Der notorische Notenbankkritiker mit dem Dreitagebart

James Montier, der berüchtigte Stratege des amerikanischen Vermögensverwalters GMO, zieht wieder einmal gegen seine Lieblingsfeinde ins Feld. Und fährt schweres Geschütz auf.

James Montier (Bild) gehörte einst zum viel beachteten Team des Société-Générale-Strategen und Dauerpessimisten Albert Edwards. Schon damals war er bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen – eine Maxime, der Montier auch nach seinem Wechsel zum amerikanischen Vermögensverwalter GMO treu geblieben ist.

So verkündete er Ende 2014, dass das Shareholder-Value-Prinzip «die dümmste Idee der Welt» sei, wie auch finews.ch berichtete. Und in seiner jüngsten Analyseschrift giesst er nun einmal mehr literweise Häme über die Gilde der Finanzexperten aus (zu denen er selber ja auch zählt). Und über seine Lieblingsfeinde, die Notenbanker.

Gefährliches «groupthink»

Aufs Korn nimmt er dabei das zum Modebegriff mutierte «Gleichgewicht des realen Zinssatzes». Kein geringerer als Ex-US-Notenbank-Präsident Ben Bernanke hatte jenes Konzept kürzlich zum Anlass genommen, um seinen eigenen Finanzblog zu starten.

Für den Grantler mit dem ewigen Dreitagebart sind die Diskussionen um Zinsen und Geldpolitik jedoch nichts mehr als die Nabelschau einer abgehobenen Kaste von Notenbankern und Ökonomen. Oder eben: Eine Vergötterung der Zinsen, wie er in seinem Papier titelt.

Montier zufolge sind die Theorien rund ums Gleichgewicht des realen Zinsessatzes bestenfalls graue Theorie – viel eher aber ein Konzept, das auf gefährliche Weise dem «groupthink» von Finanzexperten unterliege.

Goldenes Kalb – Schwarzes Schaf

Montier geht noch weiter: Der Geldpolitik würden zwar immer wieder wahre Wunder zugetraut. Sehe man indessen genau hin, dann müsse festgestellt werden, dass die Zinsstrategien der Notenbanken in der Realwirtschaft herzlich wenig bewirkten. So hätten die Lockerungen und Straffungen der Liquidität in den letzten Jahren Konsum und Investitionen kaum beeinflusst, rechnet Montier vor.

Viel wirksamer sei da etwa das Instrument der Steuerpolitik – doch dieses sei eben kein Goldenes Kalb von Wirtschaft und Finanzgemeinde, sondern viel eher ein Schwarzes Schaf.

So wettert Montier, und kündet bereits einen zweiten Teil seines Rundumschlags an. Die Fans werden gespannt darauf warten.

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