EU-Sanktionen: Was hat die Bankbranche zu befürchten?

Die EU hat die Sanktionen gegen Russland verschärft. Welche Auswirkungen hat das auf die Finanzwelt? Sieben Hinweise von Aquila-Chefökonom Bruno Gisler.

Bruno Gisler ist Chefökonom der Zürcher Finanzgruppe Aquila

BrunoGislerDie Ausgangslage präsentiert sich wie folgt: Den staatlich kontrollierten russischen Banken wird die Refinanzierung über 90 Tage auf dem europäischen Kapitalmarkt verwehrt. Neue Waffenexporte nach Russland werden untersagt. Zudem gibt es einen Exportbann für zivile Güter mit möglicher militärischer Anwendung sowie für Spitzentechnologie für die Erdölindustrie.

1. Die Banken weichen aus

Die russischen Staatsinstitute haben unter den neuen Sanktionen am meisten zu leiden. Sie sind zwar nach wie vor nicht in ihrer Existenz bedroht, müssen aber für die Refinanzierungen auf die russische Notenbank oder nach Asien ausweichen.

2. Mit dem Segen der Amerikaner

Im Fernen Osten dürften die russischen Banken das benötigte Geld, auch mit dem Segen der Amerikaner, bekommen, weil eine Zahlungsunfähigkeit der russischen Banken den USA wie der EU schaden würde.

3. Putins Reaktion ist entscheidend

Die Reaktionen von Präsident Wladimir Putin auf die europäischen Sanktionen werden entscheiden, inwiefern schädliche Rückwirkungen auf die EU zu erwarten sind. Grundsätzlich kann Russland sachlich oder nationalistisch antworten.

4. Es gibt zwei Antworten

Volkswirtschaftlich schmerzlose Gegensanktionen bei gleichzeitig schrittweiser Reduktion der Unterstützung der Rebellen wäre die sachliche Antwort. Eine Wandlung vom Kriegstreiber zum Vermittler und Friedensstifter in der Region würde die neue Taktik abrunden. Verstärkte Unterstützung der Rebellen und der Griff zu Sanktionen bei der Energieversorgung von Europa wäre die nationalistische Antwort.

5. Putin ist im Sandwich

Präsident Putin steckt mittlerweile in einer schwierigen Situation. Die internationale Gemeinschaft macht ihn für die Geschehnisse in der Ostukraine verantwortlich, obwohl er dort nicht alles unter Kontrolle hat. Wenn er den Rebellen die Unterstützung entzieht, verliert er innenpolitisch an Zustimmung. Verstärkt Putin die Unterstützung für die Separatisten, gerät er aussenpolitisch noch mehr unter Druck.

6. Die Erdölwaffe ist zu gefährlich

Wahrscheinlich dürfte Putin auf die nationalistische Antwort verzichten, weil der Erdölexport für fast die Hälfte der russischen Staatseinnahmen sorgt. Mit dem Gebrauch der Erdölwaffe würde sich Russland zu stark ins eigene Fleisch schneiden.

7. Befreiung als Ziel

Eher wahrscheinlich scheint eine sachliche Antwort mit der es Putin gelingen könnte, sich ohne grosse innenpolitische Schäden aus der verzwickten Situation zu befreien. Deshalb ist anzunehmen, dass die EU wegen ihren Sanktionen keinen ernstzunehmenden wirtschaftlichen Schaden erleiden wird.

(Bild ganz oben: Sanctions © Shutterstock)

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