Rothschild & Cie Gestion: «Wir haben eine gegenläufige Position zum Markt»

Philippe Chaumel und Didier Bouvignies (v.l.n.r.)

Philippe Chaumel und Didier Bouvignies (v.l.n.r.)

Rothschild & Cie Gestion hat den Mischfonds R Alizés in der Schweiz lanciert. Die beiden Manager Didier Bouvignies und Philippe Chaumel über Strategie, Positionierung und die Einsamkeit der «Contrarians».


Herr Bouvignies, weshalb braucht es einen weiteren Mischfonds?

Mischfonds können eine Vielzahl von Strategien verfolgen, was für Anleger eher schwierig ist. Mit dem Fonds R Alizés versuchen wir, den Anlegern eine Alternative zu ihren festverzinslichen Anlagen zu bieten, indem wir das Durations-Risiko adressieren und gleichzeitig Renditemöglichkeiten anstreben.

Im aktuell volatilen Umfeld suchen Investoren laufend die richtige Positionierung auf der Zinskurve. Wir sind überzeugt, dass diese bei kurz- bis mittelfristigen Durationen liegt. Gleichzeitig brauchen die Anleger eine gewisse Diversifikation, um sich vor der Volatilität zu schützen.

«Das Aktienengagement des Fonds ist auf 30 Prozent seines Vermögens beschränkt»

Auch hier ist unser Fonds mit seinem interessanten Risikoprofil optimal: Die annualisierte Performance seit dessen Lancierung 2012 beträgt 7,1 Prozent bei einer Volatilität von 5,1 Prozent.

Herr Chaumel, wie sieht denn die Anlagestrategie des Fonds konkret aus?

Das Aktienengagement ist auf 30 Prozent seines Vermögens beschränkt, und das restliche Vermögen wird in Zinsprodukte investiert. So ist der Fonds gut diversifiziert und flexibel. Seine Anlagestrategie beruht auf den drei «K» – Konviktion, Kontrarität und Konvexität.

Wie definieren Sie High Conviction Management?

Chaumel: Dieser Ansatz, der auf den Überzeugungen des Fondsmanagers beruht, will den Referenzindex mittel- bis langfristig – über einen Anlagehorizont von 3 bis 5 Jahren – durch opportunistische Anlageentscheidungen schlagen, unabhängig vom Marktumfeld.

«Man fühlt sich manchmal schon ein wenig einsam bei seinen Entscheidungen»

Manager wie wir, die mit einem «Contrarian»-Ansatz arbeiten, nehmen eine gegenläufige Position zum Markt ein, hinterfragen die Kennzahlen, suchen nach der Substanz, die in den Zahlen steckt, und beschränken sich nicht auf die generelle Marktmeinung. Wir wollen wissen, wo und wie Trends entstehen, möchten die Konjunkturzyklen verstehen und uns ein Bild darüber machen, warum Unternehmen rentabel arbeiten. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bestimmen unsere Allokation und Titelselektion.

Contrarian zu sein heisst auch, Mut zu beweisen, oder nicht?

Chaumel: Ja, man fühlt sich manchmal schon auch ein wenig einsam bei seinen Entscheidungen. Wir können die allgemein gültigen Kennzahlen aber nur ignorieren, wenn wir im Voraus eine gründliche Analysearbeit der Fundamentaldaten geleistet haben. Ausserdem geht es darum, die Ergebniserwartungen in Perspektive zu setzen und zu entscheiden, ob die Risikoprämie übertrieben hoch oder tief ist.

Aber all die Analysen nützen nichts, wenn man dann den Mut zu Entscheidungen nicht hat und beim Investieren auf Grund von Einschränkungen nicht flexibel genug sein kann.

Woran orientieren Sie sich bei Ihrer Suche nach Anlagechancen?

Bouvignies: Wenn wir uns an die Fundamentaldaten eines Unternehmens machen, untersuchen wir, ob die Gesellschaft eine «normale» Marge verzeichnet, also eine Marge, die, zum Beispiel in der Industrie, eine angemessene Vergütung für das investierte Kapital darstellt.

«Die europäischen Aktienmärkte besitzen immer noch das grösste Potenzial»

Falls die verzeichnete Marge deutlich von dieser so genannten «normalen» Marge abweicht, müssen wir sie erklären, indem wir uns mit der Analyse des Wettbewerbs oder einer suboptimalen Unternehmensführung beschäftigen.

Unsere Top-down-Analyse ist nach dem gleichen Schema aufgebaut wie unsere Bottom-up-Analyse. Das gesamte Ziel unseres Makro-Researchs besteht darin, die richtige Position auf dem Konjunkturzyklus zu ermitteln.

Wie ist der Fonds zu Beginn dieses Jahres positioniert?

Chaumel: Er verfügt aktuell über ein maximales Engagement in Aktien von 30 Prozent, da wir die wirtschaftliche Lage vielversprechend einschätzen. Trotz der aktuellen Marktkorrektur und Volatilität sind wir überzeugt, dass die europäischen Aktienmärkte immer noch das grösste Potenzial besitzen.

«Deshalb haben wir Bankentitel übergewichtet, insbesondere französische und italienische»

Die Bewertungen sind absolut gesehen sowie im Vergleich zu anderen Anlageklassen nach wie vor attraktiv. Und innerhalb unserer Titelselektion ziehen wir Werte vor, die einen tiefgreifenden Wandel vollziehen. Deshalb haben wir die Bankbranche übergewichtet, insbesondere die französische und die italienische.

Und wie sieht es mit Anleihen aus?

Bouvignies: Da dreht sich unser Szenario um vier Punkte: einen Anstieg der niedrigen Zinssätze in den Vereinigten Staaten und in Deutschland, keine Deflation in der Eurozone, einen Rückgang der Kreditrisiko-Prämien in den Peripheriestaaten sowie kein Auseinandergehen der Kredit-Spreads.

Wir begleiten diese Zinserhöhung mit Wertpapieren, die eine attraktive Rendite ausweisen. Dabei behalten wir eine Sensitivität von null gegenüber steigenden Zinsen und ziehen mittlere Laufzeiten vor. Was die Segmente betrifft, ziehen wir Staatsanleihen vor, sind aber auch Unternehmensanleihen nicht abgeneigt, insbesondere in der Finanzbranche.


DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

GETWITTER

SELECTION

Selection

So sieht der Banker der Zukunft aus

Mit aller Macht versuchen die Banken, ihr Geschäft ins Zeitalter der Digitalisierung zu retten.

Selection

Unattraktive Bankjobs

Unattraktive Bankjobs

Warum es nicht mehr so begehrenswert ist, bei einer Bank zu arbeiten.

Selection