So würde Jim O'Neill Italien retten

Weil herkömmliche Rezepte zur Wiederherstellung von Italiens Wirtschaft nichts bringen, hat der britische Star-Ökonom einige unkonventionelle Ideen.

Jim O'Neill fragt sich in einem Beitrag auf der Ökonomen-Newsseite«Bruegel», was sich jeder fragt: Wie kann ein so wunderschönes Land wie Italien wirtschaftlich so am Ende sein?

Früher war es so: Eine notorisch schwache Regierung stand einem sehr anpassungsfähigen Privatsektor und einem innovativen Kleingewerbe gegenüber, ohne zuviel negativen Einfluss auszuüben. Und Italien hatte einen Trumpf: Eine eigene Währung, die immer mal wieder abgewertet wurde.

In der Euro-Währungsunion geht das nun nicht mehr. Mit den bekannten Folgen: Seit 2007 ist in Italien das Verhältnis von Staatschulden zum Bruttoinlandprodukt gefährlich steil angestiegen. O'Neill sei immer davon ausgegangen, dass Deutschland alles unternehmen würde, um Italien vor einem ähnlichen Zusammenbruch wie Griechenland zu bewahren, schreibt er.

Deutschland ist der Schlüssel

Schliesslich sei Italien die drittstärkte Wirtschaftsmacht innerhalb der Währungsunion. Nun aber ist sich O'Neill dessen nicht mehr sicher.
Denn das Einzige was Italien wohl helfen würde, wäre eine Euro-Abwertung.

Und diese werde Deutschland nie zulassen. Dennoch sei Deutschland der Schlüssel zu Italiens Rettung, so O'Neill. Hilfreich wäre zum Beispiel ein Anstieg der Inflation im Euro-Raum in die Region von 2 Prozent. Aber das ist ohne Zugeständnisse von Deutschland genauso unwahrscheinlich wie eine Lockerung der fiskalischen Vorgaben an Italien.

Nulltoleranz gegenüber tiefer Inflation

O'Neill befiel während einer kürzlich erfolgten Reise durch Italien eine ganz andere Idee: Wie wäre es, wenn Deutschland seine Nulltoleranz gegenüber den Währungspartnern anders äussern würde? Deutschland könnte zum Beispiel Nulltoleranz gegenüber einer Inflation zeigen, die unter das Ziel von 2 Prozent fällt.

Es könnte von seinen Bürgern eine Sondersteuer erheben in jedem Fiskaljahr, indem das Inflationsziel unterboten würde. Die Steuer stiege proportional zum Ausmass an, in dem das Inflationsziel nicht erreicht wurde.

Strafsteuer für deutsche Touristen

Diese Einnahmen könnten dann an diese Länder verteilt werden, deren Defizit unter 3 Prozent bleibt und deren BIP-Wachstum dem Trend im Euro-Raum hinterher hinkt. Italien könnte auch eine Strafsteuer für deutsche Touristen einführen, so O'Neill weiter. «Ich weiss, das ist eine verrückte Idee.»

Aber sei diese Idee verrückter, als die Defizitschraube weiterhin so eng anzuziehen, dass die Nachfrage in Europa so stark zurückgeht und das Inflationsziel «um eine Meile» verpasst würde, sodass Italien in eine endlose Rezession getrieben werde? O'Neill meint: «Nicht viel verrückter.»

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