungsunternehmen). Aber zu denken geben kann immerhin die entscheidende Einsicht dahinter, und die lautet: Banken sind den meisten Leuten hundewurst. Was wiederum grosse Entwicklungschancen bietet. Denn vor diesem Hintergrund liesse sich das Konzept, das hier angedeutet ist, immerhin weiterdenken: Dass Eltern – beispielsweise – emotional anders angesprochen werden müssen als – bespielsweise – Menschen, die viel reisen und ständig um den Globus fliegen, ist selbstverständlich. Vielleicht ist es Zeit, dass wir diese Unterschiede auch den Bankfilialen ansehen.

AUTOREN

Claude Baumann ist einer der Gründer von finews.ch. Er publiziert zudem regelmässig in der «Handelszeitung». Bekannt wurde er auch durch mehrere Fachbücher über die Finanzbranche.

Ralph Pöhner ist einer der Gründer von finews.ch. Er veröffentlicht sonst in «Die Zeit» und arbeitete zuvor unter anderem für AWP, «Facts» und die «Weltwoche».

Hans-Peter Bauer ist Präsident und CEO der Swiss Finance & Property AG in Zürich. Das Unternehmen ist spezialisiert auf alternative Anlagen im Bereich Immobilien und Hedge Funds.

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