Nouriel Roubini: Sechs Risiken, die uns Sorgen machen sollten

Der bekannte Wirtschaftswarner beschreibt eine neue Gefahrenkarte – und listet die Bedrohungen auf, welche die Anleger in den nächsten Jahren beschäftigen dürften.

Nouriel Roubini ist ja bekannt dafür, grosse geopolitische und makroökonomische Risiken zu erfassen und im Gesamtbild die Chancen für die Gesamtwirtschaft auszuloten. In einem neuen Aufsatz sichtet der New Yorker Ökonom nun sechs Gefahren, welche die Finanzmärkte in den nächsten Jahren bestimmen und ins Trudeln bringen könnten.

Die heiklen Themen werden zwar bereits beachtet – allerdings noch sehr zurückhaltend. Kaum steigende Volatilitäten und weitgehender Optimismus zeigen, dass die Märkte gelassen bleiben.

Nouriel Roubini zeigt Verständnis für diese Haltung der Investorengemeinde. Der Doom-Prophet früherer Jahre erinnert aber daran, dass sich die Lage rasch wandeln kann. Und dass vor allem ein Zusammenprall mehrerer dieser Risiken nachhaltige Folgen haben würde.

Welches sind die neuen Gefahren für die Wirtschaftswelt?

  • 1. Harte Landung in China: Der Wechsel von einer investitionsgetriebenen zu einer stärker konsumbestimmten Wirtschaft harzt. Denn immer wenn sich eine Wachstumsdelle abzeichnet, greift die Regierung in Peking, offenbar verunsichert, doch zu weiteren Investitionsspritzen – so dass die überflüssigen Anlagen wachsen und wachsen. Im nächsten Jahr könnte der Punkt erreicht sein, wo dies nicht mehr geht.
  • 2. Falsche Politik des Fed (1): Das angekündigte «Tapering» ist von den Märkten jetzt eingepreist, aber der notwendige Kurswechsel der Notenbank-Politik sorgt weiter für Volatilität. Viele Investoren fürchten nun, dass das Fed die Zinsen zu früh und zu stark erhöhen könnte, was Schockwellen an den Finanzmärkten wie in der Realwirtschaft auslösen könnte.
  • 3. Falsche Politik des Fed (2): Ebenso problematisch wäre es, wenn sich die amerikanische Notenbank zu spät und zu langsam vom Nullzins-Kurs verabschieden sollte. Damit würde sie den Boom nur weiter anheizen – bei Immobilien, Krediten wie Aktienmärkten. Es wäre die Grundlage für eine Blase, die platzen wird.
  • 4. Neue Krisen in den Schwellenländern: Die aktuellen Erschütterungen in den Emerging Markets könnten sich laut dem amerikanischen Ökonomen noch verschärfen. Denn hier lauern diverse Probleme – etwa tiefere Rohstoffpreise –, während die makroökonomische Grundlage oft noch unsicher ist und viele notwendige Reformen immer noch nicht angepackt wurden.
  • 5. Der nächste Kalte Krieg: Für Nouriel Roubini besteht ein ernsthaftes Risiko, dass der Ukraine-Konflikt zum «Cold War II» führt. Und vielleicht sogar zu einem heissen Krieg, falls Russland in den Osten der Ukraine einfällt. Energienachschub, Investitionsflüsse, zerstörte Kapitalien und Leben – die Folgen wären immens.
  • 6. Spannungen in Asien: Diverse Grenzstreitungen zu Land und zu See in Asien – beginnend mit dem Inselstreit zwischen Japan und China – könnten zu einem ernsthaften militärischen Konflikt führen. Solche geopolitischen Spannungen in Asien können echte systemische Folgen für die Weltwirtschaft haben.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich solche Risiken auch wandeln können – und dabei oft rasch sowie sang- und klanglos verschwinden. Daran erinnert Roubini fairerweise auch. Offen benennt er in seinem Aufsatz die Gefahren, vor denen man sich vor zwei Jahren fürchtete und vor denen er selber warnte:

  • Ein Ende der Eurozone inklusive einem Grexit und der Gefahr, dass Länder wie Italien und Spanien den  Zugang zu den Kapitalmärkten verlieren könnten.
  • Eine Staatsschuldenkrise in den USA, vor allem wegen der politischen Blockade um die Schuldendecke.
  • Eine Staatschuldenkrisen in Japan als Kombination von Rezession, Deflation und hohen Defiziten.
  • Deflationsgefahren in vielen Industrieländern.
  • Krieg  zwischen Israel und Iran als Folge des Atomstreits.
  • Breiterer Zusammebruch der Ordnung im Nahen Osten.

Nouriel Roubini: «The Changing Face of Global Risk», Project Syndicate, 31. März 2014.

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