«Am Ende des Jahrzehnts werden wir alle sehr glücklich sein mit Gold»

Jim Rogers diskutierte zum Jahreswechsel über die wichtigsten Wirtschaftsthemen für 2014 – und über seine eigenen Investment-Pläne. Hier seine Perspektiven für die Weltwirtschaft und die wichtigsten Anlageklassen.


Jim Rogers World 160Jim Rogers hat jetzt einen neuen Online-Auftritt: Auf «Jim Rogers World» diskutiert der Erfolgs-Investor seine Ansichten zur Entwicklung der Weltwirtschaft und der Märkte.

Zum Start von «Jim Rogers World» beteiligte er sich an einem Hangout – einer Online-Diskussion in kleinem Kreis – über die Perspektiven 2014. finews.ch war dabei. Hier erste Höhepunkte.


Zur Einschätzung von 2014 gibt es eine alles entscheidende Frage: Ist die Wirtschaft unterwegs zu einer nachhaltigen Stabilisierung – oder sind wir bloss im Auge des Sturms. Was sagen Sie?

Die Erholung ist künstlich, und als Ganzes entwickelt sich die Weltwirtschaft nur wenig zum Besseren. Denn die Zentralbanken sind hemmungslos. Natürlich geht es gewissen Leuten momentan viel besser: Wenn Sie Aktienhändler in Japan sind, fühlen Sie sich wie im Himmel. Aber der Rest wird am Ende sehr leiden – wenn das hier dereinst vorbei ist.

Es ist sicherlich richtig, dass wir es mit einer einmaligen Situation zu tun haben: Alle Zentralbanken der Welt haben ihre Geldschleusen sperrangelweit offen. Aber einmalig heisst, dass wir nicht wissen, wie es herauskommt. Theoretisch denkbar also auch, dass die schlauen Köpfe in den Notenbanken dereinst den Ausstieg ohne «Bang» hinkriegen.

Ja, es kann auch ohne grossen Crash abgehen. Bloss kam es bis jetzt immer anders. Jede Regierung in der Weltgeschichte wollte immer eine sanfte Landung, aber ich kann mich kaum an erfolgreiche Beispiele erinnern. Aber wer weiss, vielleicht entpuppen sich all diese Akademiker und Bürokraten in den Notenbanken als Genies. Wenn das eintritt, werde ich der erste sein, der sie rühmt.

Das scheint ein Kernpunkt ihrer Skepsis: Sie bezweifeln die Cleverness der Notenbanken.

Ja, so ist es akkurat formuliert. Ich habe kein Vertrauen in die Köpfe der Zentralbanken und vor allem nicht, wenn diese Leute von den «Ivy League»-Universitäten kommen.

Die entscheidende Kernfrage lautet am Ende doch: Dreht die grosse kapitalistische Maschine weiter – oder bricht sie zusammen? Sie bleiben da bei Ihrer recht apokalyptischen Sichtweise?

In der amerikanischen Geschichte hatten wir – seit der Staatsgründung im 18. Jahrhundert – alle vier bis sechs Jahre eine schwierige wirtschaftliche Lage. Das ist normal, es geschieht aus verschiedenen Gründen. Wir hatten also auch eine schwere Krise am Anfang des 21. Jahrhunderts. Dann wurde es für einige Jahre besser, auch dank dem Geld von Alan Greenspan. Dann, als die Krise von 2008 kam, war es bereits viel schlimmer, weil die Schulden eben auch viel höher waren.

«Wenn also wieder eine Krise eintritt, wird es nochmals schlimmer sein»

Heute hat sich die Lage wieder verbessert – aber der Schuldenstand ging durch die Decke. Im Jahr 2008 hatte die amerikanische Notenbank Bundesobligationen für 800 Milliarden Dollar in der Bilanz; jetzt sind es mehr als 4 Billionen. Ähnliches gilt für die anderen Zentralbanken. Wenn also wieder eine Krise eintritt, wird es noch schlimmer sein. Aber wir wollen hoffen, dass es nicht das Ende der Welt ist.

Und was ist mit dem Tapering, also dem geplanten Rückbau der Notenbank-Bilanz?

Ja, Frau Yellen hat das erwähnt. Aber die Japaner haben das Wort Tapering noch nie gehört, die Europäer scheinen es auch nicht zu kennen, die Engländer ebenfalls nicht... Wenn also die Amerikaner ihre Geldschleusen ein Stückchen schliessen und die Märkte in Schwierigkeiten kommen, dann werden alle auf die neue Notenbankchefin Janet Yellen einstürmen. Und am Ende wird sie sagen: Oh Gott, wir sind zu weit gegangen. Man wird den Kurs wieder wechseln, jeder wird jubeln, die Börsen werden wieder steigen. So funktionieren die Märkte halt.

Aber das Tapering muss Folgen haben für die Gold- und die Rohstoffpreise. Was erwarten Sie da?

Gold und Rohstoffe sind derzeit zwei verschiedenen Geschichten. Ich besitze Gold, ich habe nie Gold verkauft, seit ich 1971 meine Positionen aufzubauen begann; allerdings habe ich es teilweise gehedgt. Die Goldpreise waren vor dem jüngsten Einbruch zwölf Jahre hintereinander gestiegen, das ist extrem ungewöhnlich. Ich kenne keine andere Anlageklasse, wo so etwas je geschehen war. Jetzt korrigiert der Markt, und das wird sich noch fortsetzen.

«Gibt es Überkapazitäten bei der Kontrolle der Luftverschmutzung in China? Absolut nicht»

Denn wir hatten hier ebenfalls einen grossen Hebel, viele stürzten sich mit Fremdkapital auf Gold. Zudem wurde im indischen Goldmarkt – dem grössten der Welt – der Import erschwert. Und wenn Sie dem grössten Käufer Zügel anlegen, hat das in jedem Markt seine Effekte. Ich hoffe aber, dass ich smart genug bin, mehr Gold zu kaufen, wenn es so weiter geht. Denn der Bullenmarkt hier ist noch nicht vorbei, und am Ende dieses Jahrzehnts werden wir alle sehr glücklich sein mit Gold und Silber.

In welcher Phase sind wir bei den Rohstoffen allgemein?

Es hängt an, von welchem man redet. Grundsätzlich sehe ich eher Korrekturen als ein Ende des Bullenmarktes. Wenn immer eine Korrektur eintritt, gibt es einen guten Grund dafür. Und ich nehme an, dass man die jetzige Zeit in zehn Jahren ebenfalls als Korrektur betrachten wird. Ich sehe nicht genügend Angebot, um die Weltnachfrage, die sich seit den 1980er Jahren entwickelt hat, nachhaltig zu übertrumpfen. 

Wie würden Sie Ihren derzeitigen Investment-Ansatz beschreiben?

Ich bin faul in der Methodologie. Ich hoffe einfach, dass ich schlau genug bin, eine Chance zu ergreifen, wenn sie auftaucht. Derzeit habe ich einige Short-Positionen in Junk-Bonds, aber ich gebe zu, dass ich den Obligationen-Markt auch schon unglücklich geshortet habe. Mal schauen, ob es dieses Mal klappt. Auf jeden Fall muss der 30-jährige Bullenmarkt bei den Bonds an ein Ende kommen. Vor einigen Jahren habe ich einige Airline-Aktien gekauft, das habe ich kürzlich aufgestockt. Ein weiteres Thema für mich ist Russland. Ferner China, wo sich politisch sehr viel wandelt; ich weiss nicht, ob hier schon ein Boden gefunden ist, aber es gibt einige Zonen, wo ein Einstieg wieder interessant ist.

Hat China – nach zwei Jahrzehnten des Aufbaus – derzeit nicht vor allem ein Überkapazitätsproblem?

Doch. Wie gesagt: Einige Bereiche der chinesischen Wirtschaft werden in den nächsten zwei oder drei Jahren leiden. Zum Beispiel die Immobilien. Die Regierung selber sagt ja, dass sie entschlossen sei, die Liegenschaftenpreise in China herunterzubringen. Das bedeutet mehr Konkurse in diesem Segment, es bedeutet Überkapazitäten in der Baubranche – alles, was mit dem chinesischen Immobiliensektor zu tun hat, spürt Überkapazitäten. Aber gibt es Überkapazitäten bei der Kontrolle der Luftverschmutzung in China? Absolut nicht. Gibt es Überkapazitäten im Eisenbahnsystem? Nein, hier gibt es Mängel, und hier will China massiv aufbauen.

Was werden im Jahr 2014 die aufkommenden Themen sein? Was beschäftigt Sie?

Ich habe Russland erwähnt, ferner den Wandel in China. Dann Nordkorea: Hier bin ich leicht optimistisch, dass ein gewisser Wandel möglich ist. Dann Airlines und die Landwirtschaft. Und eben Gold: Vielleicht bessert sich hier schon 2014 etwas, aber ich würde sagen, dass es der Goldpreis nicht wieder nach oben schafft, bis all die Mystiker und Gläubigen ausgestiegen sind.

«Wir haben einfach zu viele Mystiker im Goldmarkt»

Es gibt derzeit einfach zuviele Mystiker im Markt, die überzeugt sind, dass Gold einfach nicht sinken kann. Mich erinnert das an die Internet-Blase: Auch da gab es viele Menschen, die überzeugt waren, dass das Internet die Zukunft ist. Und es war ja tatsächlich die Zukunft. Aber das bedeutet nicht, dass die Aktien hier nicht sinken können. Vielleicht wird 2014 zum Jahr, in dem all die Gold-Gläubigen aus dem Markt verschwinden.

Zweiter Teil: «Ich habe übrigens mehrere Konten in der Schweiz»

  • Teilnehmer am Hangout waren u.a.: Lucas Bruggemann, Gründer «Jim Rogers' World» und Inhaber Follow Your Trader AG — Birdie deQuai, New Media Developer, USA — Ralph Pöhner, Partner finews.ch — Matthew Wong, Managing Director, Equity Derivatives, KGI Asia Limited, Hong Kong. 
  • Sie können die Debatte hier verfolgen.
  • Weitere Live-Hangouts mit Jim Rogers sind geplant: Wer sich auf «Jim Rogers World» registriert, wird dazu eingeladen.

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