Wann die nächsten Blasen platzen

Es gibt einen interessanten Forscher, der weiss, wie man Finanzblasen erkennt – und wann sie platzen dürften. Aber in der breiten Öffentlichkeit wird er wenig beachtet. Eben hat er wieder solch eine Prognose gewagt.

Didier Sornette, Professor für Entrepreneurial Risks an der ETH Zürich, veröffentlichte am 21. Mai die Voraussage, dass der US-Aktienmarkt jetzt dann drehen würde. Und bekanntlich erreichte der S&P-500-Index tatsächlich in jenen Tagen seinen Höhepunkt.

Auf dem Online-Forum «Ted Talks» erklärt der studierte Geophysiker nun seine Theorie – und wie man sie auf die Finanzmärkte anwenden kann.

Die Hauptaussage: Finanz-Blasen können erkannt werden – und zwar früh genug, um zu reagieren. Sornette benennt seine Theorie nach dem «Dragon King», dem Drachenkönig; und auf den ersten Blick erinnert dieser Drachenkönig an den Schwarzen Schwan: Danach gibt es grosse, prägende Ereignisse – «Drachenkönige» –, die ausserhalb der statistischen Norm liegen.

Was den «Dragon King» aber völlig unterscheidet vom «Black Swan»: In Nassem Nicholas Talebs Darstellung sind es äussere Faktoren, welche die Märkte durcheinanderwirbeln. Bei Sornette sind es interne Entwicklungen der Märkte; und diese seien voraussehbar und erkennbar.

 

Der französische ETH-Professor konzentriert sich auf die Abhängigkeiten von Faktoren, die dann zusammen ein Grossereignis – den «Drachenkönig» – ergeben. Einfach gesagt: Ein Kursrutsch an einer Stelle (zum Beispiel bei Hypothekenpapieren) ist ein normales Ereignis. Aber er führt an einer anderen Stelle ebenfalls zu einem Rückgang (zum Beispiel bei Krediten) – und dieser Rückgang lässt wiederum weitere Preise abstürzen (zum Beispiel bei Aktien).

Es sind solche gegenseitigen Abhängigkeiten, die dann grosse, unkontrollierbare und schwer vorhersehbare Ereignisse auslösen. Die Entwicklung verläuft dabei im Grundsatz ähnlich: Ein Prozess entwickelt sich langsam zum Punkt, wo das System instabil ist. Und dann, auf diesem Höhepunkt, folgt ein Zusammenbruch. Dieser Prozess ist am Ende nicht-linear, er kann mit Standardtechniken also nicht vorausgesagt werden.

Es gibt aber Signale, die eine Instabilität andeuten. Zum Beispiel ein superexponentielles Wachstum mit positivem Feedback – wenn also mit ständigen positiven Rückkopplungen das Wachstum in einem Markt exponentiell wird.

Sornette geht nun davon aus, dass man gerade aus dieser Entwicklung herauslesen kann, an welchem Punkt die Sache fragil wird und das System zusammenbricht. Oder anders: Wenn ein Markt exponentielle Züge annimmt, kann man die Kurve weiterführen – und daraus errechnen, wo der Bruchpunkt liegen könnte.

Dem widerspricht eine andere gängige Annahme an den Märkten: nämlich dass es einzelne Entscheide und Ereignisse sind, die einen Markt kippen lassen. Also dass es zum Beispiel gewisse Äusserungen aus dem Fed waren, welche jetzt den Goldpreis einbrechen liessen.

In seinem «Ted Talk» widerspricht Sornette: «Drachenkönige» können vielleicht vorausgesagt werden – aber kontrollieren kann sie keiner. Der Physiker sagte beispielsweise einen Einbruch der chinesischen Aktienmärkte 2007 voraus, obwohl die Finanzprofis sich sicher waren, dass dies trotz Kursübertreibungen nicht eintreten werde – weil die chinesische Regierung solch einen Rückschlag vor den Olympischen Spielen in Peking zu verhindern wisse. Es kam anders.

Grundsätzlich zeichnet der ETH-Professor ein trübes Bild. Er fasst nämlich die vielen Blasen der letzten Jahre zu einer Grossblase zusammen und kommt zu einem allgemeinen «Index der Überbewertung», der dann, 2008, eingebrochen ist.

Die Illusion der ewigen Wachstumsmaschine sei damit grundsätzlich gebrochen worden. Wenn auch ohne nachhaltige politische Wirkung: Dasselbe Denken werde immer noch angewandt, um die Krise zu beheben – siehe Quantitative Easing.

Noch stehe es uns bevor, das grundsätzliche Problem anzugehen – dem Glauben ans ewige Wachstum abzuschwörden.

 

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