Warum Börsenguru Jeremy Grantham ein Perma-Bär ist

Manche Geldmanager sehen immer noch mehr Potenzial im Markt. Und es gibt die ewigen «Bären» und Crash-Propheten. Man sollte auf niemanden hören – oder auf alle.

Jeremy Grantham (Bild) sagt, der S&P 500 sei zu rund 75 Prozent überbewertet. Eigentlich hatte er das im vergangenen November gesagt. Im März sagte der Star-Investor dann, Aktien seien überteuert.

Nichts Neues von Grantham also: 2011 hielt er Aktien zu 40 Prozent überbewertet, wie die «Herald Zeitung» vorrechnet. Das waren sie gemäss seinen Statistiken auch 2009 gewesen, als die Bewertungen noch halb so hoch waren wie heute. Grantham war die letzten zehn Jahre praktisch immer «bearish». Perma-Bear wird er auch genannt, weil er eigentlich immer dunkle Wolken am Horizont sieht.

In zwei Jahren war all sein Geld weg

Gelegentlich stimmen seine Prognosen auch, wie die eines jeden Finanzgurus, der lange genug lange an einer Meinung festhält. Woher stammt denn der Dauer-Pessimismus eines Jeremy Grantham?

Möglicherweise gibt das Buch «Bull: A History of Boom and Bust» von Maggie Mahar Aufschluss. Sie schreibt über Grantham, 1968 sei er frisch von Harvard voller Übermut in den Markt eingestiegen. «Und 1970 hatte er all sein Geld verloren».

Grantham selbst sagte dazu Jahre später, er sei weggefegt worden, bevor alle anderen überhaupt realisiert hätten, dass die Märkte drehen würden. Sie drehten und blieben für die nächsten zwölf Jahre «bearish».

Frühe Erfahrungen prägen fürs Leben

Eine bereits 2006 durchgeführte Studie der Universitäten Berkeley und Stanford lässt vermuten, dass Grantham vielleicht einer dieser daueroptimistischen Bullen geworden wäre, wenn er zu Beginn seiner Karriere sein Geld verdoppelt hätte als es zu verlieren.

Die breit angelegte Studie belegt nämlich, dass das Verhalten eines Investoren stark davon beeinflusst ist, in welcher wirtschaftlichen Lage er aufgewachsen ist. So empfand die Generation, die während der Grossen Depression aufgewachsen war, Aktieninvestments nur halb so attraktiv wie die Generation, die in den sechziger Jahren erwachsen wurde.

Anleger, die in den inflationsbgeplagten siebziger Jahren aufwuchsen, liessen viel eher die Finger von Obligationen, also solche, die in den wirtschaftlich stabilen fünfziger Jahren ihre ersten Erfahrungen machten.

Es sei die persönliche Historie, welche die Risikofähigkeit eines Investoren bestimme, hielten die Studienautoren fest. Das scheint logisch. Aber Investoren, die auf den Rat anderer Investoren hören, müssen sich darum umso mehr bewusst sein: Die Wahrnehmung von Risiko ist sehr individuell.

Je mehr Meinungen, desto besser

Sie hat vielleicht weniger damit zu tun, dass ein Finanzguru über bessere Informationen oder Datensätze verfügt als damit, welche Erfahrungen er als junger Investor gemacht hat, und in welcher konjunkturellen Phase er aufgewachsen ist.

Die Lehre für ratsuchende Investoren ist: Anstatt dem selektiven Gedächtnis eines Finanzexperten zu vertrauen, ist es umso wichtiger, möglichst viele verschiedene Meinungen einzuholen. Und zwar von Leuten, die unterschiedlichen Alters und Herkunft sind.

Nicht umsonst sind oft jene Investoren die besten, die nicht einem Impuls oder einer Meinung nachgeben. Sondern sie objektivieren ihre Informationen frei von jeglichen Gefühlen und entscheiden erst dann.

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