Die Erfolgsformel von Warren Buffett

Kann man den erfolgreichsten Anleger der Welt kopieren? Drei Wissenschaftler gingen der Frage nach. Und fanden sechs Regeln, die den Erfolg von Warren Buffett ausmachen.

Drei amerikanische Wissenschaftler haben versucht, den Erfolg von Warren Buffett ökonometrisch zu entschlüsseln: «Buffett's Alpha» lautet der Titel der Untersuchung von Andrea Frazzini, David Kabiller und Lasse Pedersen (AQR Capital Management/Stern School of Business); sie erschien beim National Bureau of Economic Research und baut auf einer ähnlichen Untersuchung, die bereits im Mai im Rahmen der Yale University herausgekommen war.

Die Ausgangslage ist klar: Warren Buffett hat etwas, das über gute Fachkenntnis plus Zufall hinausgeht. Keine einzige amerikanische Aktie schaffte seit 1926 über eine längere Zeit eine ähnliche Langfristrendite wie der Mann aus Omaha. Kein einziger Fonds erreichte über drei Jahrzehnte auch nur annähernd solche Zuwächse.

Leverage plus Qualität

Buffetts Erfolge scheinen «weder Glück noch Magie» zu sein, befanden jetzt Frazzini, Kabiller und Pedersen; sondern der Reichtum in Omaha fusst auf der Nutzung eines anständigen Leverage in Kombination mit einem Fokus auf günstige und sichere Qualitätsaktien.

Zugleich ergab die Aufschlüsselung des Portfolios von Berkshire Hathaway – Buffetts Dachgesellschaft –, dass die börsenkotierten Aktien sich besser entwickelten als die Firmen in Buffetts Eigenbesitz. Daraus leiten die Forscher ab, dass Buffetts Stärke vor allem in der Beurteilung von Firmen liegt. 

Stockpicking vor Management

Konkreter: Warren Buffett beteiligte sich in den letzten dreissig Jahren zu 63 Prozent an börsenkotierten Unternehmen und zu 37 Prozent an privat gehaltenen Firmen. Die Performance seiner börsenkotierten Gesellschaften war (gemessen am Risiko) leicht höher als bei den Privatgesellschaften. Dies deutet an: Buffets ist hervorragend im Stockpicking – aber weniger herausragend in seiner Management-Arbeit.

Freilich: Dass man unterbewertete Gesellschaften sucht, dass man auf Qualität setzt, dass man seinen Kurs unabhängig von kurzfristigen Turbulenzen durchhält – all das haben auch schon andere Fondsmanager von Buffett zu kopieren versucht. Ohne vergleichbaren Erfolg.

Was macht es also sonst noch aus? Insgesamt finden sich bei Frazzini, Kabiller und Pedersen folgende Einsichten:

  • 1. Buffett besitzt keineswegs eine «Wunderhand» bei der Auswahl einzelner Titel. Denn seine Strategie kann mit völlig anderen Aktien kopiert werden. Frazzini, Kabiller und Pedersen testeten dies, indem sie rückwirkend ein Portfolio bildeten, welches jeweils Buffetts Themen und Schwerpunkte kopierte und dabei auch möglichst gleiche Risiken einging – allerdings mit anderen Aktien. Und tatsächlich war die Performance dieses «Spiegel-Portfolio» ähnlich erfolgreich wie jene von Berkshire Hathaway.
  • 2. Das Timing trägt nur wenig dazu bei, die Erfolge des Warren Buffett zu erklären. Auch bei zeitlichen Verschiebungen konnten die drei Autoren ähnliche Renditen simulieren. Die Qualitäten des «Orakels» liegen also eher in der Wahl seiner Titel als im Zeitpunkt des Kaufs. Das entspricht der alten Finanzer-Weisheit, dass die Asset Allocation zu 80 Prozent für den Erfolg eines Portfolio verantwortlich sei – und das Timing bestenfalls für die restlichen 20 Prozent.
  • 3. Entsprechend scheint das Prinzip, hervorragende Unternehmen zu erwerben, der entscheidende Teil – der günstige Preis ist zwar wichtig, aber etwas weniger entscheidend. Buffett hat dies selber einmal formuliert: «It's far better to buy a wonderful company at a fair price than a fair company at a wonderful price.» 
  • 4. Buffett geht durchaus hohe Risiken ein, was ihm auch schon schwere Rückschläge eingebrockt hat. Im Gegensatz zu anderen führten solche Verluste bei Buffett jedoch niemals dazu, dass er von seinen Prinzipien abwich. Der Mann verfolgt seit über fünfzig Jahren eine unveränderte Strategie.
  • 5. Buffett arbeitet mit nennenswertem, aber auch überschaubarem Leverage: Der Anteil des Fremdkapitals betrug im Schnitt das 1,6fache der Eigenmittel. Dass Berkshire Hathaway dabei auf sehr günstige Kredite zurückgreifen kann, hilft mit, diesen Anteil im Erfolgsfall überdurchschnittlich rentabel zu machen. 

Anders formuliert: Man könnte zwar theoretisch Buffetts Muster kopieren – ein wichtiges Problem liegt aber darin, dass nicht jeder so günstige Kredite bekommt. Zum einen hat der Mann aus Ohama seit 1989 konstant ein AAA-Rating; und obendrein ermöglichen ihm die Prämieneinnahmen seines Versicherungsarms günstige Investitionschancen.

Wie schafft man es also, den Wert eines Dollar innert drei Jahrzehnten auf 1'500 Dollar hochzutreiben (wie Buffett dies zwischen 1976 und 2012 geschafft hat)? Die Formel:

  • Kaufe unterbewertete Qualitätsaktien;
  • verwende dabei auch günstige Kredite;
  • nimm allerdings nur so viel Fremdkapital auf, dass du Herr im Hause bleibst;
  • so dass du nie gezwungen bist, eine Aktie zum falschen Zeitpunkt zu verkaufen;
  • dies wiederum erlaubt dir, manchmal auch höhere Risiken einzugehen;
  • und wenn dann Rückschläge einsetzen, darf dich dies niemals von der Ursprungsidee abbringen.

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