Felix Zulauf: «China-Crash ist erst der Anfang des Währungskriegs»

Für den Schweizer Börsenspezialisten Felix Zulauf ist der Kurssturz in China das Resultat massiver Fehleinschätzungen, getürkter Wirtschaftskennziffern und unreflektierter Wachstumsambitionen.

«China hat ein Problem mit seiner Währung», sagt Felix Zulauf (Bild). Denn viel zu lange hätten sich die Finanzbehörden im Reich der Mitte nach dem Dollar orientiert. Dadurch habe der Renminbi massiv an Wert gewonnen, was wiederum die Exportwirtschaft unter Druck gesetzt hätte, zumal parallel dazu andere asiatische Staaten, darunter Japan, ihre Währungen massiv abwerteten.

Das habe zu einer untragbaren Situation für China geführt, was zur jüngsten Abwertung des Renminbi führte. Zulauf, seines Zeichens Gründer und CEO des Zuger Vermögensverwalters Zulauf Asset Management, erkennt darin einen Paradigmenwechsel in Chinas Geldpolitik, und den Beginn eines neuen Währungskriegs, wie er in einem Interview mit dem amerikanischen Anlageportal «Financial Sense» ausführt.

Getürkte Wirtschaftszahlen

Dass die Börsen Chinas weiter nachgeben würden, zeige, dass das Problem bei weitem nicht gelöst sei, so Zulauf weiter. Viele Anleger würden sich nun auch bewusst, dass das Wirtschaftswachstum in China nicht wie offiziell angegeben 7 Prozent betrage, sondern bestenfalls 2 Prozent, behauptet Zulauf. Diese wachsende Verunsicherung führe zu einer Panik, der sich die Behörden in Peking immer weniger widersetzen könnten,

«China erlebte in den vergangenen Jahrzehnten den vermutlich grösssten Investment- und Kredit-Boom, den die Menschheit je gesehen hat», sagt Zulauf weiter. Und genau dieses Geld fliesse nun, in einem ebenso massiven Überfluss und Tempo wieder ab.

Erfolgreiche Gehirnwäsche

Für den Schweizer Börsenfachmann ist klar, dass dies zunächst enorme Auswirkungen auf die asiatischen Märkte und später auf die globale Wirtschaft haben werde. Zulauf erkennt einen Teufelskreis, zumal die chinesische Wirtschaft wesentlich schwächer wachse als bisher angenommen.

Den chinesischen Behörden sei es regelrecht gelungen, die Anleger sozusagen einer «Gehirnwäsche» zu unterziehen, so dass immer mehr Leute annahmen, das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte sei so hoch. Gerade dieser Umstand könnte nun rund um den Globus eine Massenflucht auslösen – raus aus dem chinesischen Kapitalmarkt.

Gefahr einer Bankenkrise

Felix Zulauf schliesst auch eine neuerliche Bankenkrise nicht aus. Insbesondere im asiatischen Raum, namentlich in Singapur und in Hongkong, wo die Finanzhäuser enorme Mittel in Form von Krediten nach China «gepumpt» hätten. Machten die Ausleihungen aus Singapur in andere asiatische Staaten (vorwiegend nach China) vor rund fünf Jahren noch 70 bis 80 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus, so betragen sie heute das Doppelte. Ähnlich ist die Entwicklung in Hongkong.

Sollten sich die wirtschaftlichen Probleme in China auaweiten und die Landeswährung weiter abgewertet werden, würde dies für die umliegenden Kreditgeber-Länder zwangsläufig zu enormen Ausfällen führen und letztlich zu einer Bankenkrise führen, erklärt Zulauf.

Parallelen zu den 1990er-Jahren

Der Schweizer sieht auch Ähnlichkeiten zur Asien-Krise in den späten 1990er-Jahren. Damals floss nach einem beispiellosen Boom, insbesondere in Südostasien, das Kapital ebenfalls in den Westen zurück und befeuerte den Boom der New Economy.

Gleichzeitig stürzten die Rohstoffpreise sowie die Aktien in Schwellenländern ab. Ein solches Szenario hält Zulauf nun wieder für möglich, zumal das nun in den Westen fliessende Geld die letzte Phase des aktuellen und seit 2009 dauernden Börsenbooms alimentieren könnte. Die Rohstoffpreise und die Schwellenländer-Börsen notieren bereits auf teilweise tiefsten Niveaus.

Wendepunkt im Wachstumsglauben?

Insofern deutet vieles darauf hin, dass Zulaufs Einschätzung, wonach die jüngsten Kurseinbrüche und Abwertungen der chinesischen Währung durchaus ein Wendepunkt sein könnten für einen Wachstumsglauben, der seit dem Ausbruch der Finanzkrise währte, und nun zu einem Ende kommt.

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