Buy and Hold! Loblied auf eine Erfolgsstrategie

Wir präsentieren mit Vorliebe Ideen, die der Finanzmarkt-Herde entgegenlaufen. Hier ist eine, die zu denken geben könnte. Gerade in den Banken.

Sie kennen den Spruch: Die Zeiten sind vorbei, wo man sein Geld anlegen und dann beim Warten reich werden konnte.

In den letzten Jahren erschien es plötzlich als Wahrheit, dass man heutzutage nur noch durch geschickte Investmentschritte eine halbwegs anständige Rendite schafft.

Buy and hold sei tot, so die Erkenntnis, welche gerade unter den Anlageberatern sehr beliebt war – denn sie diente als Argument, um die Kunden zu Umschichtungen zu bewegen.

John Rekenthaler MorningstarWirklich? Eine überzeugende Gegenargumentation fanden wir jetzt bei Morningstar. John Rekenthaler, Vice President of Research beim Finanzanalyse-Unternehmen in Chicago, zählt den Spruch «Buy and hold is dead» zu den typischen Mode-Verrücktheiten der Finanzmärkte. Mehr noch: In einem jetzt veröffentlichten Kommentar bezeichnet er die beliebte Einsicht als «schlechte Idee, die es verdient, zu verschwinden».

Das Ganze sei genährt worden von den Emotionen und vom Frust der Krise von 2008. Damit brach eine neue Ära der Angst und der Sorgen an, und erneut wurde uns ständig weisgemacht, diesmal sei alles anders.

Dabei, so Rekenthaler, ging eine andere Weisheit in Vergessenheit: Dass die Wirtschaft und ihre Krisen zyklisch sind – und dass dies natürlich auch für Wirtschafts-Ideen gilt. Sie kommen und verschwinden wieder.

New Normal oder altes Problem?

Die Idee kam also auf, dass sich an den gelähmten Märkten nur noch mit besonderem Eifer, besonderem Knowhow, besonderer Geschicklichkeit etwas holen lässt. Heute, fünf Jahre nach der Finanzkrise, kann man sehen, dass dies nicht stimmt.

Ähnliches gilt laut dem Morningstar-Vordenker übrigens auch für die – verwandte – Idee eines «New Normal», wonach sowohl das Wachstum als auch die Zinsen notorisch tief bleiben dürften.

Bärenweisheit für Bullenmärkte

Dann was kann man jetzt ausrechnen? Wer 2009 sein Geld in durchschnittlichen Aktien anlegte, erlebte mit die besten viereinhalb Jahre Börsenjahre der Geschichte. Wer es damals in den US-Markt investierte und danach gar nichts mehr tat, konnte bis heute ein Plus von 125 Prozent einfahren. Dasselbe gilt für die Schweizer Börse: Hätte jemand anfangs 2009 alles in einen SPI-ETF investiert, so wäre sein Vermögen seither um zwei Drittel gestiegen.

Natürlich kann man widersprechen, dass dies selber ja auch ein zyklischer Ausschnitt ist. Aber Rekenthaler dreht den Spiess um: Natürlich wirke seine Argumentation in einem Bullenmarkt stärker – doch gerade hier beweise sich ja auch, dass das «Buy-and-hold-ist-tot»-Argument bloss in einem Bärenmarkt funktioniert. 

Oder anders: Es kann niemals die Norm sein. Es ist keine Weisheit. Sondern nur ein Spruch, geboren aus Frust. Und für Rekenthaler ist es sogar einer der dümmsten – «silliest» – in seinen drei Jahrzehnten in der Finanzbranche. 

 

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